Im Kreise der Ammertaler Bürgermeister: Frank Peters (M.) mit (v.l.) Andreas Rödl (Oberammergau), Vanessa Voit (Ettal), Franz Degele (Bad Kohlgrub), (ab 3.v.r.) Rupert Speer (Saulgrub), Robert Stumpfecker (Unterammergau) und Gisela Kieweg (Bad Bayersoien).
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Im Kreise der Ammertaler Bürgermeister: Frank Peters (M.) mit (v.l.) Andreas Rödl (Oberammergau), Vanessa Voit (Ettal), Franz Degele (Bad Kohlgrub), (ab 3.v.r.) Rupert Speer (Saulgrub), Robert Stumpfecker (Unterammergau) und Gisela Kieweg (Bad Bayersoien).

Über 80 Bewerber für Stelle

Nordlicht mit Tiroler Zungenschlag: Neuer Geschäftsführer steigt bei Ammergauer Alpen ein - und nimmt sich viel vor

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Von Bremen über Tirol ins Ammertal: Frank Peters ist der Nachfolger von Florian Hoffrohne als Tourismuschef zwischen Bad Kohlgrub und Ettal. Er freut sich auf seine neue Aufgabe.

Oberammergau – Hätte doch schlechter laufen können, denkt sich Frank Peters. Zufrieden verlässt er das Bewerbungsgespräch. Viele Fragen musste er beantworten. Für ihn ein Zeichen, dass Interesse an seiner Person besteht. Ob das wirklich stimmt? Er weiß es nicht. Schwer einzuschätzen. Sein Gefühl täuscht Peters aber nicht. Anfang Mai klingelt sein Telefon – wenige Tage vor seinem 54. Geburtstag bekommt er ein großes Geschenk: einen neuen Job als Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH.

Jetzt, gut zwei Monate nach der frohen Kunde, sitzt Peters auf dem Chefsessel. Am 1. Juli hat er seinen Dienst angetreten. Drei Jahre lang läuft sein Vertrag. Mittlerweile hat er auch erfahren, wie viele Interessenten es für die Stelle gegeben hatte. Über 80. „Da war ich demütig“, sagt Peters – er rechnete mit der Hälfte – und fügt grinsend hinzu: „Das erhöht den Druck.“

Damit kann der gebürtige Bremer umgehen. In der Vergangenheit bekleidete er bereits Posten, die mit Verantwortung verbunden waren. Nach seinem Studium der Wirtschafts-, Sport- und Erziehungswissenschaften in Bayreuth fürs Gymnasial-Lehramt wendete er sich vom Pädagogen-Dasein ab. Peters, der unter anderem als Ausbilder Ski Alpin beim DSV tätig war, verschlug es in die Sportartikelindustrie nach Österreich. Und schließlich landete er im Tourismus (siehe Infobox). Zuletzt, 2014, machte er sich selbstständig. „Alpenpuls“ heißt sein Unternehmen mit Sitz in Silz, ein paar Kilometer vom Ötztal entfernt. Zu den Kunden zählen etwa Tourismusverbände, Seilbahnen und Hotels.

Werdegang:

Einige Stationen hat Frank Peters bereits hinter sich. Er sammelte vielerorts Erfahrungen. Nach seinem Studium arbeitete er in der Sportartikelindustrie bei der „Kneissl“-Gruppe mit Sitz in Kufstein, durchwanderte diverse Positionen: vom Marketing über den Vertrieb bis zur Verkaufsleitung. 2006 wechselte er in sein heutiges Steckenpferd. Beim Tourismusverband Paznaun-Ischgl war er für Galtür zuständig, später übernahm er das Marketing und die Vertriebsleitung für den Skibetrieb, die Seilbahnen und den Gastro-Bereich in Montafon. „Das war sehr spannend“, erzählt Peters. Vor allem auch, weil er eine gewaltige Budget-Verantwortung im hohen zweistelligen Millionenbereich trug. Der gebürtige Bremer nahm an internationalen Messen und Workshops teil, die ihm ein dichtes Netzwerk an Kontakten verschaffte. Als Selbstständiger standen Analysen, Vertriebsprozesse, Preis- und Angebotsentwicklungen, digitale Destinationsstrategien und die Auslastungsoptimierung im Fokus. 

Gesundheitstourismus neu aufstellen

Peters, der aus privaten Gründen nun in Böbing im benachbarten Landkreis Weilheim-Schongau wohnt, fühlt sich jedenfalls gewappnet für die neue Herausforderung. Im Februar hatte er im Tagblatt vom Ausscheiden Florian Hoffrohnes, seines Vorgängers, gelesen. Schnell war die Entscheidung gefallen, den Hut für den Posten in den Ring zu werfen. Die Aufgaben bitzeln den Vater von zwei Söhnen. Strategien, die bereits vor seiner Zeit begonnen wurden, will er weiterführen. Neue Ideen einfließen lassen. Die Qualität der Unterkünfte verbessern, am Thema Mobilität dranbleiben und Angebote knüpfen, um die Aufenthaltsdauer der Gäste zu steigern. Peters setzt vor allem auf den Gesundheitstourismus. „Der muss neu aufgestellt werden“, betont er. Weg vom Moor als zentraler Baustein. Weg von den „Massage-Nummern“. Hin zu mehr medizinischen Angeboten, in Verbindung mit Bewegung und gerne auch mit dem Heilmittel. „Das Paket wird funktionieren“, sagt er überzeugt. Denn Corona hat dieser Art von Tourismus einen Schub verpasst. Das Bewusstsein der Menschen für das eigene Wohlergehen ist gestiegen.

Eine zentrale Rolle wird der Naturpark spielen. Dessen Notwendigkeit zu kommunizieren und Akzeptanz zu fördern. „Auch bei der heimischen Bevölkerung.“ Peters selbst hat eine hohe Affinität zu diesem Thema. Schon allein aus persönlicher Perspektive. Er liebt das Biken und die Berge. Im Ammertal hat er bereits die Notkarspitze, den Scheinberg, die Kreuzspitze, den Teufelstättkopf und viele mehr bestiegen. Nach seiner Zeit beim Tourismusverband Patznauertal verbrachte er sogar im Kanton Schwyz einen Sommer auf der Alp. Peters besitzt einen Jagdschein und war Senner, kennt sich mit Forst und Almwirtschaft aus. „Ich bringe die Denke mit“, betont er. Nicht nur das. Er stellt auch einen Ranger für die Ranger zur Verfügung. Das Auto hat er im Vorfeld überschreiben müssen nach Deutschland, gebrandet ist es ebenfalls bereits. „Sie können es für harte Forsteinsätze nehmen“, sagt Peters, der im Naturparkverein an der Seite von Oberammergaus Bürgermeister Andreas Rödl den Vorsitz bildet. Und somit auf ihre privaten Fahrzeuge verzichten.

Keine Berührungsängste

Was dem Nordlicht mit dem Tiroler Zungenschlag aber besonders am Herzen liegt, ist der persönliche Kontakt zu den Leistungsträgern und Hotels. Den will er regelmäßig pflegen und Bedürfnisse anhören. Die Vermieter werden das gerne erfahren. Dem Vernehmen nach sei das Verhältnis mit Hoffrohne, der sich nach München zu Project M verabschiedete, am Ende nicht mehr allzu gut gelitten gewesen.

Peters fühlt sich wohl in der „wunderschönen Region“. Selbst die Warnungen vor dem eigenen Schlag der Einheimischen oder der Streitkultur der Oberammergauer schrecken ihn nicht ab. „Ich hab schon oft gehört, wie schwierig die Leut’ sein sollen“, sagt er und lacht. Für ihn zählt nur, respektvoll miteinander umzugehen und „mit offenem Visier zu reden“. Nach seinen ersten paar Tagen jedenfalls hat er nur positive Erfahrungen gemacht – und freut sich auf weitere.

Passion und Germany Travel Mart 2022

Im kommenden Jahr herrscht der Ausnahmezustand in Oberammergau, wenn die Passionsspiele stattfinden. Ein Riesen-Ding für Frank Peters. Diese Woche ist ein erstes Gespräch mit den Vertriebs-Verantwortlichen Walter Rutz und Gerhard Griebler geplant. „Ich gehe offen ins Rennen“, sagt der Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH. Das Gelübdespiel sieht er als „starkes Produkt“, das aber schwierig zu handeln ist, weil es nur alle zehn Jahre aufgeführt wird. Er würde es gerne dauerhaft in den Fokus stellen, ohne den Wert zu schmälern. Der Germany Travel Mart (GTM), der größte Branchentreff zur internationalen Vermarktung des Reiselands Deutschland, für den sich Oberammergau erfolgreich beworben hatte (wir berichteten), könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. „Der GTM ist für mich ein Glücksfall“, betont Peters. Er will die Vertriebsmesse bestmöglich nutzen. Wie genau? Dazu muss er sich erst einarbeiten. „Bis dahin habe ich aber den Überblick.“

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