Brisantes Papier: Die Initiatorinnen des Bürgerbegehrens El isabeth Kemper (l.), Maria Blaschke (2.v.r.) und Irmi Fischer (r.) übergeben die Unterschriften an den Zweiten Bürgermeister Eugen Huber und Sabrina Freißl (2.v.l.) vom Ordnungsamt.

Drei Oberammergauer Frauen reichen ein Bürgerbegehren ein

573 Unterschriften gegen Umbau der Passionsbühne 

  • schließen

Stürmische Zeiten stehen Oberammergau bevor: Am Freitag traf die Baugenehmigung für den Umbau der Bühne im Passionstheater ein, gleichzeitig wurde dagegen ein Bürgerbegehren eingereicht.

Oberammergau – Das ist rekordverdächtig: Gerade einmal vier Tage haben die Initiatorinnen des neuen Bürgerbegehrens in Oberammergau gegen den geplanten Umbau der Freilichtbühne im Passionstheater gebraucht, um die notwendigen 456 Unterschriften zusammen zu bekommen. Gestern Mittag übergaben nun Maria Blaschke, Irmi Fischer und Elisabeth Kemper die Liste mit 573 eingetragenen Namen im Pilatushaus an den Zweiten Bürgermeister Eugen Huber, der derzeit die Geschäfte führt. Die Fragestellung eines möglichen Begehrens lautet: „Sind Sie dafür, dass auf den von der Gemeinde Oberammergau (Eigenbetrieb Oberammergau Kultur) geplanten Umbau der Bühne des Passionsspielhauses verzichtet wird?“

Sondersitzung im September

Als „nicht sonderlich aufwändig“ bezeichnete Kemper das Einholen der Unterschriften: „Das beweist, dass wir mit unserem Vorstoß so falsch nicht liegen können.“ Vize-Rathauschef Huber kritisiert vor allem den Zeitpunkt der Bürger-Initiative: „Das ist absolut der falsche Zeitpunkt und hätte weit früher geschehen müssen, zum Beispiel direkt nach unserer Infoveranstaltung am 18. Mai. Da hätte man eventuell noch einmal darüber reden können. Jetzt ist schon vieles im Fluss.“

Das weitere Prozedere sieht nun so aus, dass die Gemeindeverwaltung binnen vier Wochen das eingereichte Bürgerbegehren auf Rechtmäßigkeit hin prüfen wird. Am Mittwoch, 11. September, soll dann nach den Worten von Huber eine eventuelle Sondersitzung des Gemeinderates stattfinden. Erfolgt hier mehrheitlich die Zustimmung, könnte es Mitte Dezember zur Abstimmung der Bürgerschaft kommen. „Ein sehr, sehr später Zeitpunkt, um noch im Zeitplan der Passionsvorbereitung zu bleiben“, gibt Eugen Huber zu bedenken.

Gestern ist vom Landratsamt die Baugenehmigung für den Umbau der Freilichtbühne eingetroffen. Umgehend ging dann der Auftrag an den günstigsten Bieter, ein heimisches Baugeschäft, raus. Der Zweite Bürgermeister: „Wir werden am Montag mit den Arbeiten beginnen.“ Huber stützt sich hier auf einen Mehrheitsbeschluss (7:3) des letzten Werkausschusses: Hier wurde für die Baumaßnahme Bühne in Höhe von 250 000 Euro, die im gesamten Bühnen- und Kostüm-Budget von 1,7 Millionen Euro enthalten ist, grünes Licht gegeben. Der „Vize“ ist überzeugt davon, rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, nachdem man auch ein Auskunft im Landratsamt eingeholt hat: „Nach unserer Auffassung dürfen wir bis zur Entscheidung über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens mit dem Bauvorhaben beginnen. Schließlich bin ich laut Eid, den ich geleistet habe, verpflichtet, jeglichen Schaden von der Gemeinde abzuwenden.“

„Keine Demokratie mehr“

Konsterniert reagierten die Initiatorinnen des Bürgerbegehrens auf das Verhalten der Gemeinde. Eine enttäuschte Elisabeth Kemper: „Anscheinend will die Kommune völlig unbeeindruckt den Bau mit aller Macht durchziehen, obwohl so viele Bürger dagegen sind. Das kann es nicht sein. Es ist bitter, mit ansehen zu müssen, dass in unserem Dorf keine Demokratie mehr herrscht.“ Die Gemeinde gebe laut Kemper jeglichen Spielraum aus der Hand und der Zweite Bürgermeister berufe sich auf die künstlerische Freiheit des Leitungsteams der Passionsspiele: „Aber da muss ich mich schon fragen, ob nur noch ein paar wenige entscheiden und die Masse der Ammergauer, die ja den Passion spielen, gar nichts mehr zu sagen hat.“

Oberammergau stehen in den nächsten Wochen stürmische Zeiten bevor!

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Michael-Ende-Kurpark wird zum Yoga-Paradies: Erstes „Wanderlust-Festival“ begeistert
Es war ein großer Erfolg: Das „Wanderlust“-Festival traf den Nerv von mehr als 1000 Besuchern. 
Michael-Ende-Kurpark wird zum Yoga-Paradies: Erstes „Wanderlust-Festival“ begeistert
Vogelschutzwarte bleibt in Garmisch-Partenkirchen
Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat ein Machtwort gesprochen. Die Vogelschutzwarte wird nicht nach Augsburg verlegt, sondern arbeitet weiter von …
Vogelschutzwarte bleibt in Garmisch-Partenkirchen
Rund 2500 Zuschauer in Krün: Almabtrieb als Publikumsmagnet
Diese Tradition ließen sich am vergangenen Samstag rund 2500 Zuschauer in Krün nicht entgehen: Sie verfolgten den Almabtrieb von 140 Rindern. Kurz vor Mittag erreichten …
Rund 2500 Zuschauer in Krün: Almabtrieb als Publikumsmagnet
Ohlstadt rüstet für Jugend auf: Erste Pläne für Skaterplatz liegen auf dem Tisch
Ohlstadt will sich für die örtliche Jugend ins Zeug legen. Am Schwimmbad könnte ein Skaterplatz entstehen. Im Gemeinderat wurde ein erstes Grobkonzept vorgestellt.
Ohlstadt rüstet für Jugend auf: Erste Pläne für Skaterplatz liegen auf dem Tisch

Kommentare