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Über 70 Einsatzkräfte koordinierten vom Hotel Ammerwald aus die umfangreiche Rettungs- und Suchaktion am Samstag.

An der Schäferblasse löst sich ein 300 Meter breites Schneefeld - Ein Mann (42) aus dem Landkreis Cham stirbt

Riesen-Lawine verschüttet Tourengeher beim Hotel Ammerwald

  • Ludwig Hutter
    VonLudwig Hutter
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Tragisches Ende einer Skitour: Bei einem Lawinenabgang in den Ammergauer Alpen ist am Samstag ein Skitourengeher aus dem Landkreis Cham gestorben.

Linderhof – Seit 2003 führt Norbert Wallinger das Alpenhotel Ammerwald, idyllisch gelegen zwischen Schloss Linderhof und Plansee. Wer Ruhe sucht, findet sie hier. Doch immer wieder gerät die 180-Betten-Herberge, die 2009 vom BMW-Konzern mit einer futuristisch angehauchten Architektur neu errichtet worden ist, in die Schlagzeilen. Wenn zum Beispiel die Zufahrtsstraßen von deutscher oder österreichischer Seite gesperrt sind. Wallinger: „Wir sind hier hinten in dieser abgeschiedenen Lage schon was gewöhnt und wissen, damit umzugehen.“ In eine bislang noch nicht dagewesene Dimension rückt das Hotel an diesem Samstag, als nordwestlich des fünfstöckigen Gebäudes eine massive Lawine abgeht und fünf Skitourengeher begräbt.

Ein 42-jähriger Mann aus dem Landkreis Cham kann von den Rettungskräften nur mehr tot aus dem weißen Inferno geborgen werden. Ein weiterer Wintersportler (43) aus der gleichen Region gilt nach wie vor als vermisst, während die restlichen drei Personen gerettet werden können. Unter ihnen ein 37-jähriger Mann aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der schwere, aber keine lebensgefährlichen Verletzungen davonträgt.

Über 70 Einsatzkräfte von Bergwacht und Polizei, dazu Hubschrauber und Hunde, sind an der Suche und Rettung beteiligt. Ein Riesenaufgebot. Darunter auch die Bergwachtbereitschaft Oberammergau mit ihrem Einsatzleiter Johannes Flemisch. Um 16.20 Uhr werden sie alarmiert, zwei Stunden nach den österreichischen Kameraden, um Unterstützung zu leisten. An diesem Nachmittag sind in dem Gebiet relativ viele Tourengeher unterwegs, so dass die Ausgangslage zunächst sehr unübersichtlich ist. Dass sich trotz Warnstufe 2 (mäßige Lawinengefahr) eine solch’ große Lawine auf einer Breite von über 250 Metern, die sich in drei Arme aufteilt, lösen kann, ist für Flemisch keine so große Überraschung: „Es hat zuletzt geregnet, gepaart mit Sonneneinstrahlung, das macht das Ganze unberechenbar. Man steckt nicht drin. Die Natur hält sich nicht an irgendwelche Gesetzmäßigkeiten.“ Was der 38-Jährige damit ausdrücken will: Eine geringe Warnstufe bedeutet nicht automatisch keine oder nur eine geringe Gefahr. Das Einsatzgebiet befindet sich unterhalb der Schäferblasse (1764 m) zwischen Ochsenälpeleskopf und Weitalpspitze nahe dem Schützensteig und unmittelbar an der Landesgrenze.

Bei der Rettung der verschütteten Tourengeher, die in einer Zweier- und einer Dreier-Gruppe unterwegs waren, sowie bei der Suche nach dem Vermissten begeben sich die Einsatzkräfte selbst in nicht unerhebliche Eigen-Gefahr. Oberhalb der Abbruchkante liegt der Schnee noch meterhoch, ein Abrutschen der Schneemassen droht. Am Sonntagnachmittag wagt sich noch einmal eine kleine Suchmannschaft mit sieben Mitgliedern der alpinen Einsatzgruppe der Polizei sowie zwei Bergwachtlern vor, um mit Hunden und technischem Gerät nach dem Verschütteten, der vermutlich aus Furth im Wald stammt, zu suchen – eine heikle, schwierige Mission. Alle hoffen auf ein Signal vom Suchgerät des Tourengehers. Ein Polizeihubschrauber unterstützt die Beamten.

Ein Sprecher der Polizei Füssen bestätigt dann gegenüber den Medien, dass ein Skistock gefunden wurde. In diesem Bereich soll nochmal intensiv gesucht werden. Es wird überlegt, Wärmebildkameras und Drohnen einzusetzen. Da jedoch der Schnee im Lawinenabgang teilweise bis zu drei Meter hoch liegt und so hart wie Beton ist, besteht wenig Hoffnung, den Tourengeher noch lebend zu finden.

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