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Baustelle mit Kofelblick: In der Endphase befinden sich die Sanierungsarbeiten am Dach des Forsthauses.

300.000 Euro für das historische Haus

Bis 2060 wieder Ruh’: Sanierungen am Forsthaus

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Bei der Dachsanierung am Forsthaus Oberammergau kommen 50.000 Schindeln aus dem Zillertal zum Einsatz. Das Gesamtpaket kostet um die 300.000 Euro.

Oberammergau – Wohl dem, der reiche Eltern hat. Man kann sich dann was leisten. Zum Beispiel üppigen Wohnraum, natürlich mietfrei. Nicht nur eine Wohnung, vielmehr ein ganzes Haus. In dieser glücklichen Lage befand sich der „Kuratpfarrer“ Joseph Ignaz Daser anno 1763 in Oberammergau: Da bauten dem 39-Jährigen seine (wohlhabenden) Eltern das jetzige Forsthaus mit üppig bemalten Fassaden in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche St. Peter und Paul. 254 Jahre später steht das Gebäude noch immer, doch mittlerweile zwickt’s hier und zwackt’s dort. Will heißen: Der Zahn der Zeit nagt an dem dominanten Gebäude, Sanierungen stehen an.

Die Schindeln waren zum Teil schon verfault

Rund 300 000 Euro haben die Bayerische Staatsforsten mit Sitz in Regensburg jetzt in das historische Haus gesteckt, finanziert über Unternehmens-Erträge. Problemfaktor Nummer eins war das Dach, das 1981 mit Kiefer-Schindeln aus Chile (!) eingedeckt worden war. Dazu Eugen Huber, der für Immobilien zuständige Mitarbeiter beim Forstbetrieb Oberammergau: „Wir mussten die Schindeln austauschen, die zum Teil schon verfault waren.“ Zunächst wollte man das Dach wieder mit sogenannten „Biberschwänzen“ eindecken wie bei der Pfarrkirche, „doch das gab die Statik des Hauses nicht her“, so Huber. Daher entschlossen sich die Verantwortlichen, wieder Schindeln zu verwenden, aus Lärche, die dieses Mal aus dem Zillertal kommen. 50.000 Stück, bis zum 30. Juni dürfte das neue Dach fertig sein. Und dann wieder 40 Jahre, vielleicht noch länger halten.

Pellets statt Gas und besserer Brandschutz

Auch die Heizung im Gebäude musste ausgetauscht werden: Von Gas schwenkte man um auf Pellets – Kosten gut 25000 Euro. Für Eugen Huber „eine schlüssige Entscheidung“, schließlich sitzt im Forsthaus auch „das Zentrum für Energieholz“ mit rund acht Bediensteten, das bayernweit Biomasseheizkraftwerke und Biomassehöfe mit Hackschnitzeln und Energierundholz beliefert. Eine weitere notwendige Investition war die Erneuerung der Brandmeldeanlage; der Einbau von etlichen Brandschutztüren kommt in nächster Zeit hinzu. Dieser Posten schlägt mit zirka 60.000 Euro zu Buche.

Noch ungeklärt ist die Kostenhöhe für eine Fassadensanierung, die ebenfalls ansteht. Nach Angaben von Eugen Huber laufe gerade eine Voruntersuchung: „Erst wenn wir ein Ergebnis haben, können wir mehr über den Umfang und das Finanzielle sagen.“ Die Lüftlmalereien am Forsthaus stammen übrigens auf drei Seiten von dem bekannten Künstler Franz Seraph Zwink, der ja bekanntermaßen im Ammertal viele Häuser bemalt hat. Auf der Seite zur Kirche hin sind „die sieben Werke der Barmherzigkeit“ dargestellt – nämlich: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten.

Neue Fenster gab das Budget nicht mehr her

Wenn die Fassadensanierung in Angriff genommen wird, sollen in dem Zuge auch die Fenster ausgetauscht und erneuert werden. Noch einmal Mitarbeiter Huber: „Wir haben mal kurz überlegt, die Fenster jetzt mitzumachen, aber das hätte uns ein Vermögen gekostet. Das gab unser Budget heuer nicht mehr her.“ Alles Schritt für Schritt lautet die Devise – denn ein Forstbetrieb hat nun mal keine reichen Eltern . . .

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