zwei Frauen und ein Geschenkkorb
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Zum Abschied: Fraktionskollegin Kristina Rupprecht (r.) überreicht Maria Hochenleitner einen Präsentkorb.

Zu wenig Zeit fürs Ehrenamt

Wieder ein Wechsel im Oberammergauer Gemeinderat: BIO-Vertreterin scheidet aus - Corona-Pandemie spielt eine Rolle

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Umschwung bei BIO: Maria Hochenleitner legt ihr Gemeinderatsmandat nieder. Für sie rückt Thomas Gotzler nach.

Oberammergau – „Mach’s gut“, sagt Maria Hochenleitner. Zu jedem einzelnen Kollegen im Gemeinderat geht sie hin, verabschiedet sich – coronakonform Ellbogen an Ellbogen. Es ist ihre letzte Sitzung mit Mandat. Die 55-Jährige gibt es am Montagabend ab. Aus beruflichen Gründen.

Die Rektorin der Grund- und Mittelschule in Oberammergau hat sich den Schritt reiflich überlegt. „Das ist keine Aktion von der einen Woche auf die andere.“ Aber Corona stellt die Bildungseinrichtungen seit eineinhalb Jahren vor Herausforderungen. Was Zeit frisst. Zeit, die ihr fehlt, um das Ehrenamt gemäß ihren eigenen Ansprüchen auszufüllen. Dazu zählt, sich auf die zahlreichen, teils stundenlangen Sitzungen intensiv vorzubereiten. Das aber gehört für sie dazu. Schließlich stehen große, richtungsweisende Entscheidungen für den Ort an – ob für die Passionsspiele 2022, die Zukunft kommunaler Liegenschaften oder des Wellenbergs. Eines ihrer Herzensthemen. Zuletzt ging sie mit ihrem Vorschlag baden, zumindest den unteren Bereich des Areals für die Bevölkerung vorzuhalten. Die weiteren Entwicklungen werde sie auf jeden Fall mit großem Interesse verfolgen.

Hochenleitner möchte Gemeinderats-Zeit nicht missen

Hochenleitner, die 2014 für den Posten als Bürgermeisterin kandidierte, aber Amtsinhaber Arno Nunn unterlag, möchte die sieben Jahre im Gemeinderat nicht missen. „Es war eine lehrreiche Zeit, in der man tiefe Einblicke gewinnt und auch viel über sich selbst lernt.“ Trotz mancher Streitereien zieht sie eine positive Bilanz, empfiehlt sogar anderen, diese Erfahrung selbst zu machen. Ein bisschen Schleichwerbung hat das Gremium, das in der Vergangenheit nicht den besten Ruf pflegte, durchaus nötig. Hochenleitner aber hebt ausdrücklich hervor: Stimmung und Diskussionskultur haben sich verbessert. Was sie unter anderem Andreas Rödl (CSU) anrechnet. „Er ist der fairste Bürgermeister, den ich je erlebt habe.“

Aber auch der Rathauschef verabschiedet sie mit Lob und einem Blumenstrauß. Für ihr unermüdliches Engagement. Er akzeptiert ihre Entscheidung, bedauert sie aber. Hochenleitner selbst wird vor allem ihre Fraktion vermissen. Allen voran Florian Schwarzfischer und seine „sehr direkte Art“, sagt sie und lacht. In ihren politischen Weggefährten hat sie Freunde gefunden. „Wir verstehen uns gut, vertrauen uns blind und ticken gleich.“ Deshalb bleibt sie mit der BIO-Gruppierung in engem Kontakt.

Noch ein Polizist im Gremium

Bereits im Februar teilte die Schulrektorin ihrer Fraktion ihre Ausstiegs-Absichten mit. Damals aber rehabilitierte sich Listennachfolger Thomas Gotzler – er erhielt bei der Kommunalwahl 789 Stimmen – von einer Operation. Also wartete Hochenleitner mit ihrem Schlussstrich. Im Frühsommer bat sie dann Rödl, noch bis zur Sommerpause weiterzumachen. „Ich hatte also lange Zeit zum Abnabeln“, sagt sie. Deshalb kann sie nun ihrem „hochmotivierten“ Nachfolger ohne Wehmut den Platz freiräumen.

Es ist bereits die zweite personelle Veränderung im Gemeinderat. Erst im Juni hatte Anton Burkhart (Augenmaß) aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat niedergelegt. Mit Gotzler zieht nun nach Rödl der zweite Polizist ins Gremium ein. Die beiden kennen sich von früher, als der Rathauschef noch als Praktikant in der Murnauer Inspektion fungierte. Dort war auch der Hauptkommissar tätig, ehe dieser vor fünf Jahren zur Polizeistation in seinen Heimatort Oberammergau kam. Am Montag vereidigte ihn Rödl nun zum Gemeinderat. Mit dem neuen „Machtverhältnis“ haben beide kein Problem. „Wir sind immer gut ausgekommen“, sagt Gotzler.

Thomas Gotzler (l.) wird von Bürgermeister Andreas Rödl vereidigt.

Der brennt schon für seine neue Aufgabe. Keine Sekunde zögerte er, sie anzunehmen. Sonst hätte er sich 2020 gar nicht erst zur Wahl gestellt. Er möchte dem Ort etwas zurückgeben, in dem er geboren und aufgewachsen ist. In dem er von vielen Angeboten, zum Beispiel Sportvereinen, profitierte. Kurz vor den Kommunalwahlen schloss er sich der BIO-Gruppierung an, mit der kommunalen Politik beschäftigt er sich seit circa drei Jahren intensiver.

Ich bin nicht auf die Gosch‘n gefallen.

Thomas Gotzler

Wofür er sich besonders einsetzen möchte: die Natur(schutzgebiete) und den Verkehr. „Ich bin viel auf der Straße unterwegs und sehe die Probleme.“ Verbesserungsideen schweben ihm bereits vor, zu gegebener Zeit will er sie offenbaren.

Gotzler ist sich bewusst, worauf er sich mit seinem Posten einlässt. Als Oberammergauer weiß er, wie die Oberammergauer ticken. „Ich bin auch nicht auf die Gosch’n gefallen“, betont der BIO-Mann. Streit gehöre mal dazu, nach der Sitzung sei der für ihn aber wieder abgehakt.

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