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Schwarz auf weiß steht’s geschrieben: Florian Streibl (l.) und Christian Stückl am Aschermittwoch 2009, als der Haar- und Barterlass in Oberammergau in Kraft trat.

Florian Streibl entschuldigt sich für Äußerungen

Oberammergau - Der Rückruf kam aus Vietnam, wo er sich gerade dienstlich aufhält: Landtagsabgeordneter Florian Streibl hat seine Bemerkungen zu den Passionsspielen in einem Zeitungsbeitrag bedauert.

Es schien, als würde es ruhig abgehen in Oberammergau bis zu den Passionsspielen: Kein Streit, kein Gemecker, alle Kräfte bündeln für die große Herausforderung. Mitten hinein in die Endphase der Vorbereitung bis zur Premiere am 15. Mai platzten nun die Äußerungen des Landtagsabgeordneten Florian Streibl und Gemeinderat Martin Müller (beide Freie Wähler).

Oberammergau: Passionsspiele 2010

Oberammergau - Passionsspiele 2010

Oberammergau - Passionsspiele 2010
Oberammergau - Passionsspiele 2010
Oberammergau - Passionsspiele 2010
Oberammergau - Passionsspiele 2010
Oberammergau - Passionsspiele 2010

Beide hatten in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) Positionen gegenüber Spielleiter Stückl („Passions-Diktator“), dem hohen Frauenanteil bei der Passion und dem Einfluss jüdischer Organisationen vertreten, die auf heftigste Kritik stießen.

Jetzt hat sich zumindest Streibl für seine Bemerkungen entschuldigt. Die Redaktion erreichte den 48-Jährigen in Vietnam, wo er sich gerade mit dem Verfassungsausschuss des Landtags aufhält. Der Vize-Chef der FW-Fraktion erklärte, den Artikel in der FAS noch gar nicht gelesen zu haben. Sollte er jedoch durch seine Bemerkungen jemand verletzt oder beleidigt haben, so tue ihm das Leid, und er möchte sich auch dafür entschuldigen.

Auf die Frage, warum er keinen Bart und lange Haare trage, wie es der sogenannte Haar- und Barterlass für Mitwirkende verfüge, hatte Streibl in dem Artikel geantwortet, er könne in München nicht rumlaufen „wie ein Neandertaler“. Bei den Volksproben waren Streibl obendrein die vielen Frauen aufgefallen; dies hatte ihn zu der Aussage veranlasst: „Man fragt sich, ob man Bärte verteilen soll.“

Die Äußerungen des Landtagsabgeordneten sowie von Gemeinderat Martin Müller („Wir haben im Dorf eine kleine Diktatur, Christian Stückl ist der Passions-Diktator“) quittierten die Frauenliste sowie die junge Ratsliste „Entschieden für Oberammergau“ mit scharfer Ablehnung. Sogar von „Skandal“ und „Eklat“ war die Rede. Offen forderte Gemeinderätin Doris Hofer eine Entschuldigung Streibls. Die kam nun.

Der Abgeordnete wörtlich: „Es tut mir Leid, wenn etwas in dem Bericht falsch rübergekommen sein sollte.“ Die Bezeichnung „Neandertaler“ habe er eher humorvoll gemeint, das bedeute keinerlei Abwertung der Mitwirkenden. Er habe zu keiner Zeit die Gefühle verletzen oder Jemanden beleidigen wollen. Florian Streibl stellte abschließend klar, dass er voll hinter dem Passionsspiel stehe („Das ist auch mein Leben“) und ihm Oberammergau eine Herzensangelegenheit sei und immer bleibe.

Ludwig Hutter

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