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Romantik vor tosender See: Christian Stückl (l.) bringt Gábor Bretz (der Holländer) und Liene Kinca (Senta) in Stellung.

Opernspektakel in Oberammergau 

Passionstheater: Der Holländer nimmt Fahrt auf

Am 30. Juni feiert „Der fliegende Holländer“ Premiere im Passionstheater. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, täglich wird stundenlang geprobt. Wie groß das Opernspektakel wird, lässt sich bereits erahnen.

Oberammergau – „Hojohe! Hallojo!“: Worte, die mit voller Wucht durch das Passionstheater wummern. Gesungen von rund 50 Männern. Sie sind Norweger. Matrosen. Und leiten mit ihrem Gesang Richard Wagners Opern-Klassiker „Der fliegende Holländer“ ein. Ganz perfekt ist diese Szene am Montagabend aber noch nicht. Dirigent Ainars Rubikis ist nicht ganz zufrieden. „Listen guys“, beginnt er seine Erklärung. Bei den Holländer-Proben wird viel Englisch gesprochen – weil auch die Solistenriege international besetzt ist. „Hallojo“! Immer und immer wieder feilt der lettische Dirigent an der Passage. Die Männer im Chor, viele davon aus Oberammergau und der Region, geben alles. „Hallojo“! Nach 20 Minuten, in denen Rubikis mit vollem Körpereinsatz arbeitet, ist der Dirigent leicht abgekämpft, aber zufrieden. „Jetzt gehören sie Dir“, übergibt er die Sänger an Christian Stückl.

Eine Woche vor der Premiere: Stückl ist - wie immer - ganz entspannt

Der ist eine Woche vor der Premiere (30. Juni) – wie immer – ganz entspannt. Er weiß: Jeden Tag passiert jetzt einiges. Inzwischen sind die Musiker der Neuen Philharmonie München in Oberammergau angekommen. Für die 1,4 Millionen Euro teure Opern-Inszenierung werden sehr viele Betten im Dorf gebraucht. Mit den gemeinsamen Proben vom Orchester, dem 200 Mitglieder starken Chor und den Solisten kommen die Verantwortlichen nun ein gutes Stück voran. Licht, Kostüme, die imposante Kulisse samt tobender See und Schiff – die Arbeit wird nicht weniger. „Wir haben aber schon viel geschafft“, sagt Stückl. Er inszeniert erstmals Wagner im Heimatdorf. Und erkennt bei dieser romantischen Seefahrer-Geschichte einmal mehr. Die Oper ist für einen, der im Schauspiel aufgeht, schon ein spezielles Gebiet. Stückls schwierigste Aufgabe: „Ich muss den Chor in Bewegung bringen.“ Man könnte meinen, das ist ein Klacks. Schließlich hat Stückl wegen der großen Volksszenen bei der Passion wohl so viel Erfahrung wie kein anderer.

Aber: „Für uns ist das nicht einfach“, plaudert Florian Stückl aus dem Nähkästchen. Der ehemalige Leiter der Schnitzschule ist Chormitglied. Als solches sei man grundsätzlich auf den Gesang konzentriert. Und diese Aufgabe gelte es nun, in Einklang mit den Regie-Anweisungen zu bringen – ohne vom Tempus oder der Rhythmik abzuweichen. Damit am Ende Stückl und Rubikis zufrieden sind. „Mit jeder Probe wird’s besser“, sagt Stückl zuversichtlich und mit einem Lächeln.

Dreimal hat Bretz in der Inszenierung mitgewirkt -  das erste Mal ist er Holländer

Mittendrin im Matrosenchor sind in dieser Szene der Steuermann, gespielt von dem Belgier Denzel Delaere, und der Seefahrer Daland. In diese Rolle schlüpft Guido Jentjens, der seine Karriere in Köln und Düsseldorf begonnen hat. Oberammergau ist Neuland für ihn. Wenn auch nur beruflich. „Ich war als Kind schon einmal mit meinen Eltern da“, verrät er. Die Passionsspiele sind dem Bass ebenfalls bekannt. Weniger Bezugspunkte ins im Ammertal hat Gábor Bretz, der als Holländer die Hauptfigur besetzt. Auch wenn ihn sein Engagement nicht in eine der Metropolen dieser Welt gebracht hat, ist Oberammergau für ihn etwas besonderes. Denn: So eine Bühne gibt es nicht mal in New York. „Das Theater ist beeindruckend.“ Dreimal hat Bretz bereits in der Inszenierung mitgewirkt – als Daland. Nun ist er das erste Mal Holländer. „Eine Traumrolle.“

Konzentriert bei der Probe: (v.l.) Guido Jentjens (Daland) und Denzil Delaere (der Steuermann).

Dabei ist Liene Kinca als Senta an seiner Seite oder auch in seinen Armen wie bei dieser Probe. Die beiden kommen sich singend näher, während Stückl direkt neben ihnen steht und die Kommandos gibt. Weitere Anweisungen gibt es von Maximilian Cassani. Der Soffleur bringt während der ganzen Szene die Stichworte, was bei einer Oper deutlich lauter als bei einem Theaterstück ist. Während all das passiert, laufen Mitglieder vom Bühnenbau-Team durch die Kulissen, nehmen Maß und werkeln leise im Hintergrund. Scheinwerfer werden eingestellt und justiert, so dass die ausgemalte tosende See immer wieder aufblitzt. Und dazu das stetige „Hallojo!“ aus dutzenden Männerkehlen.

Alle Infos

„Der fliegende Holländer“ ist am am 30. Juni sowie am 2., 14., 16., 21. und 23. Juli um 20 Uhr im Passionstheater zu sehen. Karten gibt es zu 29, 49, 59, 79 und 94 Euro unter Telefon 0 88 22/9 45 88 88, bei der Tourist-Info Oberammergau oder unter www.passions theater.de

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