Andreas Rödl und Thomas Schwarzenberger vor der Rettungswache Oberammergau
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Zum Wohle aller: (v.l.) Oberammergaus Bürgermeister Andreas Rödl und BRK-Kreisvorsitzender Thomas Schwarzenberger wollen sich auf eine faire Lösung bezüglich der Rettungswache einigen.

Ein Deal, der jedem dient

Zukunft der Rettungswache Oberammergau: Gemeinde und BRK ziehen an einem Strang

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Die Rettungswache in Oberammergau hat ihre besten Jahre hinter sich. Nun beabsichtigen die Gemeinde und der BRK-Kreisverband, einen Erbpachtvertrag miteinander zu schließen. Ein Schulterschluss zum Wohle aller. Denn auf diese Weise könnte in naher Zukunft ein Neubau entstehen.

Oberammergau – Das Holz der Fensterrahmen splittert ab. Von der Wandverkleidung lösen sich die ersten Bretter, ein halbkreisförmiger nasser Fleck frisst sich die Außenmauer hoch. Das Dämmmaterial – vermodert, ist nicht wirklich existent. Die Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Oberammergau verfällt zunehmend. „Wenn von der Westseite ein Wetter kommt“, sagt der Kreisverbands-Vorsitzende Thomas Schwarzenberger bei einem Vor-Ort-Termin, „wird’s drinnen nass.“

Es herrscht Handlungsbedarf. Wie dringend dieser ist, wurde Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr deutlich. Er hatte sich damals das Gebäude an der Rottenbucher Straße zeigen lassen. „Ich wusste, dass es nicht gut beinand ist“, sagt er. „Aber nicht, dass es so schlimm ist.“ Rödl reagierte, suchte das Gespräch mit Schwarzenberger und Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl. Sein Vorschlag: Das Grundstück, das der Gemeinde gehört, ans BRK zu „verleihen“, welches dann als Kostenträger auftritt. Das Echo fiel positiv aus. Beide Seiten wollen an einem Strang ziehen.

Die Holzbretter führen inzwischen ein Eigenleben. 

Der Gemeinderat befürwortete jetzt im Dezember in nicht-öffentlicher Sitzung, die Erbpachtlösung zu verfolgen. Das Gremium beschloss einstimmig, dass Rödl in Verhandlungen mit dem BRK treten soll. Für die Kommune und ihre klamme Kasse ein guter Weg. Ihr würde ein finanzieller Klotz weniger am Bein hängen. „Wir haben im Haushalt kein Geld für einen Neubau“, betont der Rathauschef. Den Standort Oberammergau zu erhalten, müsse aber oberstes Gebot sein. Grundsätzlich und geografisch.

Man muss nur laut genug klopfen.

Bürgermeister Andreas Rödl

Kurze Wege braucht’s. Gerade im Ernstfall. Vier Rettungswachen gibt es im Landkreis. Neben der in Oberammergau noch eine in Murnau, Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen. Dann erst wieder in Rottenbuch. In zwölf Minuten von der Marktgemeinde aus das Ammertal zu erreichen – sportlich. Da wird es eng, die Hilfsfrist einzuhalten, meint Schwarzenberger. Nicht ohne Grund steht auch das BRK hinter dem Vorhaben. Auch wenn der Krüner unverblümt einräumt, einen Kauf zu bevorzugen. „Dann wäre es ein Invest in unser Gebäude.“ Da spielt die Gemeinde aber nicht mit.

Es wird ein Zweck-, kein Luxusbau

Mit der langfristigen Verpachtung können beide Seiten gut leben. Trotz des Überraschungsmoments, für den Rödl bei den Verantwortlichen der gemeinnützigen Organisation damals gesorgt hatte. Dass bei dem Thema eine solche Eile geboten ist, war niemandem so recht klar. Der Fokus beim BRK richtet sich derzeit auf die Wache in Murnau. Die Zustände dort seien schlechter als in Oberammergau, betont Schwarzenberger. Von daher „wäre die Gemeinde von uns aus zeitlich noch verschont geblieben“. Rödl lacht und entgegnet: „Man muss nur laut genug klopfen.“

Das BRK begreift die aktuelle Situation als Chance, den Standort weiterzuentwickeln, Ehrenamtliche und Hauptberufliche unterzubringen und vernünftige Arbeitsplätze zu schaffen. „Gerade in Zeiten von Corona ist das ganz wichtig“, sagt Schwarzenberger. Einen Masterplan kann er noch nicht aus der Schublade zaubern. Nur grobe Vorstellungen existieren. Die Garagen, indem RVO-Busse parken, und das Haupthaus in Holzständerbauweise – „da kann man nix retten“ – sollen weichen und Neues entstehen. Die rechten, jüngeren Einsstellräumen werden möglicherweise etwas aufgestockt. „Wir wollen keinen Wohnblock, aber eventuell einen Lehrsaal.“ Schwarzenberger denkt in die Zukunft, an den Sozialbereich, der wächst. An den Hauptsitz in Garmisch-Partenkirchen, wo die Verwaltung aus allen Nähten platze. Doch eines steht fest: Es wird ein Zweck-, kein Luxusbau.

Das Blech verliert bereits seine Beschichtung. 

Bis der Schulterschluss zwischen Gemeinde und BRK vertraglich unter Dach und Fach ist, vergeht aber noch Zeit. So schnell wie möglich sollen die Verhandlungen über die Höhe der Erbpacht beginnen. „Wir müssen eine faire Lösung finden“, betont Rödl. Schwarzenberger nickt zustimmend und ergänzt: „Das BRK ist kein Dax-Unternehmen mit Gewinnmaximierung.“ Es möchte lediglich seine Aufgabe erfüllen –zum Wohle aller. Auch das Altlasten-Gutachten muss überarbeitet werden, das Landratsamt den Grundstückswert schätzen, ehe das letzte Wort auf der einen Seite der BRK-Vorstand und auf der anderen Seite der Gemeinderat spricht. Bis Ende des ersten, aber eher zweiten Quartals 2021 hofft Schwarzenberger, die Grundstücksangelegenheiten geklärt zu haben.

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