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Auf „Notbetrieb“ heruntergefahren wird das Gesundheitszentrum in Oberammergau.

Mitarbeiter und Patienten der Reha-Klinik positiv auf Covid 19 getestet

Amt erlässt Aufnahmestopp im Gesundheitszentrum Oberammergau

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Corona hat das Land fest im Griff: Jetzt ist auch das Gesundheitszentrum Oberammergau betroffen.

Oberammergau – Ulrich Tonak blickt zurück, nur ein paar Monate: „Wenn mir im Januar jemand gesagt hätte, dass so etwas auf uns zukommt, den hätte ich glatt für verrückt erklärt.“ Doch nun hat das Coronavirus auch das Gesundheitszentrum Oberammergau erreicht, wie der Mitinhaber der Einrichtung einräumen muss: „Geheimniskrämerei in dieser Phase wäre fatal, ich stehe für Offenheit. Am Freitagabend hat das Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen unser Haus mit einem Aufnahmestopp belegt. Bis auf weiteres dürfen wir keine Neuzugänge mehr aufnehmen. Das ist eine einschneidende Maßnahme für uns.“ Anlass: Mehrere Patienten und Mitarbeiter sind mit dem Covid-19-Virus infiziert. Nach der Anzahl der positiv Getesteten gefragt, antwortet Tonak (59): „Das bewegt sich im niedrigen zweistelligen Bereich. Ein Mitarbeiter befindet sich im Krankenhaus, die anderen in häuslicher Quarantäne.“

153 Zimmer, bis zu 150 Beschäftigte

Machte das Gesundheitszentrum Oberammergau in den vergangenen Jahren Schlagzeilen, dann meist positive: Die 153 Zimmer und 172 Betten waren über das ganze Jahr verteilt sehr gut belegt. Zwischen 140 und 150 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Gäste und Patienten in der Fachklinik am Kofel, die viele Patienten bei ihren Anschlussrehabilitations-Maßnahmen (zum Beispiel nach Operationen in Akutkrankenhäusern) betreut und begleitet. Mit jedem Tag mehr seit Beginn der Corona-Krise spitzte sich die Lage am Gesundheitszentrum wie bei vielen anderen Rehakliniken immer mehr zu. Dazu Tonak, der das Haus zusammen mit Geschäftsführer Norbert Schaknat, dem Ärztlichen Direktor Dr. Jürgen Grundnig und Chefarzt Dr. Armin Rosenberger leitet: „Trotz aller präventiven Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie einem Besucherstopp hat es sich nicht verhindern lassen, dass das Virus auch unsere Einrichtung erreicht.“

Als ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes am Freitag anrief und die Klinik am Lärchenhügel mit einem Aufnahmestopp belegte, stieß er bei den Inhabern auf Verständnis: „Zum Schutz unserer Patienten und Mitarbeiter war dies vertretbar und in Ordnung.“ Er sieht in der Anordnung die „beste Möglichkeit, die Infektionskette zu unterbrechen und somit das Gesundheitszentrum wieder komplett Corona-frei zu machen“. Derzeit befinden sich nach den Worten des 59-Jährigen noch 80 Patienten im Haus: „Die können ihre Reha normal zu Ende bringen. Aber neue Leute dürfen wir ab sofort nicht mehr aufnehmen. Der Betrieb des Hauses läuft nur noch auf Sparflamme weiter.“

Keine Sorge um die Zukunft

Große Sorgen und Ängste um die Zukunft verspürt der Mitinhaber nicht: „Ich und meine Gesellschafter sind von unserem erfolgreichen Konzept und von dem Weg, den wir beim Erwerb der Immobilie vor 13 Jahren eingeschlagen haben, überzeugt, wir sind gut aufgestellt. Daher wird uns Covid 19 nicht aus der Bahn werfen. Wir haben Rücklagen gebildet, außerdem nutzen wir die Möglichkeit der Kurzarbeit.“ Ulrich Tonak betont jedoch auch: „Häuser wie das unsrige werden so lange mit dem Virus leben und sich damit auseinander setzen müssen, bis es einen Impfstoff gibt.“ Ein großes Lob spricht der gebürtige Schwabe seinen Mitarbeitern aus: „Sie stehen in dieser schwierigen Zeit voll zu uns und halten uns die Treue. Wir versuchen möglichst gut, sie immer auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen zu halten und transportieren die Informationen offen.“ Das Telefonat mit dem Tagblatt gestern am eigentlich freien Sonntag kommentierte Tonak so: „Freie Tage gibt es gerade nicht für uns, die Situation erfordert ständige Präsenz.“

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