das Passionstheater in Oberammergau von oben
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Die Passion als Aufhänger: Die Gemeinde Oberammergau könnte 2022 die Veranstaltung des Deutschen Zentrale für Tourismus ausrichten.

Werbewert von „Germany Travel Mart“ liegt bei 40 Millionen Euro

„Die eierlegende Wollmilchsau“: Oberammergau bewirbt sich für großes Tourismus-Branchentreffen - Termin kurz vor der Passion

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Oberammergau punktet mit Tradition: Die Gemeinde bewirbt sich für eine wichtige Tourismus-Veranstaltung. Zum ersten Mal würde sie in einer ländlichen Region stattfinden.

Oberammergau – Ein Scherz war’s. Nicht mehr und nicht weniger. „Kommt’s doch mal nach Oberammergau“, hat Gerhard Griebler Mitte Februar in der Videokonferenz mit der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) gesagt. War nun mal der erste Gedanke des Vorstands der AOVO Touristik AG, die die Passionsspiele vermarktet. Schließlich suchte die Organisation einen Ort, der Tradition verkörpert. Weniger Tage später klingelte sein Telefon. Die Nachricht: Oberammergau – ja, das passt. Weil das Klischee, welches die Bundesrepublik im Ausland hat, dort zuhause ist: Lederhose und Dirndl, Königsschlösser, Berge und die Passion. Deshalb könnte die Ammertaler Gemeinde nach Großstädten wie Köln, Dresden oder Nürnberg im Rahmen des Gelübdespiels Ausrichter des „Germany Travel Mart 2022“, des größten Branchentreffs zur internationalen Vermarktung des Reiselands Deutschland werden.

Ein straffes Programm trauen sich die Oberammergauer zu. Der sogenannte Incoming-Workshop – „Incoming“ beschäftigt sich mit dem Verkauf von inländischen Angeboten an Reiseveranstalter oder -büros – ist für die Zeit von 30. April bis 5. Mai angesetzt. Zwei Wochen vor der Passionspremiere und eine Woche vor den Jugendtagen. „Kriegen wir hin“, sagt Oberammergaus Werkleiter Walter Rutz. Zu wichtig sei die Veranstaltung. Zumal Oberammergau sich seit Jahren den Kopf zermürbt, wie man die positive Wirkung der Passion in die Folgejahre mitnehmen kann. „Es ist die Chance, sich nachhaltig zu positionieren“, betont Griebler.

400 Fachleute, 150 Medienvertreter

Zum ersten Mal überhaupt würde die GTM in einer ländlichen Region über die Bühne gehen. „Das wird’s so schnell nicht mehr geben“, meint Rutz. Für ihn ein absoluter Glücksfall, von dem nicht nur Oberammergau, sondern der gesamte Landkreis, die Region und ganz Bayern profitieren. Bis zu 400 Fachleute, die Entscheider aus der Reiseindustrie, nutzen die Möglichkeit, sich über die neuesten Trends, Entwicklungen und touristischen Produkte in Deutschland zu informieren. Circa 150 Ausstellern aus Hotellerie, Transport sowie der lokalen und regionalen Tourismusorganisationen bietet der GTM eine Plattform, mit Teilnehmer aus 45 Ländern neue Kontakte zu knüpfen und Geschäftsabschlüsse zu tätigen. Dazu kommen 100 bis 150 Medienvertreter aus Film und Print, zum Beispiel von der New York Times, die über das Event berichten. Der Werbewert liegt bei 40 Millionen Euro. „Unbezahlbar“, sagt Rutz.

Doch die Zeit drängt. Bereits am Freitag (5.3.) muss das Bid-Book, also die Bewerbungs-Unterlagen, präsentiert werden. Die Gemeinde muss sich um Räumlichkeiten für den Workshop und die Medienbetreuung kümmern, die Übernachtungsmöglichkeiten beschaffen und ein attraktives Rahmenprogramm für die Teilnehmer entwerfen. Rutz gibt sich am Donnerstagnachmittag entspannt. Die Vorschläge und Ideen stehen. An touristischen Highlights mangelt’s ja nicht. Konkreter darf er noch nicht werden. Selbst von den 500 nötigen Betten im Ammertal „haben wir schon fast alle beinand“.

Gemeinde muss maximal 100.000 Euro aufbringen

Kurzfristig war am Mittwochabend noch eine Gemeinderatssitzung mit diesem einen Tagesordnungspunkt anberaumt worden. Die Ortspolitiker befürworteten nach längerer Beratung einstimmig die Bewerbung und beschlossen, Mittel von maximal 100.000 Euro aus dem Eigenbetrieb Kultur bereitzustellen. Der Mehrwert überzeugte. „So eine Schatztruhe“, betonte Bürgermeister Andreas Rödl (CSU), „kriegen wir nicht noch einmal“.

Bis Mai müssen die Finanzierung und das Konzept komplett stehen. Solange geht’s drum, Partner zu finden, die die Veranstaltung unterstützen. Kommende Woche klopft man zum Beispiel beim Flughafen München an. Auch die Ammergauer Alpen sowie die Bayern Tourismus Marketing GmbH sollen ins Boot geholt werden, erste Gespräche gab’s bereits. Wie auch mit Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Er steht dem GTM überaus positiv gegenüber. Deshalb „kann sich der Landkreis oder die Zugspitz Region vorstellen, entsprechend der finanziellen Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten“, sagt er. „Dies bedarf aber natürlich der Diskussion und Zustimmung der Gremien.“ Darauf bauen die Oberammergauer. Angesichts der klammen Kasse ist es für die Gemeinde wichtig, den Eigenanteil zu senken. „Da muss uns was einfallen, damit das funktioniert“, meinte Michael Fux von der Parteilosen Wählergemeinschaft. „Das ist die eierlegende Wollmilchsau, wenn das kommt.“

Die Chancen stehen jedenfalls gut. „Wenn wir das Programm mit dem Workshop darstellen können“, erklärt Rutz, „dann erhalten wir relativ schnell den Zuschlag.“ Das habe die DZT zugesagt.

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