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Die Enttäuschung sitzt tief: Passions-Spielleiter Christian Stückl kommen bei der Verkündung der Absage die Tränen. 

Neuer Premierentermin steht

Corona: Passionsspiele in Oberammergau 2020 sind abgesagt - Stückl kämpft mit den Tränen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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  • Ludwig Hutter
    Ludwig Hutter
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Es geht nicht. Wegen Corona wird es 2020 in Oberammergau keine Passionsspiele geben. Sie werden zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt.

  • Die Entscheidung ist schwer gefallen. 
  • Aber angesichts der Corona-Entwicklung und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr wurde sie getroffen: 
  • Die Passionsspiele 2020 in Oberammergau finden nicht statt. 

Update, 20. März, 10.25 Uhr: 

Oberammergau – Er hielt lange durch, doch dann übermannten ihn die Gefühle: Spielleiter Christian Stückl musste sein Statement abbrechen, kämpfte mit den Tränen. Und derer brauchte er sich nicht zu schämen. Das Szenario, das vor vier Wochen noch niemand für möglich gehalten hatte, ist eingetreten. Oberammergau steht unter Schock, ist wie gelähmt. Die Straßen menschenleer, nicht nur wegen Corona. Viele Ammergauer wollen jetzt alleine sein.

Aufgrund der aktuellen und weiter zu erwartenden Gefährdungslage hat Landrat Anton Speer am Donnerstagnachmittag  die diesjährigen Passionsspiele abgesagt. Sie sollen nun im Jahr 2022 nachgeholt werden. Das berühmte Spiel, das auf ein Pestgelübde von 1633 zurückgeht und zu dem knapp 500 000 Besucher aus aller Welt erwartet worden wären, hätten in diesem Jahr rund 2500 Oberammergauer zum 42. Mal auf die Bühne gebracht. Für den 16. Mai war die Premiere angesetzt. Schnee von gestern.

Ernste Mienen bei einer Pressekonferenz vor dem Passionstheater: Landrat Anton Speer verkündete in Beisein von Dr. Karin Kübler vom Gesundheitsamt, Spielleiter Christian Stückl, Werkleiter Walter Rutz und Bürgermeister Arno Nunn die unumgängliche und notwendige Entscheidung. Aus gesundheitspräventiven Gründen könnten die Passionsspiele nicht stattfinden. Es war 16.07 Uhr. Speer machte deutlich, dass ihm dieser Schritt der Absage gerade als Unterammergauer sehr schwer falle: „Ich weiß, mit wieviel Herzblut und Begeisterung die Oberammergauer zu ihrem Passion stehen und fühle mit ihnen.“ Das Leitungsteam habe in der Vorbereitung großartige Arbeit geleistet.

Schwer zu verdauende Entscheidung

Als „schweren Einschnitt“ bezeichnete Bürgermeister Arno Nunn diesen Schritt, aber den Verantwortlichen sei nichts anderes mehr übrig geblieben. Der scheidende Gemeindechef pries die Passion „als ganz besondere, tolle Zeit für das Dorf“. Auch seine Stimme geriet dabei kurz ins Stocken. Nicht nur für die Mitwirkenden, auch für die Beherbergungsbetriebe, die Gastronomie, den Einzelhandel und die Handwerksbetriebe bedeute die Absage eine schwer zu verdauende Entscheidung. Doch umgehend verwies der Bürgermeister auf den einstimmigen Beschluss des Gemeinderates vom Mittwochabend, die Passionsspiele auf 2022 zu verschieben.

Einen emotionalen Einblick in die vergangenen Wochen gab Spielleiter Christian Stückl: „Am 8. März haben wir die letzte große Probe gehabt, Kreuzweg und Kreuzigung, ausgerechnet.“ Einige Tage später habe er „eine eigenartige Traurigkeit verspürt“, und als ihm dann noch Jesus-Darsteller Rochus Rückel sagte, er tue sich so schwer, den Text zu lernen, weil seine Gedanken stets woanders seien, dann habe Stückl kein gutes Gefühl mehr gehabt und sich gesagt: „Jetzt miass ma aufhören mit de Proben.“ Die Absage jetzt sei für ihn letztlich auch eine Art Befreiung, um dann aber gleich nachzuschieben: „Aber wir sagen nicht ab, wir verschieben nur.“ Der Premierentermin steht schon: 21. Mai 2022.

Barterlass ab sofort außer Kraft gesetzt

Dass nun die Entscheidung so gefallen sei, dahinter steht der Spielleiter voll und ganz: „Wir hätten die Verantwortung einfach nicht übernehmen können. Es gibt in diesen Tagen viele Menschen, denen geht es so viel schlechter als uns. Ein Theater kann man verschieben.“ Unter Tränen dann die Schlussworte: „Wir müssen jetzt zusammenstehen und brauchen eine Zeit für uns, in der wir uns zurückziehen können.“ Pause. Dann ein letzter Satz: „Danach machen wir wieder unseren Passio ...“

Noch ein kleiner Moment zum Schmunzeln in diesen Zeiten: Mit der Absage ist auch der Haar- und Barterlass ab sofort außer Kraft gesetzt. Die Mitwirkenden können sich wieder Haare schneiden und Bärte stutzen lassen. Pech nur: Beide Friseurgeschäfte im Dorf haben im Moment geschlossen... Am nächsten Aschermittwoch 2021 mit dem neuerlichen Aufruf, Haare und Bärte wachsen zu lassen, beginnen dann schon wieder die Vorbereitungen für 2022.

Erstmeldung vom 19. März:

Oberammergau - Die Entscheidung haben die Verantwortlichen am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. 

Grundlage ist ein Bescheid des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen, der die Aufführung der Oberammergauer Passionsspiele untersagt. Die Gesundheit der Gäste und Mitwirkenden hat  höchste Priorität, daher haben sich die Verantwortlichen entschlossen, die für den 16. Mai 2020 geplante Premiere der Passionsspiele auf das Jahr 2022 zu verschieben. 

Alle aktuellen Infos zum Coronavirus im Landkreis gibt es im Ticker

Grundlage für die Entscheidung des Landratsamts sowie des zuständigen Gesundheitsamts war das Infektionsschutzgesetz: „Das Gesundheitsamt hat eine Risikoeinschätzung vorgenommen. Hiernach ist eine Durchführung der Passion bis in den Herbst hinein nicht möglich. Es ist zwar davon auszugehen, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder zurückgefahren werden können, wenn die exponentielle Zunahme an Infizierten unterbrochen werden kann. Jedoch werden wir noch über einen langen Zeitraum ein hohes Risiko haben, dass immer wieder Infektionen auftreten werden. Es ist zu dem jetzigen Zeitpunkt schon eindeutig vorherzusagen, dass eine Veranstaltung in der Größenordnung der Passionsspiele nicht durchführbar ist. Das Risiko ist zu hoch, dass neue Infektionsketten entstehen. Aus gesundheitspräventiver Sicht ist die Veranstaltung daher zu untersagen.“ 

Passionsspiele: Premiere verschoben auf 2022

Auch für die Gemeinde Oberammergau und die Spielleitung um Christian Stückl steht die Gesundheit der Bevölkerung an erster Stelle. Die Corona-Pandemie hat es unmöglich gemacht, das diesjährige Spiel fertig zu stellen, ohne die Mitwirkenden und Gäste zu gefährden. Darüber hinaus ist die Perspektive für dieses Jahr unklar. Eine Verschiebung um lediglich ein paar Monate erschien allen Beteiligten als nicht tragbar. 

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Die Passionsspiele gehen auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück. Damals gelobten die Oberammergauer das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte. Dieses Gelübde wollen sie weiterhin erfüllen. Daher beginnen derzeit die Planungen das Passionsspiel 2022 zur Aufführung zu bringen. Die Premiere ist für den 21. Mai 2022 vorgesehen, weitere Spieltermine werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. 

Bereits in der Vergangenheit kam es zu Verschiebungen oder gar Absagen der Passionsspiele. 1770 konnten die Passionsspiele aufgrund eines Generalverbotes nicht stattfinden, 1940 verhinderte der Zweite Weltkrieg eine Aufführung. Zum Passionsspiel 1920 beschloss der Gemeinderat, die Vorbereitungen für die Passion angesichts der hohen Zahl an Gefallenen des Ersten Weltkrieges nicht voranzutreiben, jedoch konnten die Passionsspiele 1922 nachgeholt werden. 

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Passionsspiele: Rückerstattung von Karten

Für die Rückerstattung der bereits erworbenen Karten und Arrangements werden zwei Möglichkeiten angeboten: Voraussichtlich ab dem 6. April können Reservierungen für die diesjährigen Vorstellungen in eine Reservierung für 2022 umgewandelt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Stornierung der Karten und Arrangements, hierbei erhalten Sie eine Rückerstattung des Kaufpreises. 

Informationen und Rückerstattungs-Formulare finden Sie zeitnah auf unserer Website www.passionsspiele-oberammergau.de

Für die Oberammergauer Passionsspiele 2020 waren insgesamt 103 Vorstellungen vom 16. Mai bis 4. Oktober geplant. Das Passionstheater in Oberammergau umfasst knapp 4.500 Sitzplätze und ist damit die größte Freiluftbühne mit überdachtem Zuschauerraum weltweit. Erwartet wurden rund 450.000 Zuschauer aus aller Welt.

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