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Wie immer am Vorabend des Geburtstags des Monarchen entzünden die Feuermacher die flammenden Symbole, ehe sie gegen Mitternacht mit Fackeln vom Berg in den Ort zurückkehren. Auf ihrem Weg in den Gasthof Rose werden sie von zahlreichen Zuschauern gebührend in Empfang genommen.

Zum 173. Geburtstag des Monarchen

Ludwigs-Feuer: Eine flammende Verehrung für den Märchenkönig

Vor dem Wetter ist niemand gefeit. Auch die Oberammergauer nicht. Starker Regen setzte am Freitagabend ein. Von ihrem traditionellen Ludwigs-Feuer ließen sie sich jedoch nicht abbringen. Ein Spektakel – dieses Mal allerdings eines mit ein paar Abstrichen.

Oberammergau –Ja, die Natur hat den Regen gebraucht! Aber musste er ausgerechnet am Abend des 24. August vom Himmel fallen? An dem Tag, an dem die Oberammergauer ihrem „Kini“ am Vorabend seines Geburtstages auf ganz besondere Weise huldigen, indem sie die umliegenden Berge entflammen? Seit 1888 tun sie das nun schon. Mit Fug und Recht kann man von einer echten Tradition sprechen, die Jahr für Jahr nicht nur die Einheimischen, sondern auch viele Touristen begeistert. Wie auch heuer wieder. Allerdings war es dieses Mal eine recht nasse Angelegenheit.

Die Verbindung König Ludwigs II. zum Ort macht die mächtige Kreuzigungsgruppe am Osterbichl augenfällig, die der Monarch den Oberammergauern schenkte, nachdem ihn der Besuch der Passionsspiele verzückt hatte. An diesem Monument soll der Abend mit einem Standkonzert der Blasmusik Unterammergau musikalisch eröffnet werden. Um 18 Uhr, es nieselt leicht, weist noch nichts auf das Ereignis hin. Die Frauen, die die Tourist-Info gerade schließen, erklären, dass voraussichtlich alles nach Plan abläuft. Also Blasmusik von 19 bis 20 Uhr, um den Gästen „die Zeit bis zum Entflammen der Bergfeuer um 21 Uhr zu verkürzen“. Sie täuschen sich, wie sich später herausstellt.

Farbenspiele in der Nacht: Mit Feuerwerk, einer brennenden Königskrone am Kofel würdigen die Oberammergauer den Märchenkönig.

Im Ort sind derweil wenige Passanten unterwegs. Der eine oder andere marschiert zur Kreuzigungsgruppe, während etliche Enttäusche ihnen auf dem Waldweg wieder entgegenkommen. „Das Konzert fällt aus“, geben sie weiter, was ihnen oben gesagt wurde. Droben hält sich jetzt kurze Zeit später kein Verantwortlicher mehr auf. Niemand erklärt den Menschen dort, dass es in diesem Jahr keine Musik geben wird. Viele stellen sich die Frage, warum unten sich keiner der Organisatoren positioniert, um zu informieren oder wenigstens ein Hinweisschild aufgestellt wurde. Und warum wird die Blasmusik bei Regen nicht ins Ammergauer Haus verlegt? . Manche Besucher bringen den Wunsch vor, dass die Tourist-Info doch bis 21 Uhr geöffnet haben möge und als Anlaufstelle für Fragen dienen könnte. Denn Antworten bekommen die Betroffenen an diese Abend nirgends.

Die Uhr zeigt 20.15 Uhr, es regnet immer stärker. Wenige Menschen gehen ausgerüstet mit Schirmen Richtung Ammerbrücke. In der Regel einer der Logenplätze für das Feuerspektakel. Dort versammelt sich sonst eine große Zahl an Schaulustigen. Heuer bleibt der große Ansturm aus.

Mit einem großen „L“ würdigen die Oberammergauer den Märchenkönig.

Gut 30 Zuschauer versammeln sich auf der Brücke, knapp 20 vor dem Hotel Sonnenhof. Kurz nach 21 Uhr wird ihre Ausdauer im steten Regen belohnt: Leise erklingt Musik aus der Höhe, die ersten Feuer zeigen sich und bilden ein mächtiges Kreuz am Kofel. Es dauert, bis oberhalb des Kreuzes die Umrisse der Feuer-Krone im Nebel erkennbar sind. Auch die Lichter und Farben der regelmäßig abgeschossenen Leuchtkugeln verschwinden immer wieder in den Nebelschwaden. Bewegend, eindrucksvoll und ein Schauspiel ist die flammende Verehrung des bayerischen Märchenkönigs dennoch. Wenngleich der Autolärm die emotionale Stimmung desöfteren stört, die Musik der Oberammergauer Bläser teilweise untergeht.

Deren Bayern-Hymne läutet traditionell das Ende ein. Kurz darauf flackern kleine Lichter am Berg. Der Fackelzug setzt sich talabwärts in Bewegung: Die Feuermacher kommen zurück ins Tal. Dort werden sie später gebührend in Empfang genommen, ehe die Männer im Gasthof Rose die langjährige Tradition – ganz unter sich – ausgiebig feiern. Sabine Näher

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