Oberammergaus ältestes Haus an der Kleppergasse
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Herausgerissen wurde einiges im wohl ältesten Haus in Oberammergau. Außen ist nicht sonderlich viel zu erkennen, außer dass der rechte Türstock fehlt.

Landratsamt verhängt Baustopp

Denkmalfrevel am wohl ältesten Blockbauhaus Bayerns: Besitzer verursacht „massiven und irreparablen Schaden“

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Erst vor wenigen Wochen wurde die Sensation bekannt. In Oberammergau steht das wohl älteste Blockbaugebäude Bayerns. Doch der Besitzer hat dem Denkmalschutz einen Stich ins Herz versetzt.

  • Ein Schock für den Denkmalschutz: Der Eigentümer des wohl ältesten Hauses in Oberammergau hat bei seinen Sanierungsarbeiten großen Schaden angerichtet.
  • Der Besitzer hat ohne Genehmigung wesentliche Teile der statischen Konstruktion entfernt.
  • Das Vorgehen ist kein Kavaliersdelikt: Dem Besitzer könnte ein sehr hohe Geldbuße drohen.

Oberammergau – Der Schock sitzt tief beim Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in München. „Der Verlust ist schmerzlich“, teilt Pressesprecherin Julia Steinbach mit. Barocke Holzoberflächen sind zerstört. Kassettendecken und Türblätter sandgestrahlt. Jetzt herrscht sogar Einsturzgefahr für das Anwesen an der Kleppergasse 12, dem wohl ältesten Haus in Oberammergau und das älteste in weiten Teilen erhaltene Blockbaugebäude in ganz Bayern. Der Eigentümer ist bei seinen Sanierungsarbeiten übers Ziel hinausgeschossen – ziemlich gewaltig.

Oberammergau: Denkmalforscher machen vor wenigen Wochen Sensationsfund - Haus stammt vermutlich aus Jahr 1419

Erst vor wenigen Wochen machten die Denkmal-Forscher am Anwesen der Kleppergasse 12 den Sensationsfund schlechthin. Laut einer dendrochronologischen Untersuchung – hierfür wird mit einem Bohrer eine Probe der Holzbalken entnommen und die Jahresringe gemessen – stammt das Gebäude in weiten Teilen wohl spätestens aus dem Jahr 1419. Also ist das Anwesen noch einmal um 122 Jahre älter als das Alex’nhaus. Um sich dieses biblischen Alters bewusst zu werden: Das Haus dürfte schon gestanden haben, noch über 200 Jahre vor dem Pestgelübde und nur 89 Jahre nach der Gründung des Klosters Ettals, als die Herzöge Ernst und Wilhelm das Freiheitsrecht für die Ammergauer Bauern bestätigten. Das öffentliche Interesse ist seit Bekanntwerden vor wenigen Wochen groß.

Bringt die Sensation zum Vorschein: Dr. Thomas Aumüller bei der Entnahme von Bohrkernen. 

Umso mehr entsetzt die Nachricht aus dem Münchner Landesamt für Denkmalpflege. Sie stellten jetzt erhebliche Schäden am Gebäude fest. Der Besitzer will es bekanntlich sanieren. Dabei hat er allerdings „ohne Baugenehmigung und denkmalrechtliche Erlaubnis wesentliche Teile der statischen Konstruktion in dem erst in jüngerer Zeit veränderten Hausteil entfernt“, teilt das BLfD mit. Dadurch verursachte der Eigentümer eine „akute statische Gefährdung“.

Oberammergau: Besitzer zerstört historische Holzoberflächen - „Massiven und irreparablen Schaden erlitten“

Doch nicht nur das: Die Wissenschaftler mussten vor Ort feststellen, dass in dem denkmalfachlichen, gut überlieferten Wohnteil sogar noch der gesamte Bestand der hölzernen Ausstattung sandgestrahlt wurde. Barocke Kassettendecken und Türblätter, soweit sie farblich gefasst waren, haben dadurch „massiven und irreparablen Schaden erlitten“. Die vernichteten historischen Holzoberflächen stellen für das Landesamt den größten Schock dar.

Die Denkmaleigenschaft des Hauses bleibt trotz der nicht genehmigten Eingriffe erhalten. Denn das eigentlich denkmalkonstituierende Element, die uralte Hauskonstruktion, ist trotz der Sanierungsarbeiten erhalten geblieben. Dabei handelt es sich um den Block mit Dachtragwerk aus dem frühen 15. Jahrhundert, aus dem Bauforscher Dr. Thomas Aumüller kürzlich den entscheidenden Bohrkern entnommen hat.

Historisches Blockbauhaus: Jetzt herrscht sogar Einsturzgefahr - Juristisches Nachspiel für Eigentümer?

Dennoch könnte es ein juristisches Nachspiel für den Eigentümer geben, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen musste wegen der massiven Eingriffe in den geschützten Holzbau einen sofortigen Baustopp verhängen. Nicht nur wegen der Denkmalfrevel, sondern auch wegen der Einsturzgefahr. „Wir warten nun auf die entsprechenden Anträge des Eigentümers“, teilt Pressesprecher Stephan Scharf mit. Wenn die eintreffen, wird ausführlich geprüft. Bei einem Vorort-Termin bestätigt die Behörde die groben Verstöße. Sollte der Eigentümer nun trotz des verhängten Baustopps weiter werkeln, wird die Behörde Anzeige erstatten.

Überhaupt könnte dem Besitzer der nicht genehmigte Umbau teuer zu stehen kommen. Eingriffe, die gegen das Denkmalrecht verstoßen, sind in Bayern keine Kavaliersdelikte. Erst im Februar dieses Jahres haben CSU und Freie Wähler im Landtag einen Antrag durchgebracht, um solche Verstöße künftig intensiver zu ahnden. Auslöser war der illegale Abriss des Uhrmacherhäusls im Münchner Stadtteil Giesing im Jahr 2017. Der Bußgeldkatalog ist seither 20-fach höher als davor. Statt bis zu 250 000 Euro können nun bis zu fünf Millionen Euro an Geldbuße verhängt werden.

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