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Eine spannende Herausforderung: In den Passions-Werkstätten wird wieder gearbeitet

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Von: Tanja Brinkmann

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Zwei Frauen malen ein Bühnenbild an.
Am Roten Meer, das für das Lebende Bild zur Flucht aus Ägypten gebraucht wird, tragen Johanna Zehentbauer (r.) und Elena Scheicher noch etwas Farbe auf. © Dominik Bartl

In den Passions-Werkstätten wird wieder gearbeitet. Zur Freude aller Mitwirkenden. Gerade in der Schneiderei gibt es einiges zu ändern. Einige sind nicht mehr dabei, andere kommen neu dazu, manche Kinder und Jugendliche sind ein gutes Stück gewachsen und andere haben Corona-Kilos zugelegt. Ein Besuch.

Oberammergau – Noch sind es reine Baumwollstoffe. Solche, die man als Schneider häufig in Händen hält. Obwohl, der Druck macht auch dieses Material zu etwas Besonderem. Die Gewänder des Volks, das 2010 noch ganz in Blau auf der Bühne stand, sind dieses Mal hellgrau, teilweise in Indien eigens für die Oberammergauer Passionsspiele mit schwarzem Blockprint bedruckt. „Das machen wir jetzt fertig“, sagt Ines Kern. Die Murnauerin arbeitet zum zweiten, wobei wegen der corona-bedingten Verschiebung eigentlich zum dritten Mal in der Schneiderei im Passionstheater mit.

„Den Chor haben wir schon durchprobiert, die Römer teilweise.“ Ihre Kostüme lagern im Nebenraum. Ein Blick darauf zeigt, dass die Sänger nicht als „sphärische, engelsgleiche Wesen“ auf der Bühne stehen. „Dieses Mal stellt der Chor die Oberammergauer um 1600 dar, traditionell, bäuerlich“, erklärt Frederik Mayet. Das entsteht gleich aus dem ersten Lebenden Bild, das das Passionsgelübde darstellt, mit der die Oberammergauer der Pest Einhalt geboten. Akkurat beschriftet hängen die Gewänder auf zahlreichen Kleiderstangen und lassen schon erahnen, dass sich Stefan Hageneier, zuständig für die Kostüme und das Bühnenbild, wieder etwas ganz Besonderes hat einfallen lassen.

Eine Frau legt sich eine Stoffbahn hin.
Einiges muss neu gefertigt werden: Ines Kern schneidet ein Modell zu, das ein Darsteller im Volk tragen wird. © Dominik Bartl

Das zeigt sich auch beim Anblick der Modelle für die Lebenden Bilder. Und man sieht, dass gerade diese die später 40 Bühnenarbeiter – noch wird hier, wie auch in der Schneiderei nicht in voller Besetzung gearbeitet – vor eine gewaltige Herausforderung stellen. Die Kästen in verschiedenen Ebenen können zwar für zwei, manchmal für drei Szenen genutzt werden, müssen aber jedes Mal in Windeseile auf einem Wagen auf- und wieder abgebaut werden. Eine logistische Meisterleistung. „Da sind teilweise nur zwei Minuten Zeit“, sagt Mayet, der als Pressesprecher und Jesus-Darsteller bei dem Gelübdespiel mitwirkt. Die Zeit, bis die Proben auf der großen Bühne anlaufen, nutzt das Team nun, um sämtliche Bühnenbilder hervorzuholen. Zu kontrollieren, ob alles passt. Und um sich vor allem mit jedem Handgriff vertraut zu machen. „Das ist der Vorteil, jetzt können die Leute hinter der Bühne sich noch einmal alles in Ruhe anschauen, auch die schnellen Umbauten probieren.“ Und überlegen, wie sie die Kulissen auf dem begrenzten Raum sinnvoll unterbringen.

Leseproben für die Hauptdarsteller der Passion beginnen im Januar

„Erst glaubt man, wir haben ja noch viel Zeit“, sagt Mayet. Seit die Arbeit in den Werkstätten wieder aufgenommen wurde und auch die musikalischen Proben begonnen haben, wird aber allen Akteuren bewusst: „So viel ist es doch nicht mehr.“ Die Leseproben für die Hauptdarsteller sollen am 6. Januar 2022 starten – „und dann wieder täglich“. Denkt Mayet an die aktuellen Corona-Zahlen, weiß er, welch’ große Herausforderung die Mitwirkenden und Spielleiter Christian Stückl erwartet. „Alle, die hier arbeiten, werden regelmäßig getestet.“ Welche Regeln aber Anfang Januar gelten, steht in den Sternen. Noch ist der Jesus-Darsteller aber zuversichtlich, dass das Gelübdespiel im kommenden Jahr stattfinden kann.

Kostüme an einem Kleiderständer.
Ein Teil der Volksgewänder ist bereits fertig und hängt gut beschriftet an Kleiderstangen in der Schneiderei. © Dominik Bartl

Seine Anprobe in der Schneiderei steht ihm noch bevor. „Wahrscheinlich komme ich als Letzter dran“, vermutet er. Noch sind Kern und ihre Kolleginnen mit dem Volk beschäftigt. Gerade bei den jungen Burschen, von denen etliche in den vergangenen zwei Jahren einen gewaltigen Wachstumsschub getan haben, galt es, einiges zu ändern. „Andere haben vielleicht das eine oder andere Corona-Kilo zugelegt“, sagt Mayet. Dazu kommen die Absagen. 150 müssen auf eine Teilnahme verzichten, weil’s einfach nicht mehr passt. „Dafür sind aber 100 neu dazugekommen.“ Mit der Folge: Die Schneiderinnen haben einiges mehr zu tun.

Nach den Volksgewändern widmen sie sich den Lebenden Bildern. Dann geht’s an die Schals, Hüte und andere Accessoires, die der Hohe Rat noch braucht. Die Materialien, mit denen sie für die Passion arbeitet, findet Kern „sehr spannend“. Gerade wenn es gilt, einen der alten Teppiche aus der Türkei zu verarbeiten. „Daraus ein Gewand zu schaffen, ist gigantisch.“ Genau solche Herausforderungen sind es, die ihr und den 13 anderen Schneiderinnen so viel Spaß machen. „Wer näht normalerweise schon solche Kostüme?“, fragt Kern. Das Passionsspiel ist für viele von ihnen eine willkommene Abwechslung vom Arbeitsalltag. Deshalb wirkt sie zum zweiten Mal mit, und deshalb hat sie sich auch bei den Produktionen dazwischen engagiert.

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