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Das gerissene Hirschkalb vom Hörnle – es musste schließlich von seinem Leid erlöst werden.

Katastrophenfall für heimische Wildtiere

Hunde reißen Rehe: Wird jetzt ein Betretungsverbot erlassen?

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Hoch schlagen die Wellen in Zusammenhang mit Vorfällen am Hörnle und an der Romanshöhe, wo frei laufende Hunde drei Rehe und zwei Hirschkälber gerissen haben. Wird nun halbjährlich ein Wildschutzgebiet eingerichtet?

Oberammergau – „Ich weiß nicht, was ich da sagen soll. Ignoranz pur“, „Wann kapieren die Hundehalter endlich, dass sie sich an die Leinenpflicht halten müssen“, „Unendliches Leid für die Wildtiere“ – so und ähnlich lauten die Kommentare auf Facebook zu den Vorfällen am Hörnle sowie am Altherrenweg in Oberammergau, wo kürzlich drei Rehe und zwei Hirschkälber von frei laufenden Hunden gerissen wurden. Am Hörnle war es wohl ein Skitourengeher, dessen Hund ein Hirschkalb bis zur totalen Erschöpfung gehetzt hat – es musste schließlich von einem Jäger von seinem Leid erlöst werden –, am Altherrenweg dürften Hunde von Spaziergängern die Rehe gerissen haben. Darauf lässt auch die Wahrnehmung des Berufsjägers Dominik Rödel schließen, der eine Person über längere Zeit nach seinem Hund schreien hörte.

Keine Frage, die Fälle erregen die Gemüter und tragen mit dazu bei, dass die Stimmung am Hörnle, wo es ohnehin immer wieder zu Kontroversen zwischen Freizeitsportlern und Grundeignern sowie Jägern kommt, zusätzlich angeheizt wird. Die Vorfälle am Altherrenweg nimmt nun die Privatwaldgemeinschaft (PWG) Oberammergau zum Anlass, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Man hat beim Landratsamt beantragt, hier ein Wildschutzgebiet einzurichten. Auf einer Fläche von rund 50 Hektar oberhalb des beliebten Wanderwegs würde dann in der Zeit von 15. November bis 15. April ein generelles Betretungsverbot bestehen. Derzeit prüft die Behörde dieses Gesuch. Weiter will die PWG bei der Gemeinde vorstellig werden, um für den angegebenen Zeitraum für den Altherrenweg vom Wellenberg bis zur Gemarkungsgrenze Unterammergau einen Leinenzwang für Hunde zu erreichen, den es bislang im Ort nicht gibt.

PWG-Geschäftsführer Anton Burkhart begründet den Vorstoß: „Bei dem vielen Schnee derzeit braucht das Wild dringend seine Ruhe. Es ist stark geschwächt und hat keine Chance, einem wohlgenährten Hund zu entkommen.“ Nach Beobachtungen von Burkhart und Berufsjäger Dominik Rödel würden viele Spaziergänger mit Hunden am Altherrenweg ihre Vierbeiner frei laufen lassen. Man habe auch schon Hunde alleine rumlaufen gesehen. Das Problematische hier sei laut Burkhart, dass sich unweit oberhalb eine Rotwild-Fütterung befindet, die derzeit noch sehr gut funktioniere und vom Wild auch angenommen werde. „Wenn da mal Hunde reinkommen und das Wild verscheuchen, haben wir ein großes Problem“, betont der Forstwirt. Er und sein Berufsjäger seien keine Hundehasser, beteuert Anton Burkhart, im Gegenteil: „Wir haben selber welche und halten uns auch an die Spielregeln und leinen sie an.“ Es gehe nur darum, versichert der 48-jährige Förster, dass jeder ein bißchen von der eigenen Freiheit hergibt und diese den Wildtieren schenkt.

Die Verantwortlichen appellieren eindringlich, auf den Wegen zu bleiben: „Dann ist es auch kein Problem, wenn man den Hund angeleint dabei hat.“ Selbst an schönen Wochenenden, wenn auf dem Weg wahre Karawanen von Leuten unterwegs seien. Wie auch am Kolben, wo Skitourengeher in wahren Heerscharen aufmarschieren. „Mittlerweile“, so hat Burkhart beobachtet, „haben wir da drüben einen 24-Stunden-Betrieb von Menschen, die selbst mitten in der Nacht da raufgehen . . .“

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