Ludwig Utschneider beklagt, dass Informationen manchmal spärlich fließen.

Bürgermeister hatte mit Gemeinderat abgerechnet

Utschneiders Konter: „Austausch mit Nunn kaum möglich“

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Dass eine Reaktion auf Nunns harte Worte kommt, war zu erwarten: Die Freien Wähler weisen  die Kritik des Bürgermeisters zurück. Die Fraktion „Mit Augenmaß“ führt dagegen ein persönliches Gespräch.

Oberammergau – Seinem (angestauten) Frust mal so richtig Luft gemacht hat Oberammergaus Bürgermeister Arno Nunn in der Gemeinderatssitzung Mitte Januar. In einer fünfseitigen Abrechnung mit den Mitgliedern des Kommunalparlaments warf der 57-Jährige Teilen des Plenums unter anderem vor, „sich auf der politischen Bühne zu präsentieren, um für die Interessen einzelner Bürger zu kämpfen“. Entscheidungen dürften nur auf einer Basis gefällt werden – „zum Wohle der Gemeinde“.

Dass derlei verbale Angriffe nicht ohne Reaktion bleiben würde, war fast zu erwarten. So meldete sich in der jüngsten Ratssitzung Ludwig Utschneider, Fraktionsführer der Freien Wähler, zu Wort, „um darauf zu reagieren, was Du (Nunn) uns um die Ohren gehauen hast“. Die anderen Gruppierungen verzichteten auf eine Stellungnahme. Auf Nachfrage erklärte Anton Preisinger von der Fraktion „Mit Augenmaß“, dass sich seine Gruppierung von Nunns Worten eigentlich nicht angesprochen gefühlt habe: „Ein wenig haben wir uns aber schon geärgert, dass der Bürgermeister in seinem Statement nicht Ross und Reiter genannt hat. Die Angelegenheit in der Öffentlichkeit breit zu treten, ist nicht unser Stil. Wir hatten ein persönliches Gespräch mit Arno Nunn und haben ihm unsere Meinung da nahegebracht.“

Ludwig Utschneider leitete seine Stellungnahme im Gemeinderat mit der Feststellung ein, dass die Aussage des Bürgermeisters, die Freie-Wähler-Fraktion würde nur Partikularinteressen einzelner Bürger vertreten, jeglicher sachlichen Grundlage entbehre: „Wir sehen es kritisch, wenn wichtige Beratungen und Entscheidungsprozesse vom Bürgermeister an andere Stellen verlagert werden und der Gemeinderat dann nur noch kurz vor knapp pro forma eingebunden wird.“ Als Beispiel nannte Utschneider das Passionsplakat für 2020.

Die Gruppierung der „Gelben“, die gemäß Ludwig Utschneider künftig öffentlich nicht mehr so genannt werden wollen, sei nach den Worten ihres Sprechers der festen Überzeugung, dass auch der Eigenbetrieb Oberammergau Kultur seinen Beitrag zur finanziellen Konsolidierung der Gemeinde leisten müsse und Einsparungen dort als „sinnvolles Ziel“ zu verfolgen seien. Utschneider kritisierte Nunn dahingehend, dass notwendige Informationen für Sachentscheidungen über Passions-Themen „nicht oder nur unzureichend“ vorliegen würden. In den Fraktionsführersitzungen fehle es mitunter ebenfalls an wesentlichen Informationen.

Schleppend, wie aus der Darstellung der Freien Wähler zu entnehmen war, ist nach deren Ansicht offenbar auch der Informationsfluss zwischen der Fraktion und Arno Nunn: „Ein Austausch wie mit anderen Fraktionen im Gemeinderat ist bedauerlicherweise mit dem Bürgermeister kaum möglich. In den zurückliegenden Jahren war es ein einziges Mal der Fall, dass Bürgermeister Nunn das Gespräch gesucht hat.“ Auch gestalte es sich schwierig, mit ihm einen Kompromis zu finden, sagt Utschneider. Private Belange, wie etwa sein Haus-Bau in Leipzig, habe man seitens der Freien Wähler in der Vergangenheit nicht kommentiert und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Die FW-Fraktion erhofft sich vom Gemeindeoberhaupt, „dass er künftig seiner Verantwortung als Sitzungsleiter stärker gerecht wird und die Themen besser vorbereitet werden“. Dazu zähle auch, dass künftig wichtige Beschlüsse nicht mehr nach 22 Uhr zur Abstimmung gestellt würden.

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