Minusrekord geknackt

Bürgerversammlung vor Geisterkulisse

Oberammergau - Erschreckend: Gerade einmal gut 50 Interessierte besuchten die Bürgerversammlung in Oberammergau.

Bürgermeister Arno Nunn

Streitkultur. Darauf ist Oberammergau abonniert. Politische Themen werden regelrecht aufgesaugt. Hier ist ein Bürgerbegehren ein festes Instrumentarium. Verkehrte Welt daher am Dienstagabend? Gerade mal knapp über 50 Bewohner - zieht man Gemeinderäte und Mitarbeiter der Verwaltung ab, verblieben 43 Anwesende - „strömten“ da zur Bürgerversammlung ins Ammergauer Haus. Damit ist der bisherige Minusrekord aus dem Jahr 2006 mit 65 Zuhörern geknackt. Als Rathauschef Arno Nunn das geringe Interesse mit dem Satz kommentierte „Vielleicht ist die Bürgerschaft ja auch zufrieden mit dem, was gerade passiert“, gab’s im gähnend leeren Saal noch leises Gelächter . . .

Auch wenn es zur Zeit in Ammergau wohl kein großes brennendes Thema gibt, so konnten Nunn und Landrat Anton Speer doch einiges Neues berichten. Wie etwa die Einrichtung einer Flüchtlings-Unterkunft im früheren Hotel Friedenshöhe (siehe 1. Lokalseite). Breiten Raum im Bericht des Bürgermeisters nahm die Finanzsituation der Gemeinde ein, die im Geflecht von Haushalt- und Steuerrecht sowie unternehmerischer Sichtweise schwer zu durchschauen sei. Fakt ist, dass zum Jahresende 2015 noch über 21 Millionen Euro auf der hohen Kante der Kommune lagen. Dazu bemerkte Nunn: „Der Gemeinde geht es nicht so schlecht, wie es immer dargestellt wird. Im Vergleich von 2009 zu 2019 dürften wir um 20 Millionen Euro besser dastehen.“ Bei einem angenommenen Verlustausgleich von 2016 bis 2019 in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Euro verbliebe noch eine Investitionsspanne von knapp sieben Millionen.

Dennoch mache sich der Gemeinderat nach den Worten des Bürgermeisters intensive Gedanken über Einsparungen: Ein mögliches Denkmodell sei die Anhebung der Grundsteuer B, wodurch sich bis 2019 Mehreinnahmen von rund 600 000 Euro erzielen ließen. Die Erhöhung der Zweitwohnungssteuer spült zusätzlich 300 000 Euro in die Kassen. Positives vermeldete Arno Nunn beim Wellenberg: Die Besucherzahlen seien ansteigend (178.000 in 2015), das Jahresminus konnte auf 560 000 Euro gedrückt werden und durch energetische Maßnahmen konnten beim Energieverbrauch im Vergleich zu 2012 über 160.000 Euro im Jahr eingespart werden. In kleinen Schritten (Sauna, Terrasse) wolle man die Attraktivität des Bads weiter vorantreiben.

Weiter riss der Rathauschef in seinem Bericht noch die Themen Tourismus („Wir haben ein stabiles Wachstum“), Hochwasserschutz (Ertüchtigung der Großen Laine) und Breitband (bald stehen überall in Oberammergau 30 Mbit/s zur Verfügung) an. Zur Passion 2020 bemerkte das Ortsoberhaupt, „dass die Vorbereitungen dafür schon laufen“. Zuhörer Herbert Köpf mahnte, bei allen Diskussionen ums Budget für die Inszenierung nicht zu vergessen, auch Geld für die Bühne und die Sanierung der Gardaroben in die Hand zu nehmen: „Do derf’ auf koan Fall gspart werd’n“. Nunn versprach, „dies zu prüfen“.

Schriftliche Anfragen von Bürgern gab es derer zwei: Hartmut Basche wollte unter anderem wissen, wie hoch die Gesamtkosten für das Qualikom-Projekt sind (Antwort Nunn: 195.000 Euro), und Dr. Christoph Sühnel interessierte, welches Ereignis zur Sperrung der „Rialto-Brücke“ geführt habe. Hierzu stellte Nunn fest, dass Gutachter zu unterschiedlichen Einschätzungen gekommen seien. Nun müsse der Gemeinderat demnächst entscheiden, ob der Pürschlingsteg für geschätzte Kosten von 190 000 Euro saniert - oder ganz abgerissen werden soll.

(hut)

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