Ein Meister seiner Zeit: Rochus Dedler im Jahr 1810.
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Ein Meister seiner Zeit: Rochus Dedler im Jahr 1810.

Nächstes Jahr ist der 200. Todestag des Komponisten

Schule wird nicht nach Rochus Dedler benannt: Er schuf die berühmte Passionsmusik

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Die Parteilosen hätten die Oberammergauer Grund- und Mittelschule gerne nach Rochus Dedler benannt. Doch kann sich die Schulfamilie nicht mit dem Komponisten identifizieren, der die Passionsmusik geschaffen hat. Die Debatte wirft eine Frage auf: Kennen ihn die Ammertaler überhaupt noch?

Oberammergau – Fast jeder Ammertaler hat sie bereits mehrmals rauf und runter gehört – die Bühnenmusik der Passion. Auch die Pollinger Messe, das deutsche Hochamt in D, dürfte den meisten Kirchengängern geläufig sein. Doch beim Namen Rochus Dedler beißt es bei einigen aus. Irgendwo hat man den Namen schon mal gehört. Irgendwas hat er mit der Passion zu tun. Doch jeder, der nicht unbedingt mit der Musik des Komponisten vertraut ist, muss zuerst einmal grübeln. Deshalb war die Verwunderung im Oberammergauer Gemeinderat recht groß, als die Parteilose Wählergemeinschaft (PWG) nun den Vorstoß wagte, die Oberammergauer Grund- und Mittelschule nach Dedler zu benennen. Zumal sich nächstes Jahr sein Tod zum 200. Mal jährt.

Rochus Dedler (1779 bis 1822) komponierte 1810 die Bühnenmusik der Passionsspiele. Seine Komposition ist über die Jahrzehnte hinweg überarbeitet, geändert und ergänzt worden. Doch im Kern ist sie nach wie vor jene Musik, die auch beim Gelübdespiel 2022 zu hören sein wird. Ludwig Utschneider und seiner PWG-Fraktion hätte es deshalb gut gefallen, Dedler die Ehre zu erweisen, die Oberammergauer Grund- und Mittelschule nach ihm zu benennen. Mit dem Antrag soll die Person Dedler wieder in den Vordergrund rücken. Was anscheinend auch bitter nötig ist, wie sich in der Gemeinderatssitzung zeigte.

Viele junge Menschen können mit dem Komponisten nichts mehr anfangen

Viele, vor allem junge Menschen, können mit dem Komponisten nichts mehr anfangen. „Nicht einmal alle Elternbeiräte waren sich der Bedeutung des Namens bewusst“, sagte Maria Hochenleitner, BIO-Gemeinderätin und Schuldirektorin. Von den 260 Schülern zwischen 6 und 15 Jahren waren die meisten bei den vergangenen Passionsspielen noch gar nicht auf der Welt. „Nur wer in sehr musikalischen Familien aufgewachsen ist oder selbst mit einem Instrument Dedlers Werke spielt, kann mit dem Namen was anfangen.“ Deshalb sei die gesamte Bildungseinrichtung für die vorgeschlagene Umbenennung wenig geeignet, da der Bezug fehlt. „Wir sind ja kein musisches Gymnasium.“ Als Beispiel führte die Rektorin die Christoph-Probst-Mittelschule in Murnau an. Hier sei der Name Programm. Die Geschichte des Murnauer NS-Widerstandskämpfers der Weißen Rose wird im Schulalltag regelrecht gelebt. Mit Dedler in Oberammergau also nicht zu vergleichen.

Aber ob es denn keinen Heimatunterricht in Oberammergau mehr gibt, wo über ihn gelehrt wird, wollte Karl-Heinz Götz von den Parteilosen wissen. Er könne sich bei bestem Willen nicht vorstellen, dass der Name des Komponisten in Oberammergau nur so wenigen geläufig ist. „Im Passionsjahr schon“, erklärte Hochenleitner. „Dazwischen weniger.“ Sowieso sei es gerade pandemiebedingt in den wenigen Stunden Präsenzunterricht fast unmöglich, den Schülern die Person Dedler explizit näherzubringen.

Auch Elternbeirat und Lehrkräfte sehen keinen Bezug zwischen Schule und Dedler

Auch Elternbeirat und Lehrkräfte sehen neben dem fehlenden Bezug den Zeitpunkt des PWG-Antrags unglücklich. „Wir haben gerade ganz andere Nöte“, sagte Hochenleitner. „In der angespannten Lage sind alle Kapazitäten gebunden.“ Es sei weder Zeit, Geld noch Energie da, um ein angemessenes Konzept auszuarbeiten. „Wir wollten damit auch nicht sofort einen Beschluss fassen“, entgegnete Utschneider. „Der Antrag war lediglich als Diskussionsgrundlage gedacht.“ Zumal es zeitlich nicht pressiert, da der 200. Todestag Dedlers erst im nächsten Jahr begangen wird.

Und tatsächlich hat die Debatte zu einem Vorschlag geführt. Markus Köpf, CSU-Gemeinderat und Schulamtsdirektor, kam auf die Idee, lediglich die Schul-Aula nach Dedler zu benennen. Die nutze auch der Musikverein, zudem finden dort die Proben für die Passionsmusiker statt. „Da wäre der Name sehr passend“, meinte Köpf. Ein Vorschlag, mit dem sich auch Hochenleitner und Utschneider anfreunden können. Der PWG-Antrag ist mehrheitlich abgelehnt worden.

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