Hier zieht die Verwaltung ein: Bislang sind in dem hinteren Bereich des Pilatushauses Wohnungen untergebracht. Der vordere Teil wird touristisch genutzt. fotos: hoffmann

Fraktionen fordern Ratsbegehren

Oberammergau - Noch steht das Oberammergauer Rathaus. Doch der Abriss des Gebäudes ist beschlossene Sache. Bis ein neuer endgültiger Standort gefunden ist, zieht der Verwaltungssitz in das Pilatushaus um. Und das nach Bürgermeister Arno Nunns Geschmack idealerweise in vier Wochen.

Ab sofort gibt es jeden Montag einen festen Termin im Oberammergauer Rathaus: ein Jour-Fix zum Umzug der Verwaltung. Damit die 14 Mitarbeiter von Hauptamt und Kämmerei im Pilatushaus untergebracht werden können, gilt es einiges vorzubereiten. Als erstes geht es um die Ausschreibungen für die Umbauarbeiten und die IT-Einrichtung. „Dann müssen wir einen realistischen Umzugstermin festlegen“, erklärte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) gestern auf Anfrage. Ideal wäre für ihn die Zeit Mitte Oktober. Maximal drei Jahre soll Nunn zufolge das Provisorium dauern. Bis Ende 2017 müsse eine Alternative gefunden werden. Geht es nach der Mehrheit der Gemeinderäte, reden die Bürger dabei ein großes Wort mit.

Wollen sie nach dem jetzt beschlossenen Abriss des einsturzgefährdeten Rathauses einen Neubau für vier bis fünf Millionen Euro? Oder würde sich die Mehrheit für den etwa halb so teuren Umzug ins Ammergauer Haus entscheide? „Wir sollten das im Vorgriff abfragen“, sagte Ludwig Utschneider im Namen der Freien-Wähler-Fraktion. Um Planungssicherheit zu haben, forderte er ein Ratsbegehren. Genauso sehen es die CSU-Fraktion, die Frauenliste, die BIO-Vertreter und Markus Zunterer von den Engagierten Bürgern. Also die Mehrheit. Nunn müsste diese bei einer Abstimmung akzeptieren. Er ist aber nach wie vor der Meinung, dass die Gemeinderäte in der Verantwortung stehen.

So oder so: Es soll einen Infoabend geben, nachdem nochmal alle möglichen Rathaus-Standorte in baulicher und finanzieller Hinsicht überprüft worden sind. Das hatte die CSU-Fraktion beantragt und den Zeitrahmen bis Februar 2015 gesetzt. Sie war es auch, von der deutliche Worte kamen. Simon Fischer appellierte, endlich eine Lösung zu finden. Er kritisierte mit Blick auf das Ammergauer Haus, „dass eine sture Mehrheit an etwas festhält, was der Bürger vor drei Jahren abgelehnt hat“.

CSU-Kollege Markus Köpf nahm sich den Bürgermeister und die Verwaltung vor. Was sie sich in punkto Rathaus geleistet hätten, sei „schlicht und ergreifend nur Murks“. Es könne nicht sein, dass es ein halbes Jahr dauert, bis das Ergebnis eines Gutachtens vorliege. „Ich bin empört, wie man mit solchen Nachrichten umgeht“, polterte auch Florian Schwarzfischer (BIO) in Richtung Nunn. Sein Vorwurf, dass es sich jetzt um Aktionismus handeln würde, brachte ihm aber die Rüge gleich mehrerer Gremiumsmitglieder ein. Am Ende waren es die BIO-Mitglieder, die mit Zunterer gegen Abriss und Umzug gestimmt hatten. Sie hätten es lieber gesehen, wenn das alte Rathaus noch für wenige weitere Jahre ertüchtigt worden wäre. Doch die Mehrheit sah dies mit 16:4-Stimmen anders. Jetzt wartet viel Arbeit auf die Verwaltung um den Bürgermeister. Als erstes wird es für Museumschefin Dr. Constanze Werner ernst, deren Büro im Pilatushaus untergebracht ist. Wie Nunn gestern erklärte, wird sie schon in der nächsten Woche ins Ammergauer Haus umziehen und Platz freimachen.

Nadja Hoffmann

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