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Der berühmte Apfelschuss ist geglückt: Der grausame Reichsvogt (Andreas Richter, r.) kann nicht glauben, was Wilhelm Tell (Rochus Rückel, 2. v. l.), hier mit (v. l.) Werner Stauffacher (Frederik Mayet), Walther Fürst (Anton Preisinger) und seinem Sohn Walther (Johannes Maderspacher), gelungen ist.

Bühne frei für den Schweizer Nationalhelden

Freiheitskämpfer wider Willen: „Wilhelm Tell“ feiert Premiere

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Es ist ein großes Werk, eins das an Aktualität nicht verloren hat: Christian Stückl inszeniert in Oberammergau Friedrich Schillers Drama „Wilhelm Tell“.

Oberammergau – „Freiheit“ – laut schallt der Ruf durchs Oberammergauer Passionstheater. Nach Freiheit dürstet es die leidgeplagten Schweizer, die gerade Werner Stauffacher (Frederik Mayet), Walther Fürst (Anton Preisinger) und Arnold vom Melchtal (Cengiz Görür) zu ihren Anführern bestimmt haben. Sie wollen sich vom Joch der Habsburger Unterdrücker befreien und vor allem den grausamen Reichsvogt Hermann Gessler (Andreas Richter) loswerden. Das schwören sie – am Rütli. Nur einer fehlt in ihren Reihen: Wilhelm Tell (Rochus Rückel). Politik interessiert ihn nicht. Weltabgewandt lebt er mit seiner Frau (Sophie Schuster) und seinen Kindern am Berg. Und macht nur, was er vor seinem Gewissen vertreten kann. Dadurch wird er aber – ungewollt – zum Symbol der Freiheitskämpfer. „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt, vertrau’ auf Gott und rette den Bedrängten“, sagt er und bringt einen von Gessler Verfolgten in Sicherheit. Durch den Apfel, den er vom Kopf seines Sohnes Walther (Johannes Maderspacher) schießt, wird Tell endgültig zur Legende.

Friedrich Schillers Drama um den Schweizer Nationalhelden hat Christian Stückl für den Theatersommer in Oberammergau – Premiere am heutigen Freitag um 20 Uhr – kräftig entstaubt. Schließlich will er neue Generationen mit dessen politischen Brisanz begeistern. „Der Mythos wurde seit seiner Entstehung von unterschiedlichen Parteien in Anspruch genommen und von rechts wie links propagandistisch instrumentalisiert“, sagt Mayet, Geschäftsführer der Passionstheater GmbH. „Apfelschuss, Rütli-Schwur und das Pathos vom Freiheitskampf täuschen leicht über die Frage nach einem Recht auf Tyrannenmord hinweg.“ Ein Recht, das stark von der Perspektive abhängt, das Terrorismus wie Freiheitskampf bedeuten, Heldentaten auszeichnen oder Attentate befördern kann – und dadurch ist das Thema heute so aktuell wie zu Tells Zeiten um 1307. 

Karten für „Wilhelm Tell“

gibt’s unter www.passionstheater.de und bei München-Ticket.

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