Ein großes Schild steht auf der Wiese mit der Aufschrift 2022 Passionsspiele Oberammergau.
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An den Ortseingängen von Oberammergau weisen schon wieder große Tafeln auf die Passionsspiele in zwei Jahren hin. Mit dem Geld aus der Versicherung kann die Gemeinde nun gut planen.

Nach der Verschiebung der Passion von 2020 auf 2022

Passionsspiele und der Mega-Deal: Versicherung bezahlt 9,5 Millionen Euro

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Die Verhandlungen dauerten lange. An ihrem Ende steht der beste Deal, den sich Oberammergau wünschen kann: Nach der Verschiebung der Passionsspiele 2020 wegen Corona bekommt sie 9,5 Millionen Euro aus der Ausfallversicherung.

  • Zum ersten Mal überhaupt hatte Oberammergau für die Passionsspiele 2020 eine Ausfallversicherung abgeschlossen - inklusive: Ausfall wegen Pandemie.
  • Die Versicherung bezahlt der Gemeinde nach der Verschiebung der Passion 9,5 Millionen Euro - ein Coup.
  • Über vier Monate hat die Gemeinde mit der Versicherung verhandelt. Ein drohender jahrelanger Rechtsstreit ist mit der Einigung vom Tisch.

Oberammergau – Erst ganz am Ende des Gesprächs zeigt Walter Rutz doch noch einen Hauch von Emotion: „Eigentlich Wahnsinn. Schon der Hammer!“ Und dann huscht dem Geschäftsführer der Passionsspiele noch ein leichtes Grinsen übers Gesicht. Ja, da ist ihm als Hauptverantwortlicher ein richtiger Coup gelungen.

Die Gemeinde Oberammergau bekommt den Schaden, der ihr durch die Verschiebung der Passion von 2020 auf 2022 entstanden ist, in vollem Umfang ersetzt. Nicht nur das: Die „SRC Special Risk Consortium GmbH“ unter Führung der Munich Re Group (Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft) erkennt den Schaden an, überweist zudem dem Passionsspielort eine Summe von 9,5 Millionen Euro aus der Ausfallversicherung wegen der Corona-Pandemie. Walter Rutz ist hocherfreut: „Damit können wir für 2022 gut weiter arbeiten und alle notwendigen Vorbereitungen in die Wege leiten. Die Versicherung ersetzt uns die kompletten Kosten für die Verschiebung.“

Walter Rutz ist glücklich über den Ausgang der Verhandlungen. Foto: hut

Oberammergau und Versicherung: Verhandlungen dauerten über vier Monate

Über vier Monate zogen sich die Verhandlungen zwischen beiden Seiten hin, mit involviert waren auch Gutachter und Rechtsanwälte. Detailliert und akribisch hatte Rutz sämtliche Positionen aufgelistet: „Wir sind gemeinsam das gesamte Zahlenwerk durchgegangen, dabei mussten wir jede Forderung explizit erläutern und begründen.“ Der Geschäftsführer der Passionsspiele lobt die Atmosphäre mit dem Versicherer bei den Verhandlungen: „Wir haben um vieles gerungen. Es waren intensive und lange, aber jederzeit faire Gespräche, immer auf Augenhöhe.“

Es gab eine große Auftaktsitzung in München, der Rest lief über Telefon- und Zoom-Konferenzen. Die Gemeinde Oberammergau habe gegenüber der Münchener Rück, so Rutz, all jene Kosten und Ausgaben geltend gemacht, „die uns durch die Verschiebung entstanden sind“. Dazu zählten unter anderem die Wiederaufnahme des Betriebs der Werkstätten, Ausgaben für die Premiere, Lagerkosten, Mieten.

Passionsspiele: Oberammergau schloss zum ersten Mal überhaupt Ausfallversicherung ab

Das Angebot der Versicherung hat der Gemeinderat nach zwei nicht-öffentlichen Sitzungen angenommen. Der Geschäftsführer: „Es war unser Glück, dass wir mit der Münchener Rückversicherung einen gestandenen Partner an unserer Seite hatten.“ Von einem Glücksfall kann man auch sprechen, dass Oberammergau im Vorfeld der Passionsspiele zum ersten Mal überhaupt eine Ausfallversicherung abgeschlossen hatte. Auch auf Drängen des Landratsamtes.

Darin abgedeckt waren nicht nur finanzielle Ausfälle durch Terror und weitere Schadensereignisse, sondern auch durch Pan- und Epidemie. Und das zu einem Zeitpunkt, als niemand auf der Welt nur im Entferntesten ein solches Ereignis ins Kalkül gezogen hätte. Inzwischen, so weiß der 56-Jährige, „gibt es weltweit keinen Versicherer mehr, der Schäden aus Pandemien ersetzt“. Auch hier genießt Oberammergau einen Sonderstatus: Die Passion 2022 ist auch im Falle einer neuerlichen Pandemie noch mit 11,9 Millionen Euro abgedeckt. Zur näheren Erläuterung: Die Ausfallversicherung war insgesamt auf 21,4 Millionen Euro abgeschlossen. Zieht man davon die Erstattung von 9,5 Millionen ab, verbleibt für 2022 eine Restsumme von – wie erwähnt – 11,9 Millionen Euro.

Drohender Rechtsstreit mit Versicherung abgewendet

Walter Rutz mag angesichts des erreichten Ergebnisses nicht daran denken, was passiert wäre, wenn man keine Einigung mit der Münchener Rück erzielt hätte: „Dann hätten wir die Passion fremdfinanzieren müssen, sprich über Kredite.“ Die Versicherung hätte darauf pochen können, erst nach Beendigung der Passion 2020 die Forderung der Gemeinde zu verhandeln. Rutz: „Damit mussten wir eventuell rechnen.“ So gesehen schwebte das Damoklesschwert eines jahrelangen Rechtsstreits über den Verhandlungen. All dies ist der Gemeinde Oberammergau erspart geblieben.

Erfreut nimmt Bürgermeister Andreas Rödl den Vergleich mit der Versicherung zur Kenntnis: „Walter Rutz hat hier eine super Arbeit abgeliefert. Ein eventueller Rechtsstreit hätte uns schwer getroffen und uns auf Jahre hin in unserem Handeln gelähmt.“

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