Viele Stühle, keine Besucher: Frederik Mayet im Oberammergauer Passionstheater.
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Viele Stühle, keine Besucher: Frederik Mayet im Oberammergauer Passionstheater.

Leere Plätze, stille Bühne

Lage zu unsicher: Kultursommer abgesagt – Heimatsound-Festival kommt wieder

Besucher hätte es reichlich gegeben. Doch der Kultursommer ist abgesagt. Die Lage ist den Verantwortlichen zu unsicher.

Oberammergau – Die Luft ist kühl. Jedes Wort wird in der Leere von einem leisen Hall begleitet. Frederik Mayet, der gemeinsam mit Walter Rutz als Geschäftsführer der Passionstheater GmbH agiert, steht auf der Bühne des Passionstheaters und blickt auf die leeren Zuschauerreihen. Keine Passionsspiele, kein Theater und auch kein Heimatsound-Festival. Der Kultursommer ist abgesagt, weil die Lage den Verantwortlichen einfach zu unsicher ist. Besucher hätte es reichlich gegeben.

Der Geruch neuer Möbel verbreitet sich in der Mensa im hinteren Bereich des Theaters, dort, wo es eigentlich nach Essen duften sollte. Mayet nimmt einen Schluck aus der Kaffeetasse und geht dann in Richtung Bühne, vorbei an den Garderoben. Er zeigt auf die Seinige, die er bezieht, wenn er bei den Passionsspielen als Jesus auf der Bühne steht. Dann passiert er die Requisite und drei große Kreuze, die zusammengebunden an einer Wand lagern. Hinter der Bühne befinden sich Säulen in der Horizontalen, Bühnenbilder warten auf ihren Einsatz. Mayet zeigt mit dem Finger auf die Schienen, in welche die riesigen Hintergründe eingefädelt werden, „um die 17 müssten es sein“, sagt er. Auf der Bühne leuchtet ihm das helle Holz unzähliger unbesetzter Plätze entgegen.

Die Passionsspiele wurden schon vor einiger Zeit auf das kommende Jahr verschoben. Theaterstücke sind heuer keine geplant, auch wenn der Geschäftsführer der Passionstheater GmbH verrät, dass es „schon ein paar Überlegungen gab“ und „wir sehr motiviert waren“. Konkret wird Mayet aber nicht, weil diese Überlegungen vielleicht in Zukunft, aber sicher nicht mehr heuer und wohl auch nicht im kommenden Jahr, umgesetzt werden. „Die Passionsspiele lassen keine Luft“, meint der Oberammergauer, wenn er auf 2022 blickt. Er lächelt in Erwartung zahlreicher Proben und Auftritte.

Heimatsound hätte am Wochenende nach den Passionsspielen stattfinden sollen

Auch für das Heimatsound-Festival werden, wie berichtet, die Türen des Theaters heuer nicht geöffnet. „Es war für das Wochenende nach den Passionsspielen geplant“, sagt Mayet, „und wurde wie die Passionsspiele verschoben.“ Schon im vergangenen Jahr sagte man das wie gewohnt ausverkaufte Festival ab. An Besuchern hätte es in diesem Jahr sicherlich nicht gemangelt, denn „es wurden fast keine Karten zurückgegeben, vielleicht 20“, weiß der Oberammergauer. Aber das scheint ihn wenig zu verwundern, „wir hatten ein richtig schönes Line-Up“, sagt er und zählt etwa Pizzera & Jaus, Pam Pam Ida und Hannes Ringlstetter auf. 14 Bands sind jedes Jahr zu hören, „sieben bis acht wären schon fix gewesen“, sagt Mayet. Die Absage fiel den Verantwortlichen nicht leicht. Eine Zeitlang „haben wir die Füße still gehalten“, bis nach Ostern, denn „wir brauchen Planungssicherheit“, betont Mayet. Und diese scheint es für die Organisatoren nicht zu geben, nach Gesprächen mit der Gemeinde und dem Gesundheitsamt hätten sie ohne „sichere Aussagen“ dagestanden.

Als Freiluftbühne dürfte man derzeit 500 Besucher empfangen. Doch wie sucht man diese 500 aus, wenn deutlich mehr Karten verkauft wurden? Und auch gegenüber den engagierten Bands wollte man fair sein und keinen Termin blockieren. In Österreich sei wieder viel mehr möglich, erzählt Mayet. Und so wollte man Musikern, die derzeit jenseits der Grenze „mehr Chancen hätten“, keine Steine in den Weg legen, erklärt der Geschäftsführer.

Besucher können draußen auch ohne Karte am Festival teilhaben

Und dann kommt noch eine „Sondersituation“ hinzu, so Mayet. Denn draußen können auch Besucher ohne Karten am Festival teilhaben. Die sind dann zwar nicht mittendrin, aber dabei. Hätte man das Festival mit diversen Corona-Maßnahmen, etwa mit einer Begrenzung der Besucherzahlen, abgehalten, so „hätten wir einen Zaun ziehen müssen“, erklärt der Oberammergauer. Und das wäre dem sonst nach außen hin geöffneten Event vermutlich nicht gerecht geworden.

Und nun? „Das Festival wird wiederkommen, es hat sich super etabliert“, beruhigt Mayet all diejenigen, die befürchten, das Aus könnte bevorstehen. Wann es jedoch wiederkommt, könne man erst im Herbst sagen, vielleicht 2022, vielleicht 2023, meint der Geschäftsführer, der betont, dass das Besondere beim Heimatsound-Festival sei, dass viele Leute aus dem Dorf mithelfen, es mehrere Generationen anspreche und „nicht so kommerzialisiert ist“. Ganz still ist es heuer nicht, denn der Bayern-2-Wettbewerb für Musiker aus dem Freistaat, dessen Gewinner das Heimatsound eröffnen darf, findet statt. „Damit zumindest der Nachwuchs ein bissl gefördert wird“, sagt der Oberammergauer.

Dass auch bald wieder etwas auf der Theaterbühne stattfinden kann, hofft Mayet inständig. Eine solch lange Zeit ohne Proben und Spielen, „das ist nichts, da merkt man, was fehlt“, sagt er. Sein Traum sei nun, dass „die WHO die Pandemie im Herbst für beendet erklärt“, sagt er augenzwinkernd und scheint sich selbst darüber zu wundern, welche neuen, nie erträumten Träume in Corona-Zeiten entstehen.

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