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Korbinian Freier aus Oberammergau: Karriere bei den Grünen?

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Korbinian Freier hier zusammen mit Geli Rolles, Spitzenkandidat auf der Grünen Kreistagsliste 2008
Korbinian Freier hier zusammen mit Geli Rolles, Spitzenkandidat auf der Grünen Kreistagsliste 2008

Oberammergau - Sein Auftritt beim Grünen-Parteitag in Freiburg sorgte mächtig für Furore: Nun gibt es schon Stimmen, die den 30-jährigen Oberammergauer zu Höherem berufen sehen.

Die Öffentlichkeit hat er noch nie gescheut. 2006 nicht, als er unter 700 Bewerbern zum „NeckerMANN des Jahres“ gekürt wurde. Auch heuer nicht, als er fast täglich vor 5000 Besuchern bei den Passionsspielen in seinem Heimatort einen Apostel Jesu (Philippus) darstellte. Gänzlich in den Fokus der Medien rückte Korbinian Freier (30) aus Oberammergau beim Parteitag der Grünen in Freiburg, als er bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Und der Vorsitzenden Claudia Roth einen empfindlichen Nadelstich verpasste.

Kurz vor Mitternacht am Samstagabend hatte Freier eine fünfminütige, immer wieder von Beifall unterbrochene Rede gehalten, die in dem Antrag mündete, die Partei möge sich gegen die Olympiabewerbung 2018 von München und Garmisch-Partenkirchen aussprechen. Tatsächlich folgte in der schriftlichen Abstimmung eine Mehrheit von 289 Delegierten (244 Nein-Stimmen, 70 Enthaltungen) dem Antrag des Oberammergauers und seines Parteifreundes Ludwig Hartmann aus Landsberg.

Dieses Votum saß bei der Grünen-Chefin Roth offenbar so tief, dass sie nur Stunden später aus dem Kuratorium der Olympia-Bewerbung austrat. Der Auftritt von Korbinian Freier hatte bei den Medienvertretern derart Eindruck hinterlassen, dass sogar die Tagesschau und die Heute-Nachrichten im Fernsehen davon berichteten.

„Davon habe ich später auch erfahren“, erzählt der Geoökologie-Student: „Seitdem wir in der Wählergunst so gute Werte haben, wecken wir natürlich vermehrt das Interesse bei den Journalisten. Außerdem spielt das Thema Olympia eine Rolle.“ Gegen potenzielle Austragungsorte München und Garmisch-Partenkirchen 2018 wetterte der 30-Jährige auf dem Grünen-Parteitag lautstark und emotional: „Die Bewerbung ist ökologisch, gesellschaftlich und finanziell nicht tragbar. Hier wird für eine 18-Tage-Party hektarweise Land umgepflügt . . .“ Nach seiner Vorstellung in Freiburg erhielt Freier „eine Reihe von Reaktionen - positiv wie negativ, Olympia polarisiert eben“.

Die Tage danach wurde es etwas ruhiger, und der Ammergauer konnte sich fortan in Hamburg wieder ganz seiner Doktorarbeit widmen: Hier erstellt er Computermodelle, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die nordafrikanische Landwirtschaft darlegen. Etwa noch ein Jahr Arbeit liegt vor Korbinian. Und danach? „Ich möchte gerne in der Wissenschaft oder Forschung bleiben, allerdings etwas weiter in Richtung Süden.“ Näher hin zu Oberammergau.

Eine politische Karriere bei den Grünen, wie sein Auftritt in Freiburg vermuten ließe, strebt Freier „nach momentaner Lage der Dinge“ nicht an. Obwohl ihm die Politik schon Spaß macht: Man solle nie Nie sagen. Und: „Wer weiß, was noch passiert.“ Als Kreisrat konnte er schon Erfahrungen sammeln. In das Gremium des Kreistags ist für ihn, als er nach Hamburg ging, seine Mutter Christl nachgerückt. Von ihr hat Korbinian wohl auch die politische Einstellung und Gesinnung mitbekommen.

In Sachen Olympia stört ihn ganz massiv, „dass die Spiele auf Kunstschnee stattfinden“. Er fühlt sich dem Schutz der Natur verpflichtet, ist in seiner Freizeit gern draußen unterwegs - beim Skibergsteigen, Radlfahren, Gleitschirmfliegen oder Klettern. Auch in Korbinian Freiers Heimatort, in Oberammergau, werden freilich die Pisten am Kolben beschneit und die Loipen mit Kunstschnee präpariert, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dazu Hans Reicherl, Organisator des bekannten König-Ludwigs-Laufs: „Ohne Kunstschnee wäre der Lauf schon lang tot. Das sollte man bedenken, wenn man gegen die Beschneiung schimpft. Immerhin hat diese Veranstaltung für den ganzen Ort große Bedeutung.“

Ludwig Hutter

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