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Über 10 000 Lehrgangsteilnehmer aus 60 Ländern werden jährlich an der NATO-Schule in Oberammergau geschult. 

Militärische Einrichtung in Oberammergau im Blickfeld:

Demonstration vor der NATO-Schule geplant: „Uns gehören die Straßen ...“

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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„Solidarität mit allen Opfern des Militarismus“ verlangt der Initiator einer geplanten Demonstration vor der Oberammergauer Nato-Schule.

Oberammergau – Es sind markige Worte, die da in dem „Aufruf“ im Internet stehen: „Wem gehören die Straßen? Uns gehören die Straßen, Dörfer und Städte. Wir können unsere Räume verteidigen, ... ist auf unseren Straßen kein Platz für die NATO ... das Falsche zu verteidigen, bedeutet das Richtige anzugreifen ...“ Plakate, die derzeit in Oberammergau aushängen, sorgen für leichte Unruhe im Dorf: „Demonstration gegen die NATO. Unterstützung unterbinden“, ist darauf zu lesen; außerdem zeigt das Foto auf dem Aushang die Außenmauer der örtlichen NATO-Schule.

Was steckt dahinter? Auf Nachfrage bestätigt Erster Bürgermeister Arno Nunn, dass ein bezüglicher Antrag auf Abhaltung eines Demonstrationszugs am 8. Februar in Oberammergau eingegangen ist. Es habe dazu inzwischen auch ein Gespräch mit Gemeinde, Polizei und Landratsamt stattgefunden: „Nach meinem Kenntnisstand ist die Sache mittlerweile genehmigt“, so Nunn. Start der Demo am kommenden Samstag ist um 13 Uhr am Bahnhof, von da aus geht es weiter zum Rainenbichl, wo sich die NATO-Schule befindet, und dann zurück zur Abschlusskundgebung am Max-Streibl-Platz. Hinter der Aktion steht ein gewisser Emil Ahlhelm aus Valley, eine Gemeinde im Landkreis Miesbach.

Initiator übt Kritik an Gemeinde

In einer Mail an die Redaktion teilt der Initiator mit, dass bereits an diesem Samstag von 10 bis 17 Uhr beim Museum in der Ortsmitte eine Kundgebung stattfinde, die in die Proteste gegen die Münchner Sicherheitskonferenz vom 14. bis 16. Februar sowie gegen die NATO-School Oberammergau eingebettet sei. Weitere Auszüge aus dem „Aufruf“ zur Demonstration am 8. Februar: „ ... Für den Krieg gegen den internationalen Frieden ... Also los! ... Zeigen wir gemeinsam unsere Solidarität mit der Demokratischen Föderation Nordsyrien und allen Opfern des Militarismus überall. ... Hoch die Internationale Solidarität! ...“ In der Mail an das Tagblatt schreibt Ahlhelm, „dass sich die Gemeinde Oberammergau bei dem Versuch, eine Informationsveranstaltung zum Thema Antimilitarismus in Oberammergau stattfinden zu lassen, komplett quergestellt hat“.

Weitere Recherchen der Redaktion ergaben, dass die Veranstalter um die Bereitstellung eines öffentlichen Raums zur Abhaltung eines Informationsabends nachgesucht haben. Auch um Aufnahme eines Beitrags für die Gemeindezeitung sei gebeten worden. Beides lehnte die Gemeinde Oberammergau jedoch ab. Aufgrund der laufenden Proben für die Passionsspiele, so hieß es, seien keine Räumlichkeiten verfügbar, und in der Gemeindezeitung würden grundsätzlich keine politischen Statements abgedruckt.

Bis zu 200 Teilnehmer werden erwartet

Bürgermeister Nunn sieht die Angelegenheit aus seinem Blickwinkel so: „Es gibt bei uns die Demonstrationsfreiheit, das ist nun mal so und das gilt es auch zu respektieren. Auch kann man zur Existenz, zu Maßnahmen und Einsätzen der NATO verschiedene Meinungen vertreten. Doch unsere NATO-Schule hier in Oberammergau, da ist der ganze Ort und die Region froh, dass wir sie haben. Wir stehen voll hinter dieser Einrichtung und zu den Familien und Mitarbeitern, die hier leben und wohnen.“

Nach Aussage Nunns sei die Polizei informiert und entsprechend vorbereitet. Wie viele Demonstranten kommen werden, sei schwer einzuschätzen: „Irgendwo zwischen 20 und 200 ...“

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