+
Arno Nunn steht für eine dritte Bürgermeister-Kandidatur in Oberammergau nicht mehr zur Verfügung.

Noch keine Entscheidung über künftigen Wohnort getroffen

Oberammergau: Arno Nunn kandidiert nicht mehr als Bürgermeister - und nennt die Gründe

  • schließen

Das hatten wirklich die Wenigsten erwartet: Arno Nunn dankt als Bürgermeister in Oberammergau ab. 

Update, 20.Januar, 18 Uhr: Oberammergau  - Die Ära Nunn im Haifischbecken der Oberammergauer Kommunalpolitik – sie geht Anfang Mai, zwei Wochen vor der Passions-Premiere, zu Ende, nach immerhin zwölf Jahren. Der Franke, der im Herbst 60 wird, hat reinen Tisch gemacht, auf den letzten Drücker. Er zieht sich vor der Kommunalwahl 2020 von der politischen Bühne zurück – und begründet seinen Ausstieg so: „Der Mensch verliert sich manchmal selbst ein wenig aus den Augen. Dabei habe ich mich auch ertappt. Körper, Seele und Geist brauchen einfach eine Pause. Ich möchte wieder zu einem gewöhnlicheren Leben zurückkehren und es nicht soweit kommen lassen, dass gesundheitliche Risiken mich zum Handeln zwingen.“

Im Moment der Bekanntgabe seiner Entscheidung erinnert sich Arno Nunn an die Worte des früheren, inzwischen verstorbenen Dienststellenleiters der Grenzpolizeistation Grainau, Erwin Gruber: „Es war 1981, die erste Stelle nach meiner Ausbildung zum Polizisten, da sagte Gruber zu mir: ,Herr Nunn, Sie sind in erster Linie Mensch und dann erst Polizist’. Diese Worte haben mich irgendwie mein ganzes Berufsleben begleitet.“

Ohne Kandidat hätte es eine Urwahl gegeben

Im Rückblick auf seine bald zwölfjährige Amtszeit schaut der 59-Jährige „auf eine außergewöhnliche, prägende und faszinierende Zeit“ zurück, auf „tolle Momente“ wie etwa den Besuch der Bundeskanzlerin bei der letzten Passion. Allerdings gibt Nunn auch zu, „dass es im politischen Alltag oft nicht so schön gewesen ist“.

Lesen Sie auch: Wahlkampf eröffnet: Erster Bürgermeister-Kandidat in Oberammergau steht fest

Er habe das Amt des Ersten Bürgermeisters, fährt der politische „Einzelkämpfer“ fort, immer so verstanden: „An der Spitze zu stehen bedeutet nicht, Macht auszuleben, sondern zu dienen – denen, die einen gewählt haben.“ Teile dieser Bürgerschaft konnten es indes nicht nachvollziehen, warum sich Nunn erst kurz vor Schluss geoutet hat. Der Bürgermeister begründet sein Handeln: „Ich habe das sehr früh angekündigt. Von daher brauchte niemand überrascht zu sein. Ich dachte immer, dass genug Bewerber der politisch Aktiven da sein werden. Dass es jetzt offenbar nicht so gekommen ist, überrascht mich. Ich wollte so lange wie möglich normal weiter arbeiten können.“

Das könnte Sie auch interessieren: Andreas Rödl will Bürgermeister werden: Vom Skater-Rebell zum Menschenfreund

Auf Nachfrage, wie er die Konstellation gesehen hätte, wenn sich kein Kandidat bereit erklärt hätte und Oberammergau dann plötzlich ohne Bürgermeister-Bewerber dagestanden wäre, erklärt der 59-Jährige: „Dann hätten wir eine Urwahl gehabt, und die Wähler hätten ihre Favoriten selbst auf den Stimmzettel schreiben müssen.“

„Man ist Gefangener seines Jobs“

Nunn gibt zu, dass ihn die Angelegenheit emotional sehr berühre: „Mich lässt das nicht kalt, und ich weiß auch nicht, wie es sein wird, wenn tatsächlich Schluss ist.“ Wohin ihn sein weiterer beruflicher Weg führt, will oder kann er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Auch nicht, ob Oberammergau der Lebensmittelpunkt für ihn und seine Frau Annett bleibt oder ob sie nach Leipzig umziehen, wo beide ein Haus gebaut haben. „Ich habe noch nicht die Zeit gefunden, mir darüber Gedanken zu machen.“ Auch nicht, ob er zur Kripo zurückkehren wird. Er habe aber einen Anspruch auf Wiedereinstellung.

Wie sehr man in so einer Position oft in seinen Terminkalender eingezwängt sei und wenig private Freiräume man habe, das hat Arno Nunn in besonders belastender Weise empfunden, als seine Mutter in Franken zum Pflegefall wurde und er sich gerne intensiver um sie gekümmert hätte: „Man ist Gefangener seines Jobs.“ Diese Fesseln wird er nun Anfang Mai ablegen können.

Einen Überblick zu den Bürgermeister-Kandidaten im Landkreis finden sie hier.

Erstmeldung:

Oberammergau - Das bestgehütete Geheimnis im Landkreis ist gelüftet: Arno Nunn, bald zwei Perioden Erster Bürgermeister der Gemeinde Oberammergau, wird bei der Kommunalwahl am 15. März nicht mehr kandidieren. Das teilte er der Redaktion der Heimatzeitung am Sonntag mit.

Für seine Entscheidung gab der frühere Polizeibeamte „trifftige, persönliche Gründe“ an. Seinen Entschluss, von dem nur „meine Familie und einige ganz enge Freunde“ informiert waren, hatte er bis zum letzten Tag offen gelassen. Am kommenden Donnerstag, 23. Januar, müssen alle Wahlvorschläge zur Kommunalwahl bei den Gemeinden eingereicht sein. Mindestens drei Tage vorher hätte Nunn zur Wahrung der Frist öffentlich zu einer Aufstellungsversammlung laden müssen. Zu seiner Zukunft machte der Bürgermeister am Sonntag keine Angaben. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehr Unfälle, deutlich weniger Verletzte
Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat am Freitag die Verkehrsunfallstatistik für 2019 veröffentlicht. Es gab mehr Unfälle, aber deutlich weniger Verletzte.
Mehr Unfälle, deutlich weniger Verletzte
„Hexe“ verkratzt Auto mit Besen: 500 Euro Schaden
Ein Auto ist am Unsinnigen Donnerstag in Mittenwald von einer als Hexe verkleideten Person beschädigt worden. Die Polizei bittet um Hinweise.
„Hexe“ verkratzt Auto mit Besen: 500 Euro Schaden
Polizei verhaftet mutmaßlichen Betrüger
Die Polizei hat am Freitag in Murnau ein Wohnmobil sichergestellt und den Fahrer verhaftet. Es handelt sich um einen mutmaßlichen Betrüger. 
Polizei verhaftet mutmaßlichen Betrüger
Passions-Mitwirkende sollen ihre Haare krebskranken Kinder spenden
Die Haare wachsen, die Bärte sprießen in Oberammergau. Doch wohin mit dem üppigen Wuchs nach der Passion? Eine Frau aus dem Volk hat eine tolle Idee.
Passions-Mitwirkende sollen ihre Haare krebskranken Kinder spenden

Kommentare