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Zwei, die sich verstehen, auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind: Christian Stückl (l.) und Alexander Dobrindt. 

Zwei Welten prallen aufeinander

CSU-Stammtisch in Oberammergau: Christian Stückl und Leslie Mandoki treffen auf Alexander Dobrindt

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Sie sind ein Stachel in der Gesellschaft: die Künstler. Sie mischen sich ein, zeigen, wo der Schuh drückt. Zwei, die das seit Jahren machen, sind Christian Stückl und Leslie Mandoki. In Oberammergau trafen sie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zum CSU-Stammtisch.

Oberammergau – Der Stammtisch gehört zu Bayern. Wie der Senf zur Weißwurst. Am Stammtisch wird diskutiert. Da wird Politik gemacht. Und beim nächsten Schluck Bier sind in der Regel alle Unstimmigkeiten vergessen. Trotzdem „muss man andere Meinungen zulassen“, verdeutlichte Alexander Dobrindt seine Definition einer solchen Zusammenkunft. Mit seinen CSU-Kollegen Harald Kühn, Alexandra Bertl und Dr. Michael Rapp hatte sich der Bundesverkehrsminister in Oberammergau zu einem Stammtisch getroffen.

Den nötigen Pfeffer bekam der Abend durch den Musikproduzenten Leslie Mandoki und Regisseur Christian Stückl. Und der Spielleiter der Passion machte Dobrindt gleich den Unterschied zwischen ihren Zünften deutlich: „Bei Euch gibt’s zwar oft Lösungen, aber es dauert ewig, bis sie umgesetzt werden. Bei mir steht längst fest, dass am 15. Mai 2020 Premiere ist.“ Noch kann er nicht viel zum kommenden Gelübdespiel sagen. Nur soviel: „Mein Anspruch ist immer der, wieder ganz neu an die Sache heranzugehen, der Blick auf Jesus ändert sich ja auch.“

„Es gibt zwei Stachel im Fleisch einer Gesellschaft, das sind Journalisten und Künstler“

Die spannende Vita von Leslie Mandoki (r.) fesselt auch den CSU-Kreisvorsitzenden Dr. Michael Rapp.

Entscheidend für Stückl ist, mit seiner Arbeit zur Diskussion anzuregen. Wenn die Zuschauer nach der Vorstellung über das reden, was auf der Bühne passiert ist, hat er diese Mission erfüllt. Denn „klare Antworten zu finden, ist nicht das Leichteste“. Diesen Auftrag beansprucht auch Mandoki für sich. „Es gibt zwei Stachel im Fleisch einer Gesellschaft, das sind Journalisten und Künstler“, hat er im Interview mit einer großen Tageszeitung gesagt. In Oberammergau verdeutlichte er diese Aussage: „Es ist unglaublich wichtig, eine Meinungsvielfalt zu erhalten.“ Der gebürtige Ungar, der sein Wirken bei der Band Dschinghis Kahn heute „einen Betriebsunfall“ nennt, weiß, wovon er spricht. In den 1970er Jahren kämpfte er in seinem Heimatland für Presse-, Reise- und Religionsfreiheit, wurde mehrfach verhaftet und schaffte schließlich die Flucht über Österreich nach Bayern. Für ihn „ein Paradies“. Dafür, als illegaler Einwanderer im Freistaat eine neue Heimat gefunden zu haben, „bin ich sehr dankbar“. Als einer, der in dieser Situation war, „sage ich, dass Integration eine Bringschuld der Asylbewerber ist“.

Dem widersprach Stückl nicht. „Es ist aber auch wichtig, dass wir’s zulassen.“ Und an diesem Punkt stößt der Oberammergauer, der sich für Flüchtlinge stark macht, immer wieder auf Probleme. „Viele Helfer fühlen sich vom Staat allein gelassen. Denen geht die Kraft aus.“ Den Landkreis nahm er bei seiner Kritik explizit aus.

Christian Stückl fühlt sich „beschissen und verarscht“ 

Was manchem Gast an diesem Stammtisch zu kurz kam, war Dobrindt, der vor allem moderierte. Vielleicht auch deshalb reagierte der Bundespolitiker auf Stückls Kritik nicht so wie erwartet. „20.25 Uhr, jetzt bist Du da, wo ich Dich haben will“, meinte er. Dabei tat der Intendant des Münchner Volkstheaters seinen Unmut lautstark kund. „Beschissen und verarscht“ fühlt er sich in Hinblick auf die Gelder, die in den Ländern, aus denen all die Flüchtlinge nach Deutschland strömen, versickern. „Da kommt nichts an, wo es hin soll.“ Und in Sachen Diesel „weiß keiner mehr, was los ist. Da lässt uns die Politik im Regen stehen.“ Auch die unqualifizierten Äußerungen in den sozialen Netzwerken, alle unter dem Deckmantel der Demokratie, stoßen ihm sauer auf. Insgesamt „klarere Positionen“ fordert er daher von der Politik.

Zur Diesel-Krise, die ja Dobrindts Zuständigkeitsbereich direkt betrifft, äußerte sich der Minister dann doch noch – auf Peter Ostermeiers Nachfrage. „Hunderte Fachleute sind seit zwei Jahren mit dem Thema befasst. Die Gutachten sind auf der Homepage des Bundesverkehrsministeriums einsehbar.“ Die Kfz-Industrie habe ihn in dieser Zeit enttäuscht wie keine andere. Eine Zeit, die von „Manipulationen und Betrügereien“ geprägt war und die einen Makel auf das Prädikat „Made in Germany“ gebracht hat. Ein generelles Diesel-Fahrverbot in Städten hält er aber mit Blick auf die Kunden, die im guten Glauben ein solches Fahrzeug gekauft haben, für den falschen Weg. Sein Ansatz zielt vielmehr auf kommunale Fahrzeuge, Busse und Taxis ab, die täglich in den deutschen Städten unterwegs sind. „Wieso sind die nicht emissionsarm? Das wäre deutlich wirkungsvoller.“

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