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Premiere in Oberammergau - und das im Passionsjahr

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Junggesell*innenverein transportiert den künftigen Maibaum durch Oberammergau
Aufwändiger Transport: Die Mitglieder des Junggesell*innenvereins – darunter (v. l.) Till Mangold, Johannes Wagner und Bernhardt Hauswirth im Hintergrund – sorgen dafür, dass der Baum sicher durch die Eugen-Papst-Straße kommt. © Sebastian Schulte

Die Fichte ist geschlagen. Jetzt wird der 30 Meter hohe Stamm auf seinen großen Auftritt vorbereitet und davor bestens bewacht. Am 1. Mai stellt der Junggesell*innenverein Oberammergau den ersten Maibaum im Passionsdorf auf. Ein Spektakel, aus dem eine neue Tradition entstehen soll.

Oberammergau – Es ist eine Premiere. Noch eine im Passionsort. Mit Theater hat das, was die Mitglieder des Junggesell*innenvereins (JGV) Oberammergau vorhaben, aber nichts zu tun. Am Sonntag, 1. Mai, stellen sie zum ersten Mal einen Maibaum auf. Und stemmen damit das bisher wohl größte und spektakulärste Projekt in der noch recht jungen Vereinsgeschichte. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, sagt Florian Maderspacher. Der Dritte Vorsitzende steht zugleich dem Maibaumausschuss vor. Die rund 150 Mitglieder und er sind schon jetzt Feuer und Flamme. Schließlich sorgen sie mit ihrem Vorhaben für eine weitere Premiere in ihrem Heimatort. Denn einen richtigen, traditionellen Maibaum gab es dort noch nie.

Bis es so weit ist und die rund 30 Meter hohe Fichte ihren Platz vor dem Ammergauer Haus einnehmen kann, gibt es noch viel zu tun. „Wir haben uns da schon einiges vorgenommen“, sagt Maderspacher. „Ein Baum dieser Größe ist für das erste Mal schon eine Herausforderung.“ Um diese zu meistern, wird nichts dem Zufall überlassen. Wenn es das Wetter zulässt, wollen die Junggesell*innen den Baum auf jeden Fall händisch aufstellen. „80 Helfer werden wir dafür ungefähr brauchen.“ Durchaus möglich, dass dabei auch einige der weiblichen Mitglieder anpacken. „Bisher haben sich nur die Burschen gemeldet“, erzählt der 26-Jährige. „Wer von unseren Mädels Lust hat, ist jederzeit willkommen.“ Neben viel Muskelkraft werden auch noch weitere Hilfsmittel, wie die so genannten Schwalben benötigt. Die bis zu zehn Meter langen Stangen helfen dabei, den 30 Meter hohen Baum aufzustellen. Gesichert wird das Ganze von einem rund zwei Meter großem Maibaumbock. „Das ist schon eine Wissenschaft für sich.“ Nicht zuletzt deshalb haben sich die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten immer wieder mit Vereinen aus den umliegenden Orten ausgetauscht, die bereits Erfahrung mit dem alten Brauchtum haben. Dort haben sie viele wertvolle Tipps erhalten. Sollte es die Witterung am 1. Mai nicht zulassen, ist man für eine maschinelle Aufstellung bereits vorbereitet. „Wir hoffen aber ganz fest auf gutes Wetter“, gibt sich der Medizin-Student optimistisch.

Dieses Arbeitskommando aus Oberammergau hat soeben den künftigen Maibaum gefällt.
Es ist vollbracht: Bernhardt Hauswirth (h.) und (v. l.) Florian Maderspacher, Antonia Schweiger, David Lück, Nikolaus Krach und Leander Marzell haben die Fichte gefällt. © Privat

Das Fundament für den Maibaum wurde selbstverständlich schon gelegt. Der erste Teil bereits Ende vergangenen Jahres, als zunächst ein vier mal vier Meter großes Loch ausgehoben werden musste. Insgesamt arbeiteten bis zu zehn Mitglieder rund zwei Wochen daran. Dass es überhaupt so weit kam, liegt auch an der Unterstützung der Verantwortlichen in Oberammergau. Die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde hebt Maderspacher besonders hervor: „Uns wurden zu keiner Zeit Steine in den Weg gelegt.“

Generell fallen die Reaktionen im Ort sehr positiv aus. Das JGV-Team hat im Vorfeld ein Sponsorenpaket geschnürt, mit dem sich Vereine und Betriebe aus Oberammergau am Maibaum beteiligen und verewigen können. Jeder Unterstützer erhält unter anderem ein Zunftzeichen. Insgesamt haben sich 60 Betriebe und 10 Vereine ein solches gesichert, darunter die Passionstenöre.

Traditionell weckt so ein Stangerl nicht nur Interesse im eigenen Dorf, sondern auch bei den umliegenden Ortschaften. „Ich rechne fest damit, dass es einige Versuche geben wird, den Maibaum zu stehlen“, erklärt Maderspacher. Die Tatsache, dass es der erste in Oberammergau ist und gleichzeitig noch die Passion in diesem Jahr stattfindet, macht ihn seiner Meinung nach besonders attraktiv. Das sieht auch Bürgermeister Andreas Rödel (CSU) so. Er geht sogar davon aus, dass es Vereine aus der Landeshauptstadt München versuchen wollen. Klar also, dass die jungen Männer und Frauen gut auf ihren Maibaum aufpassen. Details gibt Maderspacher natürlich nicht preis. „Wir werden alles tun, um ihn bestens zu bewachen.“ Der Baum wurde bereits vor langer Zeit ausgewählt. Eine knapp 30 Meter hohe Fichte der Wald-, Weide- und Streugenossenschaft Oberammergau. Weitere Details lässt sich der 26-Jährige nicht entlocken.

Einheimische Burschen nehmen auf dem künftigen Maibaum von Oberammergau Platz
Einen Ehrenplatz haben Bernhardt Hauswirth (vorne), der am 1. Mai für einen reibungslosen Ablauf beim Aufstellen sorgt, und Florian Maderspacher auf dem frisch gefällten Baum eingenommen. © Sebastian Schulte

Der erste richtige Maibaum in Oberammergau soll gebührend gefeiert werden. Gegen 7.30 Uhr bewegt sich der Festzug samt Baum in Begleitung des örtlichen Trommlerzugs von der Eugen-Papst- Straße in Richtung des Ammergauer Hauses. Nach einer ökumenischen Weihe geht es um 8.30 Uhr los mit dem Aufrichten. Maderspacher rechnet damit, dass das händische Aufstellen drei bis vier Stunden dauern wird. Bis Mittag soll das Wahrzeichen auf jeden Fall stehen, denn um 14 Uhr beginnt die Passionsprobe. Für die Besucher haben die Verantwortlichen bereits, unabhängig von der Witterung, ein buntes Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Für Unterhaltung sorgt unter anderem der Musikverein Oberammergau. Darüber hinaus werden Speisen und Getränke angeboten.

Das Maibaum-Aufstellen soll aber keineswegs ein einmaliges Ereignis bleiben. In Zukunft plant der JGV einen Dreijahres-Rhythmus. Maderspacher sieht darin eine große Chance für sein Heimatdorf: „Wir wollen damit den Zusammenhalt in Oberammergau weiter stärken und das auch nach außen hin zeigen.“ Im besten Fall könnten seiner Meinung nach damit sogar weitere Projekte für die Zukunft angestoßen werden. Beispielsweise eine Festwoche mit Bierzelt. Vielleicht aber auch etwas ganz anderes. Wenn es nach dem Studenten geht, soll der Maibaum zu einer festen Tradition werden. „Wenn ich alt bin, möchte ich mich einmal gemütlich an das Ammergauer Haus setzen und den Jungen beim Aufstellen zuschauen“, sagt er schmunzelnd. Bestimmt kann er die dann auch mit dem einen oder anderen Tipp versorgen. Tobias Schwaninger

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