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Die Feuerwehr Oberammergau feiert ihren 150. Geburtstag.
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Die Ritter und Retter des Ammertals

Feuerwehr Oberammergau feiert 150-Jähriges: Innenminister Herrmann lobt Einsatz in den höchsten Tönen

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Sie agieren wie die drei Musketiere: alle für einen, einer für alle. Seit 150 Jahren sind die Mitglieder der Feuerwehr Oberammergau verlässliche Helfer in Notlagen. Ein Einsatz, der am Sonntag außerordentlich gewürdigt wird.

Oberammergau – Den Festzug durch das Dorf verpasst er. Termine. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann muss weiter nach Schongau, zur Einweihung des Feuerwehrhauses. Den Gottesdienst in Oberammergau will der CSU-Politiker aber auf keinen Fall sausen lassen. 150 Jahre Feuerwehr Oberammergau – das ist für ihn nicht irgendein runder Geburtstag. „Ich habe schon viele Feuerwehrfeste erlebt“, sagt er. Im Passionstheater, mit dieser Tradition – das sei aber schon etwas ganz Besonderes.

Der Verein hat den Seniorenstatus erreicht. „Die Feuerwehren, die ihr 150-Jähriges feiern“, betont Herrmann, „sind die ältesten in Bayern.“ Im Landkreis liegen die Oberammergauer auf Platz zwei nach Garmisch. Auf Rang eins bei der Jugendfeuerwehr, wie Landrat Anton Speer (Freie Wähler) verdeutlicht. Doch anders als im Sport gibt es keinen Wettkampf unter den Kameraden. Sie alle treibt ein Motor an: dort zu helfen, wo andere in Not geraten sind. Ob bei Hochwassern, Bränden oder Unfällen.

Die Belohnung für ihren unermüdlichen Einsatz zu jeder Tages- und Nachtzeit erhalten sie an diesem Sonntag: Bei herrlichstem Herbstwetter kommen neben zahlreichen Bürgern rund 800 Kameraden aus der Region und sogar aus Hessen sowie das THW aus Kronach, das im „Katastrophen“-Winter die Dächer abgeschaufelt hatte, ins Passionstheater. Dass dieses gerade wegen der Umbauarbeiten eine Baustelle ist, fällt so gut wie nicht auf. Weiße und schwarze Tücher verdecken die Gerüste. Nur ein paar Kabel sind zu sehen. „Keine Angst“, scherzt Bürgermeister Arno Nunn in Bezug auf die Peta-Forderung, 2020 auf den Passions-Esel zu verzichten, „das sind keine Stromanschlüsse für den
E-Scooter.“

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Die Atmosphäre im altehrwürdigen Gebäude – feierlich und emotional zugleich. Es ist nicht nur die Kälte im Passionsspielhaus, die Gänsehaut hervorruft, sondern auch die Klänge des Kirchenchors und -orchesters sowie des Bläserensembles des Musikvereins. Dekan Thomas Gröner, der vom evangelischen Pfarrer Peter Sachi unterstützt wird, schlägt ebenfalls die richtigen Töne an. „Wo alle rausrennen, gehen sie rein“, würdigt er das teilweise lebensgefährliche Engagement der Feuerwehrmänner und -frauen.

Die Feuerwehr ist kein Selbstzweck

Die aufopferungsvolle Arbeit für die Mitmenschen heben alle Redner hervor. Weil sie – anders als es heute manchmal scheint – nicht selbstverständlich ist, sagt Minister Herrmann klipp und klar. Doch die alte Idee vom bürgerlichen Engagement funktioniere noch. In einer Gesellschaft, in der Menschen gerne ihre Freizeit genießen und egoistische Ziele verfolgen. In einer Zeit, in der es „Verrückte im Land gibt“, Gaffer, die Einsätze behindern, oder Leute, die sogar gewalttätig gegenüber den Rettungskräften werden. Das kann und will er nicht akzeptieren. „Wir erwarten Respekt für die Einsatzkräfte.“ Andernfalls müssten konsequent harte Strafen folgen. Die Gottesdienst-Besucher applaudieren.

Eines macht Hermann unmissverständlich deutlich: Die Feuerwehr ist kein Selbstzweck. Sondern eine zusätzliche Leistung, die Bürger für Bürger erbringen. Dem kann sich Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler) nur anschließen. Die Mitglieder fragen in Notlagen nicht, sie handeln. Ein Verhalten, das der Oberammergauer mit Tugenden aus dem Mittelalter vergleicht. „Sie sind die Ritter und Retter des Ammertals.“

Manpower allein reicht aber nicht. Es bedarf auch der nötigen Ausrüstung. Zum Geburtstag erhält die Wehr ein Geschenk, das so groß ist, dass es nicht durch das Tor passt: ein Löschfahrzeug, kurz LF 20. Es wird beim Gottesdienst geweiht. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 542 000 Euro. Der Freistaat bezuschusste das Gerät mit 105 000 Euro, den Rest stemmte die Gemeinde. Eine wichtige Zukunftsinvestition, da sind sich Herrmann, Nunn und Co. einig. Denn es hilft der Feuerwehr Oberammergau, das weiterzuführen, was sie seit 150 Jahren tut: Menschen zu retten.

Ehrungen für besondere Verdienste: 

Erst gratulieren Innenminister Joachim Herrmann und die anderen Festredner Johann Eitzenberger zu seinem Karrieresprung. Der Kreisbrandrat ist vor kurzem zum Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbands gewählt worden. Nach dem Festgottesdienst im Passionstheater darf Eitzenberger in seiner neuen Funktion gleich eine Aufgabe erfüllen, die ihn besonders freut. Er ehrt zwei Kameraden aus dem Landkreis. Er steckt Robert Eder das Bayerische Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber an die blaue Uniform. Stellvertretend für die ganze Oberammergauer Wehr. Der Hauptlöschmeister ist dieser 1982 beigetreten, kümmert sich seit 1989 um die Atemschutzausbildung sowie um Wartung der entsprechenden Geräte und hat seit 2003 den Posten als Vorsitzender inne. Die gleiche Auszeichnung erhält Peter Gaus. Seit 1969 gehört dieser der Feuerwehr im Ort an, ist seit 1991 Kommandant. Damit nicht genug: Kreisbrandinspektor, Stellvertretender Kreisbrandrat, Passions-Kommandant, Verantwortlicher bei der Gefahrengutausbildung – alles Funktionen, die Gaus unter anderem bekleidet. Und das teilweise seit vier Jahrzehnten. „Er ist einer der prägendsten Führungspersonen im Landkreis“, betont Eitzenberger bei seiner Laudatio. Für ihn soll es am Sonntag nach dem Festgottesdienst nicht bei einer Ehrung bleiben. Landrat Anton Speer verleiht ihm für seine besonderen Verdienste das Ehrenzeichen des Landkreises in Gold. „Das hast du dir wirklich verdient“, unterstreicht der Kreis-Chef. Von der Gemeinde Oberammergau gibt’s ein Zuckerl obendrauf: die Ehrenplakette in Gold. Gaus zeigt sich gerührt: „Ich bin baff“, sagt er, „fast sprachlos“. Typisch für den Zusammenhalt, der in Feuerwehrkreisen herrscht, will er die Lorbeeren nicht für sich einstreichen. Gaus stellt klar, die Ehrungen stellvertretend für seine Kameraden entgegenzunehmen. Die Arbeit, die Hilfeleistungen – „das kann ich ja gar nicht alleine machen“.

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