Mittelschule in Oberammergau
+
Nur vier Klassen gibt es 2021/22 an der Mittelschule Oberammergau.

Rettungsaktion verläuft im Sande

Streibls Rettungsversuch scheitert: Keine Siebtklässler in der Oberammergauer Mittelschule

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
    schließen

Es bleibt dabei: Im kommenden Schuljahr gibt es keine siebte Klasse an der Mittelschule Oberammergau. Der Rettungsversuch von Landtagsabgeordneten Florian Streibl ist somit im Sande verlaufen. Trotzdem hat er etwas für den Landkreis erreicht.

Oberammergau – Markus Köpf ist irritiert. Ziemlich sogar. Insbesondere die Wortwahl erstaunt den Stellvertretenden Leiter des Staatlichen Schulamts Garmisch-Partenkirchen. Grund für seine Irritation: die jüngste Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler). Von „einer Blutgrätsche“ seiner Behörde gegen die Mittelschule Oberammergau ist da die Rede, weil die siebte Klasse, die er gerettet glaubte (wir berichteten), doch nicht zustande kommt. Und davon, dass sich Köpf der Anordnung von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) widersetzt. Für Streibl „ein starkes Stück“. Für Köpf, der wie der Abgeordnete aus Oberammergau kommt und dort auch im Gemeinderat sitzt, Vorwürfe, die er nicht nachvollziehen kann. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich Streibl zwar seit Mai mit dem Problem, an der Mittelschule in seinem Heimatort eine siebte Klasse zu bilden, auseinandersetzt, aber bislang weder mit ihm noch mit Schulamtsleiterin Gisela Ehrl gesprochen hat.

Zu wenig Kinder, um das Angebot aufrecht zu halten

Landtagsabgeordneter Florian Streibl hat sich für die Mittelschule in Oberammergau stark gemacht.

An der Entscheidung, 2021/22 keine siebte Jahrgangsstufe in Oberammergau einzurichten, hätte sich dadurch aber nichts geändert. Sechs, möglicherweise sieben Mädchen und Buben – bei einem Kind steht ein Umzug im Raum – hätten diese besucht. Viel zu wenig, um das Angebot aufrechtzuhalten. Das galt schon für die Ausgangssituation im Mai, damals war von zehn Siebtklässlern die Rede. Nach der ersten Elterninformation haben sich drei von ihnen entschlossen, den M-Zweig oder die Ganztagsbetreuung in Murnau oder Partenkirchen zu besuchen. Die verbleibenden sechs oder sieben Kinder haben nun die Wahl, nach Oberau oder Bad Kohlgrub zu wechseln. Auf die neue Umgebung, andere Lehrer und Mitschüler müssen sich alle einstellen. Darauf, künftig mit dem Bus zu fahren, aber nur die drei Oberammergauer.

Die Situation, dass an einer kleinen Schule – die im Ammertal besuchen künftig 73 Kinder und Jugendliche – eine Klasse nicht gebildet werden kann, „ist nicht ungewöhnlich, bayernweit ist das gang und gäbe“, betont Köpf. Den Schulstandort Oberammergau sieht er dadurch keinesfalls in Gefahr.

Dass sich Streibl mit den Problemen der Mittelschulen in seinem Landkreis beschäftigt hat, nennt Köpf „lobenswert“. Vor allem, „weil davon nun die Mittelschulen im Landkreis insgesamt profitieren“. Allerdings nicht besagte siebte Klasse, die entgegen Streibls Ankündigung von Ende Juni nicht erhalten wird. Dafür hat Piazolo, wohl auch auf Streibls Betreiben hin, zur Aufrechterhaltung des bestehenden Mittelschulnetzes für das kommende Schuljahr bayernweit 30 zusätzliche Lehrer bewilligt. Zwei davon kommen dem Landkreis zugute – „und zwar allen Mittelschulen zur Vermeidung von Härtefällen“, heißt es in Köpfs Schreiben an die Eltern. So sieht’s das Schulamt. Für Streibl waren die beiden zusätzlichen Lehrer dafür gedacht, die Probleme in Oberammergau und Mittenwald, dort stand die achte Klasse mit elf Schülern auf der Kippe, zu lösen. „Dass man’s in Oberammergau jetzt anders macht, irritiert mich.“

Stellvertretender Schulamtsleiter Markus Köpf wundert sich über Florian Streibls Wortwahl.

Schulbehörde sieht keinen begründeten Härtefall

Aus schulfachlicher Sicht liegt dort jedoch kein begründbarer Härtefall vor, wenn man den Richtwert des Kultusministeriums zur Klassenbildung von mindestens 15 Schülern zugrunde legt. Auch nicht, wenn man zwölf heranzieht, die in der Vereinbarung festgelegt sind, die die vier Kommunen – Oberammergau, Bad Kohlgrub, Murnau und Oberau bilden den Mittelschulverbund Nord – 2011 unterzeichnet haben. Dazu kommt Ehrl zufolge, dass an anderen Mittelschulen Abschlussklassen mit 30 Schülern eindeutig als Härtefälle anzusehen sind. Sie und ihr Kollege müssen das große Ganze im Blick haben, selbstredend in Abstimmung mit den Einrichtungen. Ihnen geht’s darum, Angebote wie Arbeitsgruppen, Förderunterricht und Quali-Vorbereitung aufrechtzuhalten. Und zwar an allen Mittelschulen. Dazu zählt auch die Berufsorientierung, die in der siebten Klasse dazu kommt. Die Kinder können zwischen Technik, Wirtschaft und Sozialem wählen – „mit sechs bis sieben Schülern funktioniert das aber nicht“, sagt Köpf.

Deshalb bleibt es bei der Entscheidung, keine siebte Klasse in Oberammergau anzubieten. Damit widersetzen sich er und Ehrl keinesfalls dem Minister, wie Streibl ihnen ankreidet. Piazolo schreibt an ihn bezüglich der zusätzlichen Lehrkräfte wörtlich: „In diesem Rahmen ist es möglich, neben der Einrichtung von Förderunterricht oder Arbeitsgemeinschaften in einem gewissen Rahmen auch zusätzliche Klassenbildungen, wie beispielsweise an der Mittelschule Oberammergau, vorzusehen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare