Kofelgschroa eröffnet Hotel

Oberammergau - Die vier Burschen der Kult-Band Kofelgschroa aus Oberammergau sind bekannt für innovative Ideen - nicht nur auf musikalischer Ebene: Jetzt haben sie ein neues Projekt auserkoren.

Auf der Schwelle zum Ruederer-Haus in Oberammergau liegt ein roter Teppich. Matthias Meichelböck verbeugt sich zum Empfang an der Tür und in dem spartanisch eingerichteten Zimmer klimpert Maxi Pongratz am Klavier.

Dort in der Tirolergasse 11 hat kürzlich ein Hotel der besonderen Art aufgemacht, das im eigentlichen Sinn gar keines ist: das „Hotel Kovèl“. Den Oberammergauern ist das alte, heruntergekommene Gebäude neben dem Jugendtreff gut bekannt. Der Förderkreis Museum und Pilatushaus hatte das Haus 2007 von der Gemeinde gemietet und für diverse kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Kulturell wird es im Ruederer-Haus weiterhin zugehen - überwiegend im privaten Rahmen. Die Band Kofelgschroa hat mit Bürgermeister Arno Nunn einen unbefristeten mündlichen Mietvertrag ausgehandelt. Darin ist die Nutzung von drei Zimmern im Erdgeschoss als Proberäume vorgesehen. Auch auswärtige Musiker können dort nach Absprache üben. Davon ist Nunn begeistert: „Kofelgschroa hat durch seine authentische Art eine Vorbildfunktion für Künstler aus der Umgebung und ist zudem ein großartiger Werbeträger für den Ort.“ Das wolle die Gemeinde mit dem Mietvertrag unterstützen.

Ende September wurde das „Hotel Kovèl“ - wie die Musiker ihren neu erworbenen Platz liebevoll nennen - offiziell eingeweiht. Hierzu hatte die Band die befreundeten Musiker „Magnetic Ear“ aus dem amerikanischen New Orleans eingeladen, die sie bei ihrer USA-Tour kennengelernt hatten. Gemeinsam wurde gefeiert, musiziert und die Bands zogen mit ihren Instrumenten auch durchs Dorf, wo sie ein spontanes Konzert gaben. „Die ausgeprägte Gastfreundschaft in den Staaten hat uns zu dem Hotelnamen inspiriert“, erklärt Matthias Meichelböck. Außerdem wollen die Freunde, die das Haus bereits vor etwa acht Jahren „besetzt“ hatten, um es vor einem bevorstehenden Abriss zu schützen, eine alte Tradition fortführen. Denn das Gebäude wurde einst von dem Münchner Dichter und Schriftsteller Josef Anton Heinrich Ruederer (1861-1915) als Gästehaus genutzt.

Befreundete Künstler und Schriftsteller fanden dort eine Herberge - darunter auch der berühmte deutsche Schriftsteller Thomas Mann. Nun sollen zeitgenössische Künstler, die Kofelgschroa bei seinen Touren kennenlernt, im „Hotel Kovèl“ verweilen. „Wir empfangen gerne Gäste, das ist der perfekte Ort dafür“, meint Michael von Mücke. Um ein Hotel im klassischen Sinne handelt es sich allerdings nicht. „Wir nutzen diesen Platz, um Gleichgesinnte zu empfangen“, sagt Maxi Pongratz. Das erfolgt im rein privaten Rahmen - offizielle Buchungen gibt es nicht. Wer übernachten möchte, muss den Holzofen ordentlich schüren und mit kaltem Wasser auskommen. „Wir bieten Luxus auf einer anderen Ebene“, betont Meichelböck. Gemeint ist, dass sich die Musiker den Gästen während des Aufenthaltes voll und ganz widmen. „Heutzutage ist Zeit das größte Geschenk“, so Meichelböck.

Weitere Infos zum Hotel Kovèl im Internet unter hotelkovél.de oder unter der Telefon-Hotline: 08822/9359727.

Constanze Wilz

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