Wer mitspielt beim Gelübdespiel, muss viel Zeit aufbringen.
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Wer mitspielt beim Gelübdespiel, muss viel Zeit aufbringen. Foto: mayr/oh

Weiter widrigen Umständen ausgesetzt

„Sind noch nicht durch“: Kein Zusatzhonorar für Passions-Mitwirkende - Ukraine-Krieg und Corona bleiben Risiko

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Die Mehrheit hat entschieden: Die Mitwirkenden der Oberammergauer Passionsspiele erhalten keine Gratifikation als Ausgleich für den Mehraufwand durch beispielsweise Corona-Tests.

Oberammergau – Hätte Walter Rutz eine Liste mit Wörtern, die ihn auf die Palme bringen, dann wäre diese nach der Sitzung des Gemeinderats angewachsen. Ergänzt um „optimistisch“ und um „Prognose“ – oder am besten gleich um die „optimistische Prognose“. Eine solche soll er Anfang Juli im Werkausschuss beim Zwischenstandsbericht über die Passion abgegeben haben. So hat’s zumindest die Parteilose Wählergemeinschaft, kurz PWG, empfunden. Denn nur deshalb sei sie überhaupt erst auf die Idee gekommen, eine Passions-Gratifikation einzufordern. Das Gremium aber lehnte den Vorstoß mehrheitlich ab (14:4).

Der Fraktion schwebte es vor, die Leistung der Mitwirkenden mit Arbeitsvertrag zu würdigen. Für alle, vom Spielleiter bis zum Kind im Volk, sei unter anderem angesichts Corona und den damit verbundenen Tests ein Mehraufwand entstanden. Vor allem zeitlicher Natur. Um einen gewissen Ausgleich zu schaffen, fand es die PWG legitim, als Anerkennung zusätzlich Geld auszubezahlen (siehe Infobox). Ohne aber, dass der Gemeinde Mehrkosten entstehen. „Wir bewegen uns im Wirtschaftsplan“, stellte Ludwig Utschneider klar. „Es geht nicht um zusätzliche Ausgaben.“

Der Vorschlag

Die Parteifreie Wählergemeinschaft hat in ihrem Antrag die Regelung für die Bonuszahlungen mitgeliefert.
Die Gratifikation beträgt bei Mitwirkenden, die. . .
- bis zu einem Drittel der Spiele eingeteilt waren und teilnahmen zwei Tageshonorare
- bis zu zwei Drittel der Spiele eingeteilt waren und teilnahmen drei Tageshonorare.
- über zwei Drittel der Spiele eingeteilt waren und teilnahmen vier Tageshonorare.

Um über 400 Mitwirkende ist das Gelübdespiel geschrumpft – durch Kündigungen und Nicht-Teilnahmen, mitunter der Verschiebung auf 2022 geschuldet. Heißt: Geplante Probengelder beispielsweise werden dadurch eingespart. Was sich an den Ausgaben im Honorar-Bereich zeigt. Statt den kalkulierten 22,4 Millionen Euro liegen diese unter 20 Millionen Euro. „Für uns“, betonte Utschneider, „ist Spielraum da.“ Über die Höhe des Zuschlags könne man ja diskutieren, der Antrag per se sei aber berechtigt.

Äußeren Einflüssen ausgesetzt

Rutz aber konnte das Anliegen von Anfang an gar nicht erst nachvollziehen. Die Gegenargumente hatte er freilich im Gepäck. Die Arbeitsverträge führte der Werkleiter unter anderem an. Denn die (freiwillige) Teilnahme basiert auf auf einer Vereinbarung mit ausgewiesenem Tagessatz, welche unterschrieben wurde. Der zeitliche Mehraufwand aufgrund der Covid-19-Hygienemaßnahmen sei allen Mitwirkenden bekannt gewesen und im Vertrag berücksichtigt worden. Punkt Nummer eins, warum er eine zusätzliche Honorarzahlung für ungerechtfertigt hält.

Punkt Nummer zwei, und darauf verweist Rutz stets, sind die Unsicherheitsfaktoren, die die Verantwortlichen nicht beeinflussen können: Zum einen Corona. Ob es im Herbst aufgrund erneut steigender Inzidenzen wieder zu Einschränkungen kommt, bleibt abzuwarten. Doch genau dieses Rätselraten macht es für Rutz unmöglich, die Hygiene-Ausgaben jetzt final zu kalkulieren. Zum anderen spitzt sich die Energiekrise zu. Die Auswirkungen – laut Werkleitung noch nicht abschätzbar. Und zu allem Übel herrscht nach wie vor Krieg in der Ukraine, der den Ticket-Verkauf tangiert. Auch wenn inzwischen die erhoffte Auslastung von etwas über 85 Prozent erreicht wurde, ist Rutz jeden Tag froh, „wenn nichts passiert ist“. Auf gut Deutsch: „Wir sind noch nicht durch.“ Nach wie vor gebe es widrige Umstände, die das Gelübdespiel negativ beeinflussen könnten. Entwarnung – die gibt Rutz längst nicht.

Wir zerlegen einen Bären, den es noch nicht gibt.

Walter Rutz

Die Vertreter der PWG wunderten sich über die plötzliche „Schwarzmalerei“ des Werkleiters – in Anbetracht des „optimistischen Berichts“ im Werkausschuss, wie es Utschneider formulierte. „Den relativierst jetzt wieder.“ Man sah Rutz förmlich an, wie seine Reizschwelle sank und sank. Er verwehrte sich dagegen, „irgendwelche frohlockende Aussagen“ getätigt zu haben. Unmissverständlich stellte er klar: Positiv sei eigentlich nur, dass die 85-Prozent-Marke geknackt wurde. Ansonsten weiß niemand, was noch auf Oberammergau zukommt. Eine Gratifikation ist für Rutz absolut fehl am Platz. „Wir zerlegen einen Bären, den es noch nicht gibt.“

Seine Einschätzung teilte das Gros der Räte. Darunter Eugen Huber (Augenmaß). Der Vize-Bürgermeister vertrat die Meinung, dass die Mitwirkenden gut verdienen, „weit über dem, was die tariflichen Anforderungen wären“. Jetzt „mit der Gießkanne Geld zu verteilen“, erachtete er für unangebracht. Lieber wäre es ihm, wenn die Kommune finanziell ein bisschen Luft zum Atmen bekommen würde. Wovon alle profitieren. So urteilte auch Fraktionskollege Wolfgang Proksch. „Wenn wir mehr erzielen, kommt das den Bürgern zugute.“ Jeder hätte davon einen Mehrwert. Aus diesem Grund fand auch der Kompromiss-Vorschlag von Michael Fux (PWG) keinen Anklang bei den Räten. Er regte an, die Gratifikation erst greifen zu lassen, wenn die Auslastung die 90er-Hürde erreicht hat. „Das Bärenfell davor verteilen“, sagte Fux in Bezug auf Rutz’ tierische Metapher, „das wollen wir auch nicht.“

Kommentare

Beobachter
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Hat der Walter Rutz gerade ein neues Sprichwort geschaffen? "Wir zerlegen den Bären, den es noch gar nicht gibt"? Oder meinte er, dass man das Fell des Bären nicht verteilen soll, bevor er noch nicht erlegt ist?

Der immer lachtAntwort
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Mir schon klar, war auch ironisch gemeint....;-)

BeobachterAntwort
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Wenn es kein Geld gäbe, würde niemand mitspielen. Das ist docvh ganz einfach. Und die Gottessöhne verdienen richtig gut. Da kannst du sicher sein.