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Ein einzigartiger Panoramablick auf Oberammergau, die Berge und das Pulvermoos erschließt sich dem Gast von der Romanshöhe aus. Wird diese Idylle bald empfindlich gestört? Fotos: hutter/fkn

Gemeinderäte entsetzt: 40-Meter-Funkmasten an der Romanshöhe?

Oberammergau - Dieses Projekt dürfte die Gemüter in Oberammergau erhitzen: Im Wiesmahd oberhalb der Berggaststätte Romanshöhe ist eine riesige Basis-Sendestation geplant.

Der Punkt auf der Tagesordnung las sich ziemlich unspektakulär: „Digitalfunks für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS): Information über die Planungen auf dem Gebiet der Gemeinde Oberammergau“. Was sich dahinter verbirgt, ließen die zwei Vertreter der Firma telent, die im Auftrag des Freistaats Standorte sucht, erst im Verlauf ihrer Vorstellung im Oberammergauer Gemeinderat am Mittwoch aus dem Sack: Im Zuge der Erhebungen ist geplant, in einem Waldstück direkt oberhalb der Berggaststätte an der Romanshöhe einen Digitalfunkmasten von 40 Metern Höhe zu errichten. Das Vorhaben stieß bei den Gemeinderäten auf breite Ablehnung. Stellvertretend meinte Michael Fux (CSU): „An diesem wunderschönen Aussichtspunkt, das wäre der absolute Wahnsinn!“

Zum Hintergrund: Vor gut drei Jahren hat Bayern mit der Einführung des Digitalfunks für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS-Digitalfunk) begonnen. Das bisherige Analog-Funknetz von Polizei, Rotem Kreuz, Feuerwehr, Bergwacht und anderen Rettungsdiensten ist technisch veraltet, störanfällig und nicht mehr ausreichend leistungsfähig - deshalb die Umrüstung auf Digitalfunk. In Bayern sind insgesamt 946 Funkmasten mit einer dauerhaften Sendeleistung von jeweils 20 Watt vorgesehen.

Auf Oberammergauer Flur wären es deren zwei - auf dem Laber und eben auf der Romanshöhe. Andreas Korte von der Firma telent untersuchte weitere diverse Standorte, und kam zu dem Urteil: „Die Romanshöhe ist funktechnisch der beste Platz, eine adäquate Alternative sehe ich im Moment nicht.“ Der mögliche Standort ist im übrigen bereits festgelegt und eingemessen, und mit dem privaten Grundbesitzer sei, so Korte, eine „vorvertragliche Nutzungsvereinbarung“ abgeschlossen.

Die Reaktion der Gemeinderäte zielte in eine klare Richtung: „Im Wiesmahd, auf unserer Sonnenseite? Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage“ (Heino Buchwieser), „Das ist der hässlichste Standort“ (Christian Stückl), „Der Eigentümer kann doch theoretisch das Wäldchen abholzen, und dann steht der Funkmasten plötzlich ganz frei da“ (Wolfgang Proksch). Ludwig Utschneider fragte an, ob denn die Station am Laber nicht ausreiche und wo in den Nachbargemeinden weitere solcher Tetra-Funkmasten geplant seien. Darauf erhielt er keine Antworten - Begründung: Aus sicherheitsrechtlichen Gründen, auch die Bundeswehr ist hier mit eingebunden, möchte man nicht publik machen, wo es Versorgungslücken gibt.

Zum Abschluss der Diskussion bat Bürgermeister Arno Nunn die Betreiber um mehr Hintergrundinformationen für den Gemeinderat sowie um eine Vorstellung mittels bildlicher Präsentation. Außerdem möge die Firma telent nochmal nach Alternativ-Standorten, die eine sinnvolle Abdeckung bieten, Ausschau halten. Wenn sich indes die Standortsuche endgültig auf die Romanshöhe fokussiert, hat die Gemeinde keinerlei Handlungsspielraum, geschweige denn ein Veto-Recht, weil das Projekt außerhalb des klassischen Baurechts verwirklicht wird. Verweigert die Kommune ihre Zustimmung, kann die Regierung Grünes Licht geben. Arno Nunn hat keine Illusionen: „Wenn sie wollen, werden sie die Anlage auch bauen. Darüber müssen wir uns im Klaren sein.“ Viel deutet darauf hin. Telent-Mitarbeiter Korte: „Wir haben keinen Plan B in der Schublade.“

Ludwig Hutter

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