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Faszinierendes Handwerk: Holzbildhauer Ernst Franz arbeitet unter den Augen einer Besucherin an einer seiner Figuren.

Die Zukunft im Pilatushaus ist ungewiss

Lebende Werkstatt in Oberammergau: Verwaltung prüft Auszug

Seit 40 Jahren gibt es die Lebende Werkstatt in Oberammergau – ein Erfolgsprojekt. Ob sie im Pilatushaus eine Zukunft hat, ist aber ungewiss. Die Verwaltung prüft Alternativen – und zieht Zorn auf sich.

Oberammergau – Wenn zwei Gemeinderäte etwas zum Thema machen, über das sie eigentlich nicht sprechen dürfen, geschieht so etwas dann aus Versehen? In Oberammergau haben Karl-Heinz Götz (Freie Wähler) und Dominikus Zwink (Engagierte Bürger) unter dem Sitzungs-Punkt „Sonstiges“ die Lebende Werkstatt im Pilatushaus angesprochen. Dass sie es nicht für gut heißen, wenn sich für die Institution etwas ändern sollte. „Ich kann nur davor warnen, sie anzufassen“, stellte Zwink klar.

Ein Vorgehen, dass Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) scharf kritisierte. Zum einen wegen des rechtlichen Verstoßes, Interna aus nicht-öffentlichen Sitzungen bekannt zu machen. Zum anderen kreidete er an, dass Götz und Zwink eigentlich nichts anderes als „politische Stimmungsmache“ im Sinn haben. „Schön“, lautete sein bissig-sarkastischer Kommentar. Statt sich alle Wege offen zu halten und Lösungsvorschläge parat zu haben, sei das Thema nun mitunter schon „tot“.

Wie er auf Anfrage erklärte, wurde vom Gemeinderat hinter geschlossenen Türen entschieden, die Sachlage zu prüfen. Demnach brauche die Verwaltung weiteren Platz im Pilatushaus, um das Ordnungsamt vom Kleinen Theater, bei dem es keine Barrierefreiheit gibt, dorthin zu verlegen. „Und die Verwaltung zusammenzuführen.“ Davon wissen die betroffenen Gruppen im Pilatushaus bereits vom Hörensagen. Neben der Hinterglas-Ausstellung des Museums sind dort die Handwerker der Lebenden Werkstatt beim Arbeiten zu sehen, präsentiert werden auch Werke von den Holzschnitzern des Lukas-Vereins. Wie berichtet, wurde am 3. Oktober das 40-jährige Bestehen der Werkstatt mit einem Aktionstag gefeiert. Da sei man mit den Besuchern – zu denen Götz und Zwink nach eigenen Worten gehörten – ins Plaudern gekommen.

Nunn wollte von Verwaltungsseite erst an die Betroffenen herantreten, wenn man ihnen ein Angebot machen könnte. „Aber so weit sind wir ja gar nicht gekommen.“

In der Tat haben gar keine Gespräche stattgefunden – auch nicht nach der Gemeinderatssitzung, weil Geschäftsführer Christian Ostler, der mit dem Thema betraut war, Nunn zufolge im Krankenstand ist. „Uns hat noch niemand etwas von offizieller Seite gesagt“, erklärt auch Lukas-Verein-Vorsitzender Tobias Haseidl wenig erfreut. Er erinnert daran, was für ein Publikumsmagnet das Angebot im vorderen Teil des Pilatushauses ist und wie sich der Platz dafür eignet.

„Das ist alles extra so gemacht worden“, sagt Sabine Maas von der Lebenden Werkstatt. Ihr Arbeitsplatz befindet sich im ersten Stock des Pilatushauses. Genauso wie die Verwaltung. Warum es niemand schafft, durch die Glastür zu gehen, und über den Stand der Dinge zu informieren – „das verstehe ich nicht. Man erfährt alles hintenrum“. Und das, was sie weiß, macht sie alles andere als glücklich. „Die sollen sich ein Rathaus bauen“, sagt Maas zu den Erweiterungsplänen der Verwaltung.

Zugleich stellt sie mit deutlichen Worten klar, dass sie alles dafür tun wird, die Lebende Werkstatt im Pilatushaus zu erhalten. Und wenn ein Bürgerbegehren initiiert werden muss. „Da gibt es keine Diskussionen.“

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