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Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Tedi-Markt.

Flüchtlinge in Oberammergau  

Oberammergaus dringender Appell an die Regierung

Das Dorf sieht massive Probleme auf sich zukommen: Eine Flüchtlingsunterkunft schließt, die andere ist voll mit Kindern. Jetzt wird Hilfe gesucht.

Oberammergau - Es ist schon ein Kuriosum: In der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Tedi-Markt in Oberammergau leben derzeit sechs schwangere Frauen. Seit November kamen neun Babys zur Welt. Insgesamt gibt es 13 Neugeborene sowie 11 Klein- und 5 Schulkinder – aber keine Fachärzte wie Gynäkologen im Dorf. Allein das ist für die Ehrenamtlichen, die die Frauen ständig in Praxen fahren, eine riesige Herausforderung. „Die freiwilligen Helfer sind damit schlicht überfordert“, erklärte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) die Lage im Gemeinderat.

Und dabei wird es nicht bleiben. Auf die Kommune kommen durch die besondere Situation „massive Probleme“ zu, wie Geschäftsführer Christian Ostler befürchtet. Denn: Die Säuglinge haben einen deutschen Pass. Und damit auch das Recht auf eine entsprechende Betreuung. Dabei gibt es für die beiden Krippen-Gruppen schon jetzt eine Warteliste. Maximal 15 Kinder umfasst eine Gruppe. „Dann ist Schicht“, sagte Ostler. Einerseits müsse die Kommune hoffen, dass nicht alle Flüchtlings-Kleinkinder in die Krippen gebracht werden. Andererseits: „Wo lernen sie schneller deutsch?“

Auch in der Schule sind Veränderungen sichtbar: Die Buben und Mädchen, die mit ihren Eltern Asyl in Deutschland gesucht haben, machen inzwischen 30 Prozent und mehr an der Grund- und Mittelschule aus. „In der achten Klassen haben 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund, “ sagt Ostler.

Die Tatsache, dass inzwischen immer mehr der Asylanträge abgearbeitet und bewilligt werden, bringt für die Kommunen weitere Probleme mit sich. Wer ein Bleiberecht hat, kann von den Unterkünften in „normale“ Wohnungen umziehen. Doch die sind auch in Oberammergau zum einen Mangelware, zum anderen reißen sich viele Besitzer nicht gerade um Flüchtlinge als Mieter. Im schlimmsten Fall stehen sie auf der Straße und dann wäre die Gemeinde nach dem Obdachlosengesetz für sie verantwortlich. Um diesen Fall zu vermeiden, hat die Politik einen Kompromiss mit der Regierung erreicht. Wie berichtet, können anerkannte Asylbewerber in den Einrichtungen bleiben. Als so genannte Fehlbeleger.

Was passiert, wenn spätestens im August die zweite Unterkunft in Oberammergau – jene im ehemaligen Hotel Friedenshöhe – schließt, ist unklar. Die Verantwortlichen in der Verwaltung sind schon jetzt „heilfroh“, dass die Flüchtlingsfrauen mit Bleiberecht und Baby samt deutschen Pass noch freiwillig noch in den Einrichtungen bleiben.

Mit einem Brief, der auch an die Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler) und Harald Kühn (CSU) ging, appelliert die Gemeinde nun an die Regierung, etwas zu ändern. Wie Ostler erklärt, hat er die Behörde schon einmal auf die vielen Kinder aufmerksam gemacht. Damals sei die Antwort unmissverständlich gewesen: „Nicht unser Problem.“

Kontakte knüpfen

Der Helferkreis organisiert für Dienstag, 11. April, eine „Jobbörse“ für Betriebe und Flüchtlinge. Das Kennenlernen beginnt um 17 Uhr in der Unterkunft an der Bahnhofstraße.

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