Masse in Ekstase: Einmal mehr verwandelt sich das Passionstheater in eine bebende Musikarena. Fotos: Dominik Bartl

Riederinger Musikanten fliegen die Sympathien zu

Heimatsound ist Kult, Heimatsound ist Party - aber nicht immer Sound auf Top-Niveau

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Jetzt ist es offiziell: Heimatsound ist Kult. Das hat spätestens die fünfte Festival-Auflage in Oberammergau gezeigt. 14 Bands, rund 8000 Zuschauer an beiden Tagen, gute Musik, schönes Wetter, Party, trinken, schlafen. Einfach Kult. Wenn auch nicht jeder Auftritt überzeugt. 

Plattler auf der Passionsbühne: Die Jungen Riederinger Musikanten begeistern.

Oberammergau – Die sieben Jungs von Django S. geben alles, fast eineinhalb Stunden die volle Dröhnung. Mit nacktem Oberkörper, schweißgebadet, aber mit einem Strahlen präsentieren sie sich dem Publikum zum Schlussapplaus. Das fordert energisch: „Oana geht no, oana geht no leicht.“ Doch die Vorgabe ist knallhart. Überziehen? Keine Chance! Die Nächsten, bitte! Draußen derweil, gleich hinterm Theater, herrscht im Lager der „Scheffara“ relaxte Stimmung: Büchsenbier ploppt, Melonen-Schnitten machen die Runde. Robert Wittig, der mit seinem kleinen Sohn hierher mitgenommen hat, spricht es aus: „Das hier in Oberammergau ist ein richtiges nettes und schönes Familienfestival.“ Knappe 20 sind sie, einige fahren über Nacht heim, die anderen campen. Kein Jahr haben sie das Open Air versäumt.

„Lasset uns das Leben genießen“

Ja, Heimatsound ist Kult. Kult geworden. Zum fünften Mal. 14 Bands, rund 8000 Zuschauer an beiden Tagen, gute Musik, schönes Wetter, Party, trinken, schlafen. Am besten drückt es der Titel des Lieblingslieds der Jungen Riederinger Musikanten aus: „Lasset uns das Leben genießen.“ Ja, den 14 Chiemgauern fliegen die Sympathien der Zuhörer nur so zu. Altbayerische und böhmische Blasmusik bei einem Festival? Geht doch! Und wie. Bei „Oh, du wunderschönes Gamsgebirg’“ oder beim Brautwalzer wird mitgeklatscht, geschunkelt, getanzt. Wahnsinn. Oberammergau halt.

Das Heimatsound-Festival 2017 in Bildern

Das Heimatsound startet am Freitag mit Liann, Sieger des Bandwettbewerbs 2017, und Gudrun Mittermeier, stimmlich leicht lädiert. Leben in die Bude bringen Django S. und Jamaram. Der Funke springt schnell über, das Festival nimmt Fahrt auf. „Am Dach der Welt wacht der Himmel auf“ – wunderschöne Lieder, mit viel, viel Gefühl, Hannes Ringlstetter ist in seinem Element. Und danach ziemlich fertig: „So ein Live-Auftritt kostet eine Menge Kraft.“ 

Spider Murphy Gang: Rentner-Rocker retten den Abend

GmbH „am Boden“: Die beiden Geschäftsfü hrer Walter Rutz (l.) und Frederik Mayet (2.v.l.) finden mit einigen fleißigen Helfern aus dem Team Zeit zum Durchschnaufen.

Groß angekündigt danach: Claudia Koreck. Doch deren Performance gerät zur einzigen Enttäuschung: falsche Lieder, grenzwertiges Outfit, blutleere Darbietung. Zum Vergessen. Retten müssen den Abend die Rentner-Rocker von der Spider Murphy Gang. Bei „Pfiad di Gott Elisabeth“, „Radio, Radio“ und „Skandal im Sperrbezirk“ bebt das Theater. Der Samstag. Nach dem Riederinger-Intro treiben Pam Pam Ida (mit Klassik-Begleitung) und vor allem Granada aus Wien („Scheiß Berlin“) die Stimmung auf den Siedepunkt. Dort sorgt die gebürtige Münchnerin Nina Sonnenberg mit FIVA X JRBB für großes Kino: Rap, Hip-Hop, in Ton gesetzt durch eine 20-köpfige Bigband – das hat was. Dazu Texte mit viel Tiefgang, nicht nur bei „Keine Angst vor Legenden“. 

Leider geht danach die Kurve wieder abwärts: Voodoo Jürgens kann die Erwartungen nicht erfüllen, ebenso wenig wie – leider auch – Hans Söllner. Auf seinen Negativ- und „Alles-ist-schlecht“-Trip fahren viele nicht mehr ab. Ein Festival soll nicht vermiesen. Und leider singt der Rebell von seinen guten alten Liedern nur „Mei Voda hod an Marihuanabam“. Mit „Me + Marie“ geht das fünfte Heimatsound-Festival mit einem sensiblen, melancholischen Touch zu Ende. Am Ammerdamm zirpen die Reißverschlüsse der Zelte. Ein letzter Schluck aus dem Dosenbier. Licht aus.

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