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Beklemmender Moment: Verantwortliche verkünden die Verschiebung der Passion. Doch Werkleiter Walter Rutz (M.) ist schon wieder „leicht zuversichtlich“. Links Spielleiter Christian Stückl, recht Bürgermeister Arno Nunn.

Werkleiter Walter Rutz sieht viel Verständnis bei den Partnern nach der Verschiebung

Passionsspiele 2022: Der Optimismus kehrt wieder ein

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Diese Fußballer-Weisheit hat sich jetzt auch Werkleiter Walter Rutz in Oberammergau zu eigen gemacht.

Oberammergau – Auch wenn es ihm noch immer schwerfällt, über diesen denkwürdigen 19. März zu reden – an dem die Verschiebung der Passion auf 2022 öffentlich bekannt gemacht wurde – so bleibt Walter Rutz dabei: „Die Entscheidung, wie sie letztlich gefallen ist, war alternativlos. Auf Juni oder Juli zu verschieben, „da wäre das Risiko einfach viel zu groß gewesen“, und das Jahr 2021 ins Auge zu fassen, „in so kurzer Zeit hätten wir keinen Vertrieb im Ausland aufbauen können“. Außerdem könne keiner sagen, wie lange es mit der Corona-Pandemie dauere.

2022 war für Rutz daher „der richtige Schritt“. Überrascht und auch berührt zeigte sich der 55-Jährige, wie dieser Oberammergau-GAU von außen aufgenommen worden ist: „Wir haben fast nur positive Reaktionen von unseren Kunden, Vertragspartnern und Reiseveranstaltern bekommen: Sie zeigen Verständnis für unsere Entscheidung. Viele haben bereits signalisiert, dass sie in zwei Jahren wieder mit im Boot sind.“

Alle Verträge werden gekündigt

Der Werkleiter betont in einem leichten Anflug von Aufbruchstimmung, dass man nun eben das Beste aus dieser Situation machen müsse: „Es war ein schwerer Schlag für alle, aber es ist nicht mehr zu ändern. Wir müssen wieder nach vorne blicken, nur gemeinsam kommen wir da wieder heraus.“ Erst einmal müssen sämtliche Verträge für 2020 gekündigt werden, mit den rund 1800 Mitwirkenden, den Hotels, den Busunternehmern, Reiseveranstaltern. Das zieht sich weiter über die Theaterreinigung, den RVO, den Sicherheitsdienst, die Parkraumbewirtschaftung, und so weiter.

Fast parallel laufen die Vorbereitungen für 2022 wieder an, denn der erste offizielle „Startschuss“ ist nicht mehr so lange hin: 17. Februar 2021, Aschermittwoch, wenn der neue Haar- und Barterlass in Kraft tritt. Walter Rutz plant schon weiter: „Ab April gehen wir wieder in den Verkauf. Gleichzeitig muss der Gemeinderat dann den Spielplan und die Anzahl der Spieltage beschließen.“ In den ersten Tagen nach Bekanntgabe der Verschiebung hätten bereits viele potenzielle Besucher signalisiert, dass sie ihre Tickets in 2022 mitnehmen möchten.

Für die Rückerstattung bereits erworbener Karten und Arrangements bietet die Geschäftsstelle zwei Möglichkeiten an: Voraussichtlich ab dem 6. April können Reservierungen für die diesjährigen Vorstellungen in eine Reservierung für 2022 umgewandelt werden. Eine weitere Variante ist die Stornierung der Karten und Arrangements. Hierbei erhalten Käufer eine Rückerstattung des Ticket- bzw. Arrangementpreises. Dazu müssen sie auf der Veranstalter-Homepage www.passionsspiele-oberammergau.deein Formular (PDF-Download) ausfüllen.

Auslastung lag bei über 95 Prozent

Der Werkleiter ist zuversichtlich, dass der Kartenverkauf für 2022 wieder gut anlaufen wird: „Wir hatten am letzten Verkaufstag, dem Tag der Absage, eine Gesamtauslastung von 95,07 Prozent. Das zeigt mir schon, dass unsere Passionsspiele eine große Anziehungskraft haben.“ Das Ganze sieht Walter Rutz aber unter einem gewissen Vorbehalt, dann niemand wisse zum jetzigen Zeitpunkt, wie sich die Covid-19-Epidemie noch entwickle, bei uns und auch in Amerika.

Rückblickend fällt Rutz noch ein Stein vom Herzen: „Weil wir erstens eine Versicherung abgeschlossen haben, in der zweitens eine Pandemie nicht ausgeschlossen ist. Da haben wir wirklich Schwein gehabt.“ Dass sich Oberammergau so absichern sollte, sei auch auf eine Empfehlung der Rechtsaufsicht im Landratsamt zurückgegangen. Die maximale Versicherungssumme liegt nach den Worten des Werkleiters bei 21,4 Millionen Euro. Diese Summe wird Oberammergau jedoch nicht erhalten. „Die Versicherung zahlt nur unseren Schaden.“ Wie hoch der ist, muss Walter Rutz erst noch errechnen. Auf die Frage, ob man auch für 2022 wieder solch’ eine Risiko-Abdeckung abschließen werde, reagierte der Geschäftsführer mit einem Schmunzeln: „Ich weiß nicht, ob uns noch eine Versicherung nimmt ...“ Tatsächlich steht Oberammergau mit der derzeitigen Gesellschaft in Gesprächen, um die Situation zu klären. Dabei sei laut Rutz auch nicht auszuschließen, dass beide Seiten wieder einen Vertrag für die Passionsspiele schließen.

Noch steckt vieles für 2022 im absoluten Anfangsstadium, doch eine gewisse Aufbruchstimmung ist schon wieder spürbar. Rutz: „Es muss doch weitergehen!“

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