Eine Langlaufloipe ohne viel Schnee
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Zu warm, zu wenig Schnee: Noch lädt die Loipe auf Ettaler Flur noch nicht zum Langlaufen ein.

Bunte Liste scheitert mit Antrag

Oberammergau: Gemeinderat hält an technischer Beschneiung der Loipen fest - Besser für Besucherlenkung

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Schon einmal hatte man in Oberammergau einen Beschluss gefasst zur technischen Beschneiung. Jetzt folgte der zweite. Nachdem viele Argumente ausgetauscht wurden.

Oberammergau – Irgendwie kann Andreas Rödl (CSU) sie ja verstehen, die Tagesausflügler. Die Menschen aus den Ballungsräumen München und Augsburg, die einfallen ins Ammertal und den gesamten Landkreis. Die Familien mit Kindern, die ohne Balkon leben. „Sie wollen raus ins Freie“, sagt Oberammergaus Bürgermeister. Dafür nehmen sie Staus in Kauf. Stundenlange. „Das zeigt, welcher Druck auf ihnen lastet.“

Rödl will den Tagestourismus nicht verurteilen. Bringt er doch eine Wertschöpfung. Im Klartext: mehrere Millionen Euro. „Das sollten wir nicht unterschätzen.“ Jetzt, in Corona-Zeiten, erwartet die Region sogar einen regelrechten Ansturm an Besuchern. An Wintersportlern, darunter Langläufer. Die Loipen rund um Oberammergau dürften noch höher im Kurs stehen als bislang. Dass die an der Ettaler Mühle präpariert werden, zurrte der Gemeinderat nun endgültig fest. Das Gremium lehnte einen Antrag der Bunte-Liste-Fraktion ab, die technische Beschneiung mit Blick auf die Aufschlüsselung der Winter- und Sommerkosten zu diskutieren und neu darüber zu beschließen (15:6-Stimmen).

Wegen Finanzlage neu diskutieren

Freilich, debattiert wurde schon. Wie auch im Haupt- und Finanzausschuss Ende Oktober. Damals hatten die Ortspolitiker beschlossen (6:2), die Kosten in Höhe von über 50 000 Euro für die Kunstschnee-Herstellung der Loipen auf Ettaler Flur zu übernehmen. Doch die Bunte Liste wollte das Thema neu aufrollen. Unter anderem, weil zum damaligen Zeitpunkt die tatsächlichen Finanzprobleme der Kommune noch nicht bekannt gewesen waren. „Wir haben Pflichtaufgaben verschoben“, machte Marina Kirchmayr deutlich.

Die Fraktion sieht es sehr kritisch, dass in diesen angespannten Zeiten, also konkret im Winter 2020/21, auf fremder Flur Bauhofleistungen er- und Kosten für die Kunstschnee-Produktion aufgebracht werden. „Wir können ja beschneien“, meinte Kirchmayr, „aber halt nicht die große Runde.“ Zudem fürchtet die Gebärdensprachendolmetscherin dadurch einen größeren Zulauf an Menschen.

Es ist nicht so, dass bei weniger Angebot die Leute wegbleiben.

Andreas Rödl

Die Mittel diesmal zu mindern, diesen Gedanken könnte Ludwig Utschneider (PWG) mitgehen. Zumal der Luggi-Lauf 2021 entfällt. Angesichts der aktuellen Pandemie-Situation ist das seiner Meinung nach ernsthaft zu überlegen, um das Infektionsgeschehen zu reduzieren. Damit sollen nicht „die Einheimischen vergrämt“ werden. Ihm geht’s darum, in der „aktuell extremen Phase“ einen Beitrag zu leisten, die Kontakte einzudämmen.

Beschneiung, um Anschluss an Loipennetz im Graswangtal zu haben

Doch unter den Gemeinderäten herrschten Zweifel. „Es ist nicht so, dass bei weniger Angebot die Leute wegbleiben“, meinte Rödl und sprach damit Kristina Rupprecht (BIO) aus der Seele. Die Kommunalpolitikerin hielt ein klares Plädoyer für die technische Beschneiung – gerade jetzt. Denn für die Betriebe im Ort wären Einschränkungen schädlich. „Wie geht es der Hotellerie, wenn sie öffnen darf, und wir diese Angebote nicht mehr haben?“, fragte sie in die Runde. Nur ein Argument von vielen. Sie erachtete auch weitläufigere Strecken für besser, wenn die Gemeinde Menschen auf Abstand halten möchte. „Wir müssen die Leute gezielt verteilen.“ Der Pluspunkt gegenüber anderen Orten, die im Besucherchaos versinken: Oberammergau verfügt über große Parkplätze. Künftig, teilte Rathaus-Geschäftsführer Christian Ostler mit, soll der Festparkplatz hergerichtet werden und als direkter Einstieg in die Loipe dienen.

Rupprechts Sitznachbar Florian Schwarzfischer (BIO) richtete den Fokus mehr auf Ettal. „Das Langlauf-Paradies, das wir bewerben, haben wir nicht“, betonte er und spielte auf das Graswangtal an. Beschneit werde doch, um einen Anschluss an dieses Netz zu schaffen. „Wenn wir das Paradies weiter haben wollen, müssen wir den Gästen ein Mindestmaß an Freizeitsport ermöglichen.“ Selbst, wenn die Gemeinde Ettal davon profitiert.

Es wäre schlichtweg ein falsches Signal, fasste Simon Fischer (CSU) zusammen. In Zeiten, in denen Besucherlenkung das Hauptschlagwort schlechthin ist. Abgesehen davon hält er nichts von der erneuten Debatte. Zumal sich an den Erkenntnissen von damals nichts geändert habe. „Es gibt gültige Beschlüsse, die zu befolgen sind“, betonte er. Fischer machte kurzen Prozess, stellte einen Antrag zur Geschäftsordnung, um sofort abzustimmen. Der ging knapp mit 11:10-Stimmen durch – ganz im Gegensatz zum Antrag der Bunten Liste.

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