Die Gefahrenzonenkarte des Wasserwirtschaftsamtes für den Osten Oberammergaus: Gelb = mittlere Gefahr, Blau = hohe Gefahr und Rot = sehr hohe Gefahr.

Hochwasserschutz Oberammergau: Von der Großen Laine droht große Gefahr

Oberammergau - Die Gräben und Bäche im Osten Oberammergaus könnten bei einem Hochwasser zu tosenden Fluten werden - und die hangnahen Siedlungen bedrohen. Das brachte jetzt eine Studie ans Tageslicht.

Korbinian Zanker, Fachbereichsleiter am Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim, brachte es vor dem Oberammergauer Gemeinderat auf den Punkt: „Von der Großen Laine kann bei extremen Niederschlägen eine große Gefahr ausgehen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“ Tatsächlich steht also der Hochwasserschutz im Osten des Passionsortes auf tönernen Füßen. Im Ereignisfall eines sogenannten 100-jährigen Hochwassers könnte ein Schaden von knapp neun Millionen Euro entstehen - hat das Wasserwirtschaftsamt errechnen lassen. Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, läuft derzeit ein Wildbachsanierungskonzept.

Unterstützung holte sich die Behörde durch das Ingenieurbüro Patscheider und Partner im Vinschgau; die Südtiroler gelten als Experten in Sachen Hochwasserschutz und Wildbachausbau. Walter Gostner trug die Ergebnisse der Pilotstudie den örtlichen Kommunalpolitikern vor, nachdem das Büro zunächst verschiedene Sanierungsvarianten intensiv geprüft hatte. Folgende Maßnahmen schlagen die Ingenieure für die nächsten Jahre vor: Teilableitung des Hochwassers entlang des Kühberggrabens, Verlegung der Esellaine und Erstellung einer Flutmulde, Gerinneausbau des Schnitzler- und Lainengrabens sowie ein neues Rückhaltebecken am Kainzengraben. Sollten all diese Vorschläge umgesetzt werden, rechnet das Wasserwirtschaftsamt mit Kosten von knapp sechs Millionen Euro, wovon die Gemeinde etwa 1,5 Millionen Euro tragen müsste.

Vor allem die Anlegung einer 40 Meter breiten Flutmulde zwischen Lainen- und Schnitzlergraben, die im Ereignisfall überschwemmt würde, könnte aber bei den Grundbesitzern auf Widerstand stoßen, wie die geäußerten Bedenken der anwesenden Landwirte in der Ratssitzung deutlich machten. Sie befürchten deutliche Einschränkungen bei der Bewirtschaftung und eine Zerschneidung ihrer Flächen.

Eingangs der Vorstellung der Planungen machte Korbinian Zanker vom WWA deutlich, dass er in dieser Frage „eine breite Bürgerbeteiligung“ empfiehlt. Es gelte, hier die Bevölkerung und vor allem die Grundstückseigner mitzunehmen und umfassend über das Projekt zu informieren. Was demnächst auch in Form einer Bürgerversammlung geschehen soll. Wenn alles weitgehend reibungslos verlaufe, gerade bei den Verhandlungen mit den Grundbesitzern, könnte, so prognostiziert Zanker, 2015 oder 2016 Baubeginn sein.

Ludwig Hutter

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