Die Grund- und Mittelschule in Oberammergau.
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In der Diskussion: Die Parteilose Wählergruppe fordert ein Lüftungskonzept für die Grund- und Mittelschule.

Pläne für die Grund- und Mittelschule

Gelbe Lüftungsoffensive im Gemeinderat Oberammergau verpufft

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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In der Oberammergauer Grund- und Mittelschule wird es vorerst keine Luftreiniger geben. Sehr zum Verdruss der Parteilosen Wählergemeinschaft (PWG).

Oberammergau – Wenigstens ein Wunsch eint Eltern und Politiker dieser Tage: Schüler und Schülerinnen zurück in die Schule. So schnell und so sicher wie möglich. Doch schon beim Punkt Sicherheit verläuft die Trennlinie, wie der Oberammergauer Gemeinderat zeigt. Einig war man bei der These, die alle Fraktionen ansprachen, am schönsten Karl-Heinz Götz von der Parteilosen Wählergemeinschaft (PWG):„Die Gesundheit der Kinder geht mir ans Herz.“ Bei der Frage, wie der Nachwuchs zu schützen ist, drifteten die Meinungen auseinander.

Die Gelben regten in ihrem Antrag ein neues Lüftungskonzept für Schulen und Kitas an, das Luftreiniger für die Klassenräume berücksichtigt. Der später verfeinerte Vorschlag – Geräte für die 15 Klassenzimmer der Grund- und Mittelschule – fiel jedoch mit knapper Mehrheit (11:9 Stimmen) im Gremium durch.

Macht das Sinn?

Markus Köpf von der CSU

Spart Oberammergau bei der Gesundheit der Kleinsten, wie das Karl Heinz Götz sagt? Nun, so plakativ die Frage, so komplex die Materie. Ob die (doch recht teuren) Spezialgeräte wirklich großen Effekt haben und die Viruslast entscheidend reduzieren, ist noch nicht geklärt. Die Freien sprachen von mehreren Studien. Markus Köpf, passenderweise Schulamtsdirektor, hielt die Einschätzung des Bundesumweltamts dagegen, die keinen evidenzbasierten Nutzen erforscht hat. Die Anlagen seien „weder staatlich vorgegeben, noch ihre Wirksamkeit nachgewiesen“, betont der CSU-Mann. Er setze sich für sämtlichen Hygieneschutz an den Schulen ein, fragte sich aber: „Macht das Sinn?“ Gerade im Angesicht der Kosten. Pro Gerät fallen grob überschlagen 3500 Euro an. Macht bei – zunächst kalkulierten – 29 Räumen (15 Klassenzimmer und 14 Fachräume) um die 100 000 Euro.

Der Freistaat verspricht zwar Fördermittel. Aber wie hoch die ausfallen, hängt vom allgemeinen Interesse der bayerischen Kommunen ab. Je mehr sich melden, desto weniger erhalten alle. Weitere 3000 Euro Wartungskosten würden künftig pro Jahr anfallen, für den Austausch der Filter.

Zudem dürften die Anlagen (bei 60 Tagen Lieferfrist) erst im Mai die örtliche Schule erreichen, was für Michael Fux von den Gelben als Argument nicht zählte. Die Lüftungsanlagen hielt er mit Blick auf Herbst und Winter 2021/22 für „absolut zielführende Maßnahmen“. Nach einigen Minuten Beratungspause nivellierten die Freien ihren Antrag, konzentrieren sich fürs Erste auf Anlagen für die 15 Klassenzimmer (um die 50 000 Euro ohne Förderungen). Doch auch damit erreichten sie nicht das Gros.

Hauptargument der Gegenseite blieb die Nutzen-Frage. Denn das Lüften im Klassenzimmer kompensieren die Maschinen nicht. Die Verbraucherzentrale hat dazu bereits im November 2020 breit informiert. Tenor: Luftreiniger ersetzen weder das Lüften noch Maßnahmen wie Abstand und Maske. Sie können Übertragungen im Nahbereich (1,5 Meter) nicht verhindern, allerdings virushaltige Aerosole aus der Luft filtern.

Einen weiteren Einwand gegen einen Schnellschuss in nur 15 Räumen brachte Simon Fischer von der CSU vor. „Es widerspricht sich doch, die Anlagen in weniger Räumen aufzustellen und die Kindertagesstätten außen vor zu lassen.“ Für Kita und Kindergarten fördert der Freistaat die Luftreiniger nicht. Verstehen konnte das dann wirklich niemand.

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