Noch alleine: Die beiden Gebäude Am Rainenbichl sollen um zwei weitere ergänzt werden.
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Noch alleine: Die beiden Gebäude Am Rainenbichl sollen um zwei weitere ergänzt werden.

Zwei neue Gebäude sollen entstehen

„Für die Mitte der Gesellschaft“: Katholisches Siedlungswerk plant kostengünstige Wohnungen in Oberammergau

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Zwei Gebäude gibt es schon, zwei sollen hinzukommen. Das Katholische Siedlungswerk München möchte in Oberammergau zusätzlichen Wohnraum bieten. Das passt der Gemeinde gut in den Kram - vor allem finanziell.

Oberammergau – Die Preise explodieren. Ob beim Kauf von Immobilien oder bei gemieteten Unterkünften. Der Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum steigt und steigt. Viele Gemeinden im Landkreis bemühen sich, die Not zu lindern. Nehmen zum Beispiel am bayerischen Förderprogramm, dem Kommunalen Wohnungsbau, teil. Farchant, Bad Bayersoien oder Oberau zum Beispiel.

Oberammergau würde die Chance gerne ergreifen, kann aber nicht. Das Geld fehlt. Wie auch für andere wichtige Dinge. Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) bedauert’s. Doch wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. In seinem Fall kommt es aus München. Entsandt vom Katholischen Siedlungswerk (KSWM). Die GmbH strebt an, Am Rainenbichl neue Immobilien zu errichten – mit Mietwohnungen fernab von Rekord-Mietpreisen,

Wohnungen für Kindergärtnerinnen oder Berufsanfänger

Auf dem 4300 Quadratmeter großen Areal, das dem Unternehmen gehört, stehen zwei Gebäude, in denen 40 Wohnungen untergebracht sind. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1971, feiert heuer also 50. Geburtstag. Das heißt aber auch: Sie ist in die Jahre gekommen. 2007 wurden die Fassaden saniert. Jetzt „müssen wir an die Haustechnik ran“, sagte Geschäftsführer Stefan Geissler im Bauausschuss. Auch der Garagenhof sei nicht mehr ansehnlich. Doch um auf das Entscheidende zu kommen: Geissler nannte das Preissegment, in dem sich die Wohnungen befinden. Aktuell liege die günstigste Miete bei 4,28 Euro. Im Schnitt kostet sie knapp über sechs Euro. Mit diesen Zahlen will er eines verdeutlichen: „Das Unternehmen ist nicht auf Profitmaximierung getrimmt.“

So soll es bleiben. Schon seit der Gründung 1949 macht es sich das KSWM – Hauptgesellschafter ist die Erzdiözese München und Freising – zur Aufgabe, faire Preise anzubieten. Das gilt auch für das Projekt am Rainenbichl. „Wir wollen Wohnungen für die Mitte der Gesellschaft“, unterstrich Geissler und nannte zum Beispiel Gemeindemitarbeiter, Kindergärtnerinnen oder Berufsanfänger. Das hörten Markus Köpf (CSU) und Eugen Huber (Augenmaß) gern. Beide sehen die untere Einkommensschicht mit der benachbarten Graf-von-Deym-Siedlung abgedeckt. „Da gibt’s ein breites Angebot mit fast 100 Wohnungen“, meinte Huber. „Wir wollen keine Ghetto-Bildung da draußen.“

Barrieren als Hochwasserschutz

Architektonisch sollen die zwei neuen Gebäude jeweils über eine Parkfläche und zwei Wohnebenen verfügen. Einmal mit acht und einmal mit zehn Unterkünften. Es gibt aber auch die Variante mit zweimal zehn Wohnungen. Außerdem plant das KSWM 16 Garagen-Stellplätze und 24 bis 30 oberirdische. Mehr als beim Bestand mit seinen 29 Parkplätzen. Zu wenig laut der aktuellen entsprechenden Satzung. 40 müssten es demnach sein. Die Differenz entging Florian Schwarzfischer (Bio) nicht. Er würde sich mehr Abstellflächen wünschen. „Es sind jetzt schon mehr Pkw als Plätze.“ Geissler zeigte sich kooperativ. „Wir können oberirdisch noch welche schaffen, daran soll’s nicht scheitern.“

Bereits Anfang 2020 war das Projekt bei der Gemeinde aufgeschlagen. Geissler hatte sich mit der Kommune und mit dem Landratsamt ins Benehmen gesetzt, um erste wichtige Fragen zu klären. Es folgten weitere Treffen, bei denen die Vorstellungen des KSWM konkreter besprochen wurden. Der Geschäftsführer informierte über ein paar Notwendigkeiten. Zum Beispiel in Sachen Brandschutz. „Wir müssen eine Feuerwehr-Zufahrt realisieren“, betonte er. Außerdem sei das Grundstück, das sich in direkter Nachbarschaft zum Labergraben befindet, von Hochwasser gefährdet. Deshalb wurde für die Deym-Siedlung vor drei Jahren eine Überflutungssimulation erstellt. Entsprechende Schutzvorkehrungen mussten her, um die grünen Immobilien zu schützen. Das Münchner Unternehmen hat die Gefahr auf dem Schirm. „Auch wir werden Barrieren aufbauen“, sagte Geissler.

Siedlungswerk trägt Kosten für das Verfahren

Doch vor der Praxis sind noch einige bürokratische Schritte zu erledigen. Einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan braucht’s. Deshalb hat das Siedlungswerk beantragt, das Verfahren einzuleiten, was der Bauausschuss einstimmig befürwortete. Ganz zur Freude Geisslers, der an einer schnellen Umsetzung des Projekts interessiert ist. Als nächstes muss der Bebauungsplan geändert werden, erklärte Thomas Huppmann vom Bauamt. Dann folgt der Aufstellungsbeschluss, die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange, ehe es um den konkreten Bauantrag geht. Zudem muss ein städteplanerischer Vertrag geschlossen werden, dass das KSWM die Kosten für das Verfahren trägt.

Bürgermeister Rödl zeigte sich überaus glücklich über die Pläne. Das Siedlungswerk sei ein Partner, mit dem man reden und verhandeln kann. Der schönste Effekt dabei ist aber, dass Oberammergau Wohnungen bekommt, ohne dass die Gemeinde selbst viel dazu beitragen muss. „Das ist uns willkommen, wenn sich die GmbH dem Thema annimmt und die Gemeinde finanziell entlastet.“

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