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Heimatsound im Kleinen Theater: Die junge Peitinger Band Rigoros sorgte für Stimmung unter den meist jungen Gästen.

Enttäuschende Besucher-Resonanz bei der 7. Auflage

Brettl-Nacht steht auf der Kippe

War das die letzte Brettl-Nacht in Oberammergau? Nach dem mäßigen Besuch vom Wochenende ist der Veranstalter ins Grübeln gekommen.

Oberammergau – Die Straßen in Oberammergau sind wie leer gefegt. Hier und da ertönt aus den Gaststätten gedämpfte Musik – der einzige Hinweis darauf, dass im Ort die Ammergauer Brettl-Nacht stattfindet. Der Einheimische Fred Fürsich, der seit Jahren an der Veranstaltung teilnimmt, zeigt sich von der geringen Resonanz schockiert: „So etwas habe ich in all den Jahren noch nie erlebt. Dabei ist das Programm abwechslungsreich. Ich kann nur hoffen, dass die Brettl-Nacht nicht stirbt“.

Die siebte Auflage wurde heuer erstmalig in den Februar verlegt. Wie berichtet, wollte Veranstalter Rupert Reggel von „Holiday Event“ damit einen zeitlichen Abstand zu den Faschingsbällen im Umland schaffen. Auch erhoffte er sich „milderes Wetter“. Doch ausgerechnet an diesem Wochenende zog eine arktische Kaltfront über Deutschland. Ferner konzentrierte Reggel das Geschehen heuer auf das Zentrum – 2017 hatte es noch einen Shuttlebus nach Wurmansau und Unterammergau gegeben. Offenbar haben diese Änderungen nicht gereicht: Die spärlichen Gäste verteilten sich auf die neun Veranstaltungsorte. Im „Treffpunkt“ etwa spielte die Böbinger Coverband BeatBulls zeitlose Rock-Hits aus drei Jahrzehnten Musikgeschichte. Ihr satter Gitarrenklang lockte ein bunt gemischtes Publikum an – Jung und Alt kamen dabei auf ihre Kosten. Hingegen ließ die Münchner Truppe Beathotel mit ihrem dreistimmigen Harmoniegesang und dem markanten Jingle-Jangle-Sound der Rickenbacker Gitarren den Spirit der 1960er Jahre wieder aufleben. Die vier Musiker, deren Song „Yeah“ durch den Kinohit „Schweinskopf al dente“ berühmt wurden, ließen es im Wirtshaus so richtig krachen. Was auf die Ohren gab es auch im Kleinen Theater. Dort marschierte die Peitinger Nachwuchsband Rigoros mit wehenden Fahnen ein, auf denen war das Motto der Gruppe gedruckt: „Koan Stress“. Dies ist zugleich der Titel ihres Erstlingsalbums. Rigoros steht für experimentellen Heimatsound: An Schlagzeug, Bass, Piano Gitarre und Posaune präsentiert das Quintett bayerischen Pop, Ska und sogar Hip-Hop, der an den Stil von Django 3000 oder La Brass Banda erinnert. Das lockte vor allem junge Besucher an.

Ein Geheimtipp war der Kabarettist Günther Stolarz aus Berlin. Begleitet von virtuosem Klavierspiel, vollführte er eine komische Ein-Mann-Oper. Mit dramatisch-heldenhaftem Bariton schmetterte Stolarz: „Wir schunkeln! Und flüstern dem Nachbarn unseren Kontostand ins Ohr!“ Die außergewöhnlichen Arien des Künstlers sorgten bei manchen für Lachtränen. Insgesamt gab es acht Interpreten zu bestaunen – mit dabei war auch wieder Urgestein Hanse Schoierer. Den Ausklang des Abends bildete eine Aftershow-Party im Wellenberg. Dort war gegen Mitternacht jedoch tote Hose. Rupert Reggel zog durch die Lokale und schien sichtlich enttäuscht. Ihm zufolge sei der Vorverkauf bereits schlecht gelaufen. Er kann sich das fehlende Interesse nicht erklären. Ob und wie es mit der Brettl-Nacht weitergeht, ist völlig offen.

Constanze Wilz

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