Wappen des Junggesell*innen-Vereins Oberammergau
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Das Wappen des Junggesell*innen-Vereins Oberammergau.

Mission Maibaum 2022

Schon fast 100 Mitglieder: Neuer Junggesellenverein gegründet - Auch Frauen sind dabei

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Das Gender-Sternchen steht: In Oberammergau hat sich ein Junggesellenverein der anderen Art gegründet – mit Frauen. Die Mitglieder schmieden fleißig Pläne für die Zukunft. Dazu zählt, am Ammergauer Haus einen Maibaum aufzustellen. Allerdings frühestens 2022.

Oberammergau – Bei der Feuerwehr sind sie inzwischen erlaubt. Bei den Ministranten auch. Jetzt mischen Frauen in einer typischen Männervereinigung mit. Im neuen Burschenverein. Der Name – passenderweise gendergerecht: Junggesell*innenverein Oberammergau. Sie gehören sogar dem Vorstandsteam an.

Doch am Anfang standen Männer. Ein paar Spezln, die in der Vergangenheit Festl organisierten. Auf eigene Faust. Damit ein bisschen was geboten ist für die jungen Leut’. Als Verein aber hätten solche Veranstaltungen offizielleren Charakter, dachten sie sich. Wären legaler, sagt Vorsitzender David Lück und lacht. Oft hockten die Freunde beieinander, immer mehr junge Mannsbilder gesellten sich dazu, um die Gründung zu planen. „Wir haben schnell überlegt, ob wir einen diversen Verein machen“, erzählt der 24-Jährige. In Oberammergau sei es schließlich nicht ganz einfach, bei so einem Vorhaben auf die Mädchen zu verzichten. Die Vorteile überwogen. Sie können in vielen Bereichen helfen. Zum Beispiel beim Bardienst. „Auf Dauer“, meint Lück, „ist das einfach zukunftsorientierter gedacht.“

Knappe Frauendominanz bei den Mitgliedern

Damit nehmen die Oberammergauer eine Vorreiterrolle ein. In München zum Beispiel macht jeder sein Ding. Auf der einen Seite der Burschen-, auf der anderen Seite der Madlverein. Aber gemeinsam? Zumindest im Landkreis, sagt Lück, gibt es das nicht. Zumindest wär’s ihm nicht bekannt.

Aktuell kratzt der Verein an der 100-Mitglieder-Marke. „In fünf Monaten“, betont Lück – und samt einer knappen Frauendominanz. Für 25 Euro im Jahr darf jeder ab 16 Jahren mitmachen. Das einzige Kriterium: Er sollte ortsverbunden sein. Was nicht bedeutet, dass man in Oberammergau wohnt. Auch Verheiratete nimmt der Verein auf – dann als passives Mitglied. Derzeit liegt der Altersschnitt zwischen 18 und 23 Jahren. „Es sind aber auch Eltern von Mitgliedern dabei“, sagt Lück. Die bunte Mischung gefällt ihm. Gerade angesichts der unterschiedlichen Lager in der Gemeinde. „Die ziehen sich über Generationen hinweg.“ Wenn es so weiter geht wie bislang, „wäre das richtig geil“.

Corona erschwert das Vereinsleben

Die Intention, die hinter dem Verein steckt, erklärte Lück bereits im Februar dem Gemeinderat. „Wir wollen für junge Leute was bieten –mit dem einen Auge aufs Brauchtum, mit dem anderen darauf, das was los ist.“ Und zwar in organisierter Form. Damit auch nachhaltig etwas dabei rausspringt. Zum Beispiel Ausflüge oder Schafkopfturniere. Eines betont der 24-Jährige explizit: „Wir sehen uns als Ergänzung zu anderen Vereinen und wollen niemanden den Rang ablaufen.“ Ganz im Gegenteil: Lück bietet schon jetzt Unterstützung an, wenn sie gewünscht wird.

David Lück ist der Vorsitzende des Vereins.

Aktuell steckt sein Team in der Warteschleife. Die Pandemie bremst die Junggesell*innen aus. Nur die digitalen Treffen alle drei Wochen finden statt. Die aber sind wichtig, meint Lück. „Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren, gerade am Anfang.“ Grobe Pläne stehen bereits. Zwei bis drei Feste im Jahr will der Verein ausrichten. Im Fasching soll es einen zehntägigen Café Misthaufen geben. Das war bereits für heuer angedacht, aber nicht möglich. Gleiches gilt für die Mission Maibaum. „Zum Glück haben wir die Planungen rechtzeitig eingestellt.“ Aber 2022 – falls im Passionsjahr machbar – visieren sie an, einen am Ammergauer Haus aufzustellen, samt Festl. Noch so ein Novum in Oberammergau. Die Ortspolitiker haben das Vorhaben bereits genehmigt. „Ich hätte nicht mit so einem überzeugten Gemeinderat gerechnet“, räumt Lück ein und versichert: „Wir werden das Vertrauen nicht missbrauchen.“

So einfach die Aktion klingt, ist sie aber nicht. Schon jetzt machen sich die Vereinsvertreter schlau über die Tradition. Zum Beispiel über Versicherungen und über den Baum an sich. „Es gibt 1000 Rezepte, wann und wie man ihn schneiden soll.“ Auch mit anderen Orten wie Bad Bayersoien tauschen sie sich aus. Eines steht indes fest. „Wir wollen ihn händisch aufstellen.“ Bleibt noch zu klären, ob dies nur durch Manneskraft geschieht.

Der Vorstand:

Erster Vorsitzender: David Lück Zweiter Vorsitzender: Leander Marzell; Dritter Vorsitzender: Florian Maderspacher; Erster Kassier: Anton Preisinger; Zweite Kassiererin: Magdalena Hochenleitner; Erster Schriftführer: Andreas Daisenberger; Zweiter Schriftführer: Josef Hofmann; Beisitzerinnen: Franziska Burger, Stefanie Daisenberger, Moema Scocci, Alice Serve; PR-Beauftragter: Kilian Clauß.

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