Mittelschule Oberammergau
+
Viel Geld wurde in die Mittelschule Oberammergau und somit in den Standort investiert.

Langfristige Perspektive noch unklar

Gerade noch gerettet: Mittelschule Oberammergau behält siebte Klasse - trotz rückläufiger Zahlen

  • VonAlexander Kraus
    schließen

Die Gefahr ist gebannt. Fürs Erste zumindest. Die siebte Jahrgangsstufe bleibt der Mittelschule in Oberammergau erhalten.

Oberammergau – Die Erleichterung ist groß bei allen Beteiligten: An der Mittelschule Oberammergau wird es im kommenden Schuljahr eine siebte Klasse geben. Die frohe Botschaft hat der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) gestern in einer Pressemitteilung verkündet. „In einem ersten Schritt ist das Fortführen der siebten Jahrgangsstufe für das nächste Schuljahr gesichert“, gab der Fraktionsvorsitzende bekannt. Bürgermeister Andreas Rödl (CSU), der die Nachricht vom Tagblatt erfuhr, freute sich enorm. „Das ist ja fast wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag.“

Im Mai hatte das Bayerische Kulturministerium mitgeteilt, dass es aufgrund rückläufiger Schülerzahlen nicht mehr möglich sei, die siebte Jahrgangsstufe fortzuführen. Daraufhin setzte sich eine Welle der Unterstützung in Bewegung, um die Klasse an der Mittelschule im Schuljahr 2021/2022 zu retten. Streibl machte gegenüber Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) deutlich, dass das Herausbrechen einzelner Jahrgangsstufen eine Gefährdung für den dauerhaften Erhalt von Mittelschulstandorten bedeute. Gerade Bildungseinrichtungen im ländlichen Bereich müssten anders behandelt werden, um in der Fläche ein wohnortnahes Angebot bieten zu können. „Es waren einige Gespräch nötig, aber sie waren am Ende erfolgreich“, bilanziert Streibl.

Die Schüler hätten nach Bad Kohlgrub wechseln müssen

Auch Rödl sowie seine Ammertaler Amtskollegen Robert Stumpfecker (Unterammergau) und Vanessa Voit (Ettal) wandten sich an den Kultusminister. Neben diesem Mittelschul-Verbund unterschrieb auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler) den Brief an Piazolo. Letztlich zeigten die Bemühung Wirkung. „Wir haben auf allen Ebenen gut zusammengearbeitet“, betont Rödl. Für den Rathauschef ist der Erhalt der siebten Klasse ein Zeichen für die Sicherung des Schulstandorts Oberammergau. Wäre diese Jahrgangsstufe weggefallen, „hätten die Schüler nach Bad Kohlgrub wechseln müssen“, sagt der Bürgermeister. Und Oberammergau, größter Ort im Ammertal, wäre leer ausgegangen. „Darum bin ich so froh, dass die Schüler am Standort bleiben, sie haben dann kürzere Wege.“

Zwar besuchen im kommenden Schuljahr voraussichtlich nur zehn Mädchen und Buben die siebte Klasse an der Einrichtung. Zumindest ist das der aktuelle Stand. Doch Rödl kann sich vorstellen, dass aus der NATO-Schule noch einige Jugendliche dazustoßen. Überhaupt seien kleine Klassen wertvoller, um Defizite aufzuarbeiten, die gerade im ablaufenden Corona-Schuljahr aufgetreten sind, meint der Rathauschef. „Und die Eltern werden nach den vielen Monaten Distanzunterricht ebenfalls entlastet.“ Ein weiterer Vorteil: Die Schüler bleiben in ihrem sozialen Umfeld.

Neue Strukturen für Schulstandorte

Die Gemeinde hatte in der Vergangenheit viel Geld für den Schulstandort in die Hand genommen. „Wenn am Ende diese Investitionen umsonst gewesen wären, weil er in Frage gestellt würde, wäre es äußerst bedauerlich“, hebt Streibl hervor. Die Rettung kam gerade noch rechtzeitig. „Durch den Fortbestand der siebten Klasse haben wir als Sachaufwandsträger jetzt die Planungssicherheit“, erklärt Rödl. Zumindest für die nahe Zukunft. Was die langfristige Perspektive für die Bildungseinrichtung anbelangt, müssen noch weitere Gespräche geführt werden, stellt Streibl klar. Schulleiterin Maria Hochenleitner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, Konrektorin Christl Burger-Proksch ließ ausrichten, dass sie zur Angelegenheit keine Auskunft erteile.

Für den Landtagsabgeordneten steht indes außer Frage, dass die Strukturen zu verändern sind. Und zwar nicht nur in Oberammergau. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mittel- und langfristig für den ländlichen Raum andere Regelungen für Schulstandorte benötigen“, verdeutlicht der Oberammergauer. Streibl wünscht sich einen flächendeckenden Erhalt der Mittelschulen und keine Konzentration auf wenige Standorte in den einzelnen Landkreisen.

Die Gemeinde Mittenwald kämpft mit dem gleichen Problem. Nur geht‘s dort um die achte Klasse.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare