Bürgermeister blickt fast neidisch zu den Nachbarn

Oberammergau hat zu wenig Platz fürs Gewerbe: Jetzt gibt es Denkanstöße, um Flächen zu entwickeln

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Wo gibt es noch freie Flächen für neue Gewerbegebiete in Oberammergau? Das Ringen um eine Antwort ist in den vergangenen Jahren – gelinde gesagt – eingeschlafen. Nun bringen die Fraktionen CSU, Augenmaß und BIO das Thema wieder auf die Agenda.

In Unterammergaus Gewerbegebiet konnten sich Betriebe ansiedeln - wie diese Luftaufnahme von 2016 zeigt. Das fehlt Oberammergau.

Firmen wandern ab, weil sie sich nicht vergrößern können. Andere Betriebe bekommen erst gar keinen Platz. Vor diesem Problem steht Oberammergau. Jetzt soll die Gemeinde auf Lösungssuche gehen.

Oberammergau – Es ist April 2016. Unter „Sonstiges“ ploppt im Oberammergauer Bauausschuss plötzlich ein völlig unerwartetes Thema auf. Wie sieht es mit der Erweiterung von Gewerbeflächen aus? Das will zumindest BIO-Vertreter Florian Schwarzfischer wissen. Er kritisiert, dass es für Betriebe im Ort wenig Handlungsspielraum gibt. „Seit vielen Jahren wird auf Unterammergau abgewandert.“ Das könne nicht im Sinne der Kommune sein. Das Fazit nach einer langen Diskussion: Flächen gibt es eigentlich nirgends.

Das ist bald fünf Jahre her und eine der letzten „echten“ Debatten rund um eine Vergrößerung der gewerblich genutzten Flächen im Passionsdorf gewesen. Die Situation ist heute wie damals die gleiche. Für neue Firmen gibt es keinen Platz. Sie wandern ab ins Nachbardorf oder noch weiter weg. Die überschaubare, aber wichtige Industrie im Ort kann hingegen nicht expandieren. Oberammergau als Wirtschaftsstandort bewegt sich noch immer im Kreis.

Entwicklungsmöglichkeiten schaffen

Das wollen Simon Fischer und seine Mitstreiter ändern. Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Oberammergauer Gemeinderat hat mit seinen und den Mitgliedern von Augenmaß und BIO einen fraktionsübergreifenden Antrag ausgearbeitet und im Rathaus eingereicht. Sie möchten Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbeflächen schaffen. Dafür soll zunächst der Bedarf der Bestandsbetriebe im Ort abgefragt werden. Was brauchen die Unternehmer an neuen Flächen? Wer will erweitern? Und um wie viel? Was haben die Firmen vor? Wie kann man sie dabei unterstützen? Wenn all diese Fragen geklärt sind, soll es ans Eingemachte gehen. „Wir haben bereits potenzielle Flächen ausgemacht, wo Gewerbe entstehen könnte“, bestätigt Fischer. Ins Auge gefasst haben die Fraktionsvorsitzenden Flächen am Erlbachweg, Rainenbichl, Festplatz und an der Ettaler Straße. Es soll geprüft werden, welche genehmigungs- und baurechtlichen Schritte nötig sind, um sie für Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Und natürlich, was das alles kostet.

Mit den Ergebnissen kann sich der Gemeinderat dann „intensiv mit der Thematik auseinandersetzen“, sagt Fischer. Im besten Falle führt der Antrag zu einer Ausweisung von Flächen und der Ansiedlung von Gewerbetreibenden im Ort. „Zumindest soll er ein Anstoß sein, eine Diskussionsgrundlage.“ Ziel ist, Oberammergau durch „entschlossenes Handeln und starke kommunalpolitische Impulse“ zu stärken, sagt Fischer. Und die Wirtschaft in der Kommune zügig weiterzuentwickeln.

Tourismus alleine reicht nicht

Für den Fraktionssprecher ist völlig klar, dass Oberammergau kein großer Industriestandort mehr wird. Doch zeige die aktuelle Krise, „wie schnell die Gemeinde in wirtschaftliche Schieflage kommen kann“. Schmerzhaft muss sie derzeit auf Erträge aus den Passionsspielen 2020 und den gesunkenen Gewerbesteuereinnahmen verzichten. „Der Tourismus als prägendes Standbein allein wird in Zukunft nicht ausreichen, um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können.“ Und eines ist Fischer schon jetzt klar: Die Coronakrise und deren Auswirkungen werden die Gemeinde noch lange fordern. „Wir wollen aber den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern den Boden bereiten für die Zukunftsfähigkeit unserer Heimatgemeinde.“

Bei Bürgermeister und Parteifreund Andreas Rödl rennt Fischer damit offene Türen ein. Auch er kennt die Problematik. Oberammergau ist einfach aufgrund seiner Topografie eingeschränkt. „Zudem gibt es viele Schutzgebiete.“ Da blickt er schon hin und wieder neidisch auf den Nachbarort Unterammergau. „Trotzdem müssen wir unser Gewerbe weiterentwickeln.“

Rubriklistenbild: © bartl

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