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Nicht mehr standsicher: das Rathaus.

Gutachten warnt

Einsturzgefahr in Oberammergaus Rathaus

Oberammergau - Jedes Mal, wenn Schnee auf dem Rathaus-Dach in Oberammergau lag, hätte es einstürzen können. Die Mitarbeiter sind dort – wie ein aktuelles Gutachten zeigt – nicht mehr sicher. Deshalb wird der Teilumzug der Verwaltung ins Ammergauer Haus geprüft. Gegen den Bürgerwillen.

Der Beschluss, den der Gemeinderat am Mittwochabend nach intensiver, zweistündiger Diskussion gefällt hat, kommt in Oberammergau einem politischen Erdbeben gleich. Die Verwaltung soll prüfen, ob das Hauptamt und die Kämmerei provisorisch ins Ammergauer Haus umziehen können. Dabei hatten die Dorfbewohner ihre Meinung im Juli 2011 eindeutig kundgetan: Das Ammergauer Haus soll nicht auch als Rathaus genutzt werden. An diese Vorgabe hat sich die Politik gehalten. Bis jetzt. Doch nun zeigt ein Gutachten, dass das Rathaus nicht mehr standsicher und eine schnelle Lösung notwendig ist. Die Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher steht auf dem Spiel.

Wie drastisch die Lage ist, das hat Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) nach eigenen Worten selbst erst in der Sitzung wirklich verstanden. Beim Vortrag von Wolfgang Schwind. Der renommierte Statiker und ausgewiese Experte bei der Schneelast-Problematik hatte das Rathaus unter die Lupe genommen. Sein schockierendes Fazit: „Es gab eine mehrfache Überlastung der Tragfähigkeit.“ Als der Mittenwalder Fotos zeigte und erklärte, „da liegt ihre Decke ein bisschen in der Luft“, schauten nicht wenige skeptisch nach oben.

Zwar beruhigte Schwind: „Ich stehe gerade dafür, dass jetzt nichts passiert.“ Dennoch wurde aber klar: In den vergangenen Jahren, wenn viel Schnee auf dem Dach lag, hätte es jederzeit einstürzen können. Die Konstruktion ist in Zusammenhang mit der Decke über dem zweiten Obergeschoss nicht mehr standsicher. Und das gilt, wie der Bürgermeister vortrug, nicht nur für Berechnungen mit den vorgegebenen Schneemengen – sondern auch schon für niedrigere Werte. Hinzukommen signifikante Risse im Mauerwerk. Nicht nur die Dachkonstruktion, sondern auch die Fundamente seien überlastet.

Im Januar hatte sich Schwind das Haus das erste Mal angesehen. Und die Verwaltung danach sofort zum Handeln aufgefordert. Es war Gefahr in Verzug. Und zwar ausgehend von den Regalen, die im Speicher prall gefüllt mit schweren Aktenordnen standen. Der Raum „war aber nie als Archiv geplant“, unterstrich Schwind. Denn so wirkten auf den Hauptstützbalken des Daches, der ausschließlich von zwei 16 Zentimeter breiten Bolzen getragen wird, links und rechts Kräfte von einer Tonne. Die Folge: Es gibt Einschnitte ins Holz und Ablösungen. Letztere kommen Schwind zufolge schon mal im Millimeter-Bereich vor. Die im Rathaus sind aber drei Zentimeter lang. Was folgte, waren weitere Untersuchungen.

Das Fazit aus dem nun vorgelegten Gutachten: Mit den ersten Schneefällen, also potenziell schon Mitte Oktober, sollten sich keine Menschen mehr im Gebäude befinden. Es sei denn, die Verwaltung handelt. 150 000 Euro würde eine Sanierung durch das Einziehen von Stahlträgern kosten. Man könnte auch so viele Stahlstützen aufstellen, dass die Standsicherheit gewährleistet ist. „Aber dann ist das Haus nicht mehr nutzbar“, erklärt Schwind.

Angesichts der überraschenden Nachrichten und des Lösungsvorschlags von Nunn, einen Teil der Verwaltung provisorisch ins Ammergauer Haus umzusiedeln, entbrannte eine langwierige Diskussion. Dabei betonten Gemeinderäte wie Wolfgang Proksch (Mit Augenmaß) oder Ludwig Utschneider (Freie Wähler), dass eine derart teure Sanierung keinen Sinn mache. Weil eigentlich Einigkeit darüber bestehe, dass die Verwaltung in dem veralteten und nicht-barrierefreien Rathaus sowieso keine Zukunft hat.

Simon Fischer (CSU) hatte am 2. März 2011 als einziger gegen den Umzug ins Ammergauer Haus gestimmt. Damit sprach er dem Volk aus der Seele, das mit 57,24 Prozent den Beschluss aushebelte. Jetzt wiederholte Fischer seine Kritik, dass seitdem keine Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt sei. Geschweige denn eine Lösungssuche.

Deutliche Worte kamen von Florian Schwarzfischer (BIO), der Nunns Infopolitik kritisierte. „Das regt mich auf“, polterte er. Warum hat der Bürgermeister die Öffentlichkeit nicht schon früher informiert? Warum wartet er so lange, bis eine Hauruck-Entscheidung notwendig ist? Antworten bekam er nicht.

Letztlich wurde mit 11:8 Stimmen beschlossen, den Umzug zu prüfen. Außerdem muss geklärt werden, was mit dem alten Rathaus passiert. Es dürfte nicht einfach leer stehen, sondern müsste trotzdem gesichert werden. Die Alternative wäre der Abriss. Der endgültige Beschluss zum Umzug fällt voraussichtlich am 17. September.

Nadja Hoffmann

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