Parkplatz am Passionstheater in Oberammergau
+
Bislang konnten am Passionstheater die Reisebusse parken.

„Das Schlimmste, was uns passieren kann“

Angst vor Touristenschwund: Neues Parkkonzept lässt Einzelhändler rebellieren - „Wäre fatal für uns“

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
    schließen

Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht: Diese Meinung vertreten zahlreiche Geschäftsleute aus Oberammergau. Sie üben Kritik an der Reisebus-Regelung im neuen Parkraumkonzept.

Oberammergau – Wie viele Namen es sind? Andreas Rödl (CSU) weiß es nicht. Viele auf jeden Fall. Zu viele, um sie zu ignorieren. Mehrere Seiten umfasst die Unterschriftenliste samt Firmenstempeln, die bei Oberammergaus Bürgermeister im Rathaus eingetrudelt ist. Der Einzelhandel rebelliert. Aus Existenzängsten. Ausgelöst durch das neue Parkraumkonzept, das der Gemeinderat im März verabschiedet hat und das heuer als Testlauf für ein Jahr starten soll. Der Plan, die Reisebusse aus dem Ortszentrum zu verdrängen, bereitet den Geschäftsleuten Bauschmerzen. „Das ist das Schlimmste, was uns passieren kann“, sagt Katharina Graf vom Schuhhaus Wolf.

Oberammergau: Einzelhandel kritisiert neues Parkraumkonzept - lange Liste mit Unterschriften

Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da. Das belegt die lange Liste. 40 Betroffene signierten diese. Franziska Wittmann weiß die Zahl genau. Die Inhaberin von „Die Schatulle“ und ihre Souvenirladen-Kollegin Gabriele Furtner initiierten die Aktion, sammelten die Unterschriften. Selbst Gastronomen und Hoteliers schlossen sich an. Und es wären wohl noch mehr Namen geworden, meint Wittmann. Nur konnte sie wegen der Schließungen nicht jeden erreichen.

Für sie alle steht fest: Das Vorhaben der Gemeinde schadet ihnen. Massiv. Bislang konnten die Reisebusse am Passionstheater parken. Künftig sollen sie an der Eugen-Papst-Straße halten und dort die Gäste verabschieden und später wieder abholen. In der Zwischenzeit kann der Fahrer den Festparkplatz ansteuern und dort gegen Gebühr warten. Nur wurde der relevanteste Faktor dabei vergessen, betont Graf. Die Einzelhändler leben zu 80 bis 100 Prozent vom internationalen Tourismus.

Einzelhandel befürchtet: Reisebusse ändern künftig ihre Route

Gerade von Bussen, die auf ihrer Erkundungstour mit Schloss Linderhof und Neuschwanstein einen Zwischenstopp in Oberammergau einlegen. Während die in der Regel älteren Besucher bis dato direkt am Passionstheater die Toiletten aufsuchen, würden künftig schon dafür einige Minuten draufgehen, um zu Fuß dorthin zu marschieren. Das Bummeln und Einkaufen fällt dementsprechend kürzer aus. Heißt in der Konsequenz: „Wir können mit einem großen Teil der Kaufkraft nicht mehr rechnen.“

Ob die Busunternehmen die erschwerte Anfahrt überhaupt auf Dauer akzeptieren, bezweifeln die Betroffenen. „Sie fahren Oberammergau vielleicht noch zwei-, dreimal an, aber dann entscheiden sie sich für Ettal oder so“, glaubt Wittmann. „Das wäre fatal für uns.“ Die Geschäftsleute brauchen die Touristen. Wegen Corona mehr denn je. „Wir liegen eh schon alle am Boden“, betont die Schatullen-Chefin.

Wir sollten die Gäste nicht vertreiben.

Franziska Wittmann

Gerade die Souvenirläden oder Geschäfte wie Käthe Wohlfahrt würden außerordentlich leiden. Sie verdienen in erster Linie an den Besuchern aus aller Welt. „Das sind ganz wichtige Kunden“, stellt Wittmann klar. Sie kaufen Bierkrüge, Kuckucksuhren oder Andenken an die Schlösser, die es in Oberammergau günstiger gebe als an den Sehenswürdigkeiten selbst. Ihr klarer Appell: „Wir sollten die Gäste nicht vertreiben.“

Rödl nimmt die Kritik ernst. Reagierte darauf, arrangierte ein Treffen mit zehn Vertretern. Sie setzen sich am Dienstag (30.3.) im Ammergauer Haus zusammen, um sich auszutauschen. „Wir wollen ja nicht gegen die Leute arbeiten, sondern eigentlich für sie“, verdeutlicht der Bürgermeister. Deshalb hört er sich die Argumente aus der Geschäftswelt an. Es gehe ihm nicht darum, die eigenen zu verteidigen.

Oberammergau: Nach Kritik von Einzelhändlern - Treffen mit Bürgermeister arrangiert

Die Sorgen möchte er auch in den Gemeinderat tragen, damit sich die Ortspolitiker eine Meinung bilden und entscheiden können. Das Gremium erachtet Rödl sowieso als den richtigen Adressaten der Tadel. Er nimmt Thomas Pfefferle vom Bauamt, der das Konzept ausgearbeitet hatte, in Schutz. „Beschlossen hat der Gemeinderat. Wenn, muss man das Gremium schimpfen“, sagt der Rathauschef und bezieht sich auf einen Leserbrief im Tagblatt.

Die Einzelhändler kommen vor dem Termin mit dem Bürgermeister zu einer eigenen Vorbesprechung zusammen. Auch Rödl konferiert digital am Vormittag noch mit dem Abteilungsleiter des Oberbayernbusses. Denn eines möchte er verhindern. „Ich will nicht schuld daran sein, dass keine Urlauber mehr kommen.“

Eine Oberammergauerin hat alles versucht. Doch sie konnte und durfte ihre Mutter vor deren Tod nicht mehr im Klinikum Garmisch-Partenkirchen besuchen. Der Grund: Corona. Doch es hätte eine Möglichkeit gegeben, sagt sie, und erhebt Vorwürfe gegen einen Chefarzt. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

(Von Manuela Schauer)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare