Klimamessstationen auf Laber und Kolbensattel geplant

Oberammergau - Eine zehn Meter hohe Stahlantenne soll an der Bergstation der Kolbensesselbahn in Oberammergau errichtet werden. Ihr Zweck: Messdaten zur Klimaforschung liefern.

Alle Welt redet vom Klimawandel. Die komplexe Materie beschäftigt nicht nur Politik und Bürger, sondern in der Praxis auch diverse Forschungseinrichtungen. Thema war dies jetzt auch im Oberammergauer Gemeinderat: Dort kam ein Vorhaben des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zur Sprache, das am Kolbensattel eine Klimamessstation errichten möchte. Diplom-Ingenieur Helmuth Giehl vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung - atmosphärische Umweltforschung (ehemals Fraunhofer-Gesellschaft) in Garmisch-Partenkirchen, eine Außenstelle des KIT, stellte die Pläne vor.

Das Projekt erstreckt sich auf ganz Deutschland und läuft bereits seit zweieinhalb Jahren. Neben Eifel, Harz und Mecklenburg-Vorpommern wurde das Ammertal als vierter Standort ausgewählt. Dazu zählen Kolben und Laber, da es sich hier um sogenannte alpine Messgebiete handelt. Dazu Helmuth Giehl: „Hauptziel ist es, die Folgen des Klimawandels langfristig zu untersuchen. Dazu gehört, zu erforschen, wie sich diese Veränderungen auf die Vegatation auswirken, und Empfehlungen zu geben, was man zum Beispiel künftig pflanzen und anbauen kann.“ Die Messungen betreffen Niederschläge, Stahlungen, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck, Windstärke sowie Schneehöhe. Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat bezüglich einer eventuellen elektromagnetischen Strahlung der Station konnte der Mitarbeiter des Garmisch-Partenkirchner Instituts Entwarnung geben: Lediglich einmal in der Nacht würden für fünf Sekunden die gesammelten Tagesdaten per Funk übermittelt. Die Anlage am Kolbensattel, die im Bereich zwischen Liftausstieg und Hütte geplant ist, besteht in ihrem Herzstück aus einer zehn Meter hohen Stahlantenne, die mittels Stahlseilen an den Seiten abgespannt ist. Bauliche Maßnahmen sind nicht notwendig. Die Genehmigung für die Errichtung muss noch die örtliche Privatwaldgemeinschaft als Grundeigentümer erteilen. Liegt diese vor, werde man nach den Worten von Ingenieur Giehl alsbald mit dem „Bau“ beginnen.

Für beide Stationen an Kolben und Laber wird mit Gesamtkosten von rund 70 000 Euro gerechnet, das Geld kommt vom Bundesforschungsministerium. Der Steuerzahler trägt aber nicht nur die Kosten für diese Messstation zur Klimaforschung, er könnte auch davon profitieren. Die Anlage ermöglicht es, dass Daten über das aktuelle Wetter zum Beispiel von Gemeinden, Touristinformationen und auch interessierten Bürgern online über das Internet abgerufen werden können.

Übrigens: In der schriftlichen Darstellung des Projekts wird das Messgebiet Oberammergau unter dem Titel „Mount Kolbensattel“ geführt. So bekommt das Vorhaben auch noch einen internationalen Hauch . . .

Ludwig Hutter

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