Bitte einsteigen: Der Bergbus ist als Ergänzung zum ÖPNV-Angebot gedacht.
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Bitte einsteigen: Der Bergbus ist als Ergänzung zum ÖPNV-Angebot gedacht.

Zwei Routen führen ins Ammertal

Lieber zehn Jahre als zehn Wochen: Münchner Bergbus ab 19. Juni unterwegs

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Die Ammergauer Alpen von München aus ganz bequem im Bus erreichen. Diese Idee des Alpenvereins soll demnächst in die Tat umgesetzt werden.

Oberammergau – Nacheinander ploppen die Fotos an der Leinwand im Ammergauer Haus auf. „Hochglanzbilder“ nennt sie Christian Stolz. Von Autokolonnen, bei denen sich die Sonne im Lack spiegelt. Der Vertreter der Alpenvereinssektion München und Oberland kennt die Situation im Landkreis. Die vollen Straßen und Parkplätze. Und er weiß, dass Menschen aus der Stadt in die Natur strömen.

„Der Großraum München ist eines der größten Quellgebiete für Tagestouristen im bayerischen Alpenraum.“ Per Video-Schaltung nehmen Stolz und seine Kollegin Carolin Gilg an der Sitzung des Oberammergauer Gemeinderats teil. Um das Projekt „Münchner Bergbus“ vorzustellen. Und um Unklarheiten auszuräumen.

Detailliert erläutert Stolz den Sinn und Zweck des neuen DAV-Angebots, das als Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gedacht und an Autofahrer gerichtet ist. Die Devise lautet „anstatt statt on top“, betont der Referent. Es geht nicht darum, zusätzliche Gäste ins Ammertal zu karren, sondern einen Umstieg von Pkw auf Bus zu ermöglichen. Der DAV trumpft unter anderem mit günstigeren Fahrkarten als die Deutsche Bahn, digitalen Tickets (samt MVV-Nutzung) sowie mit der Möglichkeit für spontane Buchungen auf. „Ein Bus“, betont Stolz, „bedeutet circa 50 Pkw weniger auf der Straße.“

Wander-Hotspots sollen verschont werden

Die ÖPNV-Anbindung bislang ist für Münchner Ausflügler eher weniger interessant. Zu viel Zeit verstreicht, bis sie ans Ziel gelangen. Stolz hat nachgeschaut: Vom Münchner Hauptbahnhof bis Ettal dauert die Reise etwa 2,5 Stunden, nach Linderhof 2,27 bis 3,02 Stunde. Bis zum Ammerwald kommt man erst gar nicht. Der DAV will die Wander-Hotspots verschonen, mehr die Ausgangspunkte ansteuern, die bis dato öffentlich schlecht zu erreichen sind. Daraus resultiert automatisch ein gewisses Maß an Besucherlenkung.

Das Pilotprojekt startet am Sonntag, 19. Juni. Zwei Busse machen sich auf den Weg in die Ammergauer Alpen, nehmen aber unterschiedliche Routen: Die Abfahrt für Frühaufsteher ist um 6.30 Uhr in München – für sie geht’s über die A 95 nach Ettal, Oberammergau und ins Graswangtal. Und um 17.30 Uhr wieder zurück. Die Längerschläfer brechen um 8.30 Uhr auf und werden über Murnau, Unter- und Oberammergau ins Graswangtal gebracht (Rückfahrt: 18 Uhr).

Positives Echo aus der Region

Bislang erfuhren Stolz und seine Sektions-Kollegen positives Echo aus der Region. Was wichtig sei. „Das Projekt lebt auch davon, dass die heimische Bevölkerung es annimmt.“ Mit der Ammergauer Alpen GmbH und der Gemeinde besteht ein reger Austausch. Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) spricht von einer „superschönen Zusammenarbeit, die viel Spaß macht“. Er sieht Potenzial in dem Projekt, dieses langfristiger aufzuziehen.

Nach aktuellem Stand läuft es zehn Wochen lang, bis 22. August. Aus finanziellen Gründen. Die Initiatoren stemmen die Kosten, die im hohen fünfstelligen bis niedrigen sechsstelligen Bereich liegen, aus Eigenmitteln, konkret aus Mitgliedsbeiträgen. Gerade deshalb würden sie sich wünschen, dass sich die Stadt München oder sogar das Land Bayern einklinken.

Ein Zuschuss aus dem Leader-Topf, wie Katharina Floßmann (Bunte Liste) ihn in der Sitzung ins Spiel bringt, kommt allerdings nicht in Frage. „Als Verein können wir keinen Antrag stellen“, erklärt Stolz. Die Ammergauer Alpen GmbH unterstützt die Sektion aber bei der Suche nach Fördermöglichkeiten. Denn alle eint ein Ziel: den Bergbus langfristig einzusetzen. „Es ist hochspannend, was der DAV aufzieht“, meint Ludwig Utschneider (PWG). „Ich hoffe, dass aus zehn Wochen zehn Jahre werden.“

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