+
Kopf des konservativen Lagers: Ludwig Utschneider bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters.

Mal Florett, mal Nudelholz

Wahlkampf eröffnet: Erster Bürgermeister-Kandidat in Oberammergau steht fest 

  • schließen

Mit ihm haben viele gerechnet: Ludwig Utschneider geht für die Parteilosen Wähler ins Rennen um den Rathaus-Thron. Er ist der erste Anwärter in Oberammergau.

Oberammergau – Angela Merkel hat den Begriff geprägt – die „Merkel-Raute“. Ludwig Utschneider beherrscht sie schon fast perfekt, unbewusst, und schmunzelt dazu. Seit Dienstagabend, 20.11 Uhr, ist in Oberammergau der Wahlkampf eröffnet. Der begann mit einem Paukenschlag. Denn der Freie-Wähler-Chef im Gemeinderat – er tritt an als Kandidat für das Bürgermeisteramt. „Ich bin bereit!“

Gut 30 Mitglieder und Sympathisanten der Parteilosen Wählergemeinschaft sind im ehemaligen Ladengeschäft „beim Klepper“ versammelt. Man sitzt auf Bierzeltbänken, trinkt Augustiner aus der Flasche, es gibt ein kleines bayerisches Brotzeit-Buffet. Gemeinderat Michael Fux begrüßt die Gäste: „Wir läuten heute in Oberammergau den Wahlkampf ein.“ Ganz kurz umreißt er den künftigen Kurs der Gruppierung: „Wir wollen weg von Entscheidungen im stillen Kämmerlein, hin zu mehr Transparenz und Offenheit.“ Und weiter: „Unser Wahlkampf wird hart, aber fair – mal mit Florett, mal mit dem Nudelholz.“ Was für ein Vergleich! Dann verkündet Fux, worauf alle warten: „Wir haben einen Bürgermeisterkandidaten.“ Kurze Pause. „Ludwig Utschneider!“ Die Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen, Bravo-Rufe, langanhaltender Applaus.

Lesen Sie auch: Bürgerversammlung vor Kommunalwahl 2020 in Oberammergau: Politisches Interesse im Keller

Utschneider vermeidet bei der Versammlung Angriffe auf Amtsinhaber Nunn

Der Mann mit der „Merkel-Raute“: (vorne v.l.) Martin Müller, Christine Ruppenthal, Gertrud Lischka, Ludwig Utschneider, Elisabeth Kemper, Maria Blaschke, Diane Müller; hinten v.l.: Michael Fux, Helmut Fischer, Martin Kratz, Robert Jörg, Karl-Heinz Götz, Robert Eder, Peter Held, Wilhelm Gimbel, Florian Lang, Alexander Raggl, Martin Kempfle, Helmut Matzunsky, Herbert Burkart, Robert Steidle. Es fehlen: Bettina Biermann, Klaus Schwarz.

Mit diesem Rückenwind beginnt der „Kandidat ohne Hausnamen“ („Damit kann ich ganz gut leben“) seine gut halbstündige Vorstellung, rhetorisch geschliffen und immer wieder garniert mit persönlichen Erlebnissen. „45 Jahre alt, seit 2003 glücklich verheiratet, fünf Kinder, seit 2015 Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde am St. Irmengard-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen, seit zwölf Jahren im Gemeinderat.“ Er trage, fährt Utschneider fort, Oberammergau in seinem Herzen und kann sich nicht vorstellen, woanders zu leben. Als Zehnjähriger sei er erstmals direkt und bewusst mit einem lokalen Ereignis konfrontiert worden, nämlich dem vereitelten Anschlag der RAF in der Nato-Schule.

Keine Gegenstimme

Politisch habe ihn anfangs Franz-Josef Strauß beeindruckt, später dann auf örtlicher Ebene Polit-Urgesteine wie Walter Edel und Rudi Zwink, natürlich auch Max Streibl. Das Interesse an der Kommunalpolitik sei mit den Jahren immer mehr gewachsen, ehe er sich jetzt „nach reiflicher Überlegung und in enger Absprache mit der Familie“ zur Kandidatur als Bürgermeister entschlossen habe. Angriffe auf Amtsinhaber Arno Nunn und dessen Arbeit – wie häufig in Sitzungen des Gemeinderates – vermeidet Utschneider in dieser Runde. Nur soviel sagt er: „Ein Bürgermeister sollte im Gemeinderat eine breite Basis haben.“ Im bevorstehenden Wahlkampf werde man vielleicht mal streiten und hackeln, „aber alles in einem vernünftigen Rahmen.“ Schließlich wird er einstimmig gewählt – 22:0!

Das könnte Sie auch interessieren: Arno Nunn hält sich alle Optionen offen

Mitstreiter Karl-Heinz Götz lässt zum Schluss noch einen raus: „Super, dass Du’s machst. Es gibt keinen, der Dir das Wasser reichen kann.“ Am Ende erscheint noch Landrat Anton Speer. Er kommt vom Neujahrsempfang in Murnau, gratuliert Utschneider zur Wahl und betreibt Werbung für Kreistagsliste der Freien Wähler: „Wir sind gut aufgestellt.“

Die Kandidaten

1. Ludwig Utschneider (45/Studienrat i.K.), 2. Michael Fux (45/Hotelier), 3. Karl-Heinz Götz (67/Pensionär), 4. Peter Held (44/Obergerichtsvollzieher), 5. Christine Ruppenthal (36/Einzelhandelskauffrau), 6. Elisabeth Kemper (63/Steuerfachgehilfin), 7. Robert Eder (55/Holzbildhauermeister), 8. Robert Jörg (48/Fachinformatiker), 9. Gertrud Lischka (69/Rentnerin), 10. Herbert Burkart (62/Taxifahrer), 11. Robert Steidle (64/Versicherungsfachmann), 12. Martin Kempfle (59/selbstständig), 13. Martin Kratz (55/Steuerfachgehilfe), 14. Florian Lang (61/Bildhauer), 15. Maria Blaschke (61/Reiseleiterin), 16. Wilhelm Gimbel (51/Konstrukteur), 17. Martin Müller (50/Holzbildhauermeister), 18. Diane Müller (43/Hotelierin), 19. Helmut Fischer (70/Maurer), 20. Bettina Biermann (44/Bankkauffrau); Ersatz: Alexander Raggl (45/Bankkaufmann), Helmut Matzunsky (67/Pensionär), Klaus Schwarz (74/Pensionär)

Ein Überblick: 

Bürgermeisterwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Alle Wahlen und Kandidaten

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tauziehen um Murnauer James-Loeb-Areal: Kampfabstimmung abgeblasen
Der Markt Murnau kommt im Streit um die geplante Wohnbebauung auf dem James-Loeb-Areal nicht weiter: Das heikle Thema wurde in der Sitzung des Gemeinderats vertagt. Der …
Tauziehen um Murnauer James-Loeb-Areal: Kampfabstimmung abgeblasen
Roboter „GARMI“ soll Dauerbürger werden
Das Forschungszentrum Geriatronik soll in Garmisch-Partenkirchen keine temporäre Einrichtung bleiben. Die Pläne von Thomas F. Hofmann, Präsident der TU München, sehen …
Roboter „GARMI“ soll Dauerbürger werden
Hotel-Projekt Mittenwald: Störfeuer aus dem Publikum
Das geplante aja-Hotel spaltet Mittenwald. Das wurde bei der Bürgerinformation in der TSV-Halle offenkundig.
Hotel-Projekt Mittenwald: Störfeuer aus dem Publikum
Defekte Bremse und viele Mängel mehr
Viele Mängel hatte das Auto einer Mittenwalderin, das die Polizei am Dienstag aus dem Verkehr zog. Die Beamten ermitteln.
Defekte Bremse und viele Mängel mehr

Kommentare