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Mit neuem Elan und neuem Namen: (v.l.) Vorstandsmitglied Marina Kirchmayr, 2. Vorsitzende Barba ra Cunradi-Rutz und die 1. Vorsitzende Katharina Floßmann.

Lokalpolitische Gruppierung nennt sich künftig „Bunt in Oberammergau“

Frauenliste Oberammergau buhlt um Männer

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Mit frischem Wind den etwas verstaubten Namen abgelegt: Neues von der Frauenliste in Oberammergau.

Oberammergau – „Der Prozess“ machte bundesweit Schlagzeilen in den Gazetten. Drei Frauen aus Oberammergau erstritten vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof das Mitwirkungsrecht von Frauen bei den Passionsspielen. Das war vor 29 Jahren. Einher ging damals mit dieser lokalen Revolution im weltberühmten Dorf unterm Kofel ein weiterer gewagter Schritt: Am 30. Januar 1990 gründete sich die Frauenliste Oberammergau, eineinhalb Monate später zogen erstmals überhaupt drei Frauen neu in den Gemeinderat ein. Dies waren Monika Lang, Annelies Zunterer und Christl Ott. Der Beginn einer Ära.

Heute, drei Jahrzehnte später, ist die politische Gruppierung an einem Punkt angelangt, wo sie sagt: „Frauenliste? Das ist nicht mehr zeitgemäß!“ Nach einem „längeren Denkprozess“, so die amtierende Erste Vorsitzende Katharina Floßmann, sei man zu dem Ergebnis gekommen, sich umzubenennen – in „Bunt in Oberammergau“, abgekürzt „BiO“. Dass es in Oberammergau schon eine „BIO“-Liste gibt, nämlich „Bürger-Initiative Oberammergau“ (mit derzeit drei Vertretern im Gemeinderat), habe laut Floßmann keinen Hintergrund und keine Bedeutung: „Das spielt für uns keine Rolle.“

Die Gründe für die Umbenennung erläutert die Gemeinderätin: „Wir wollen uns einfach öffnen, auch für Männer. Nach 30 Jahren darf man mal was Neues wagen. An unseren Inhalten und Zielen, für eine nachhaltige, ökologische und soziale Politik im Ort einzutreten, ändert sich nichts. Das ist kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung.“ Auch ihre Vertreterin, die Zweite Vorsitzende Barbara Cunradi-Rutz, unterstützt Floßmann: „Wir wollen künftig für Parität stehen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt bei uns Politik machen. Es gibt ja keine reinen Frauen-Themen mehr.“ Vorstandsmitglied Marina Kirchmayr, Ansprechpartnerin für junge Familien, verweist auf den gesellschaftlichen Wandel, der sich zwischenzeitlich vollzogen hat: „Es ist doch heute längst völlig normal, dass Männer in Elternzeit gehen und sich viel mehr als früher in die Erziehung der Kinder einbringen.“

Mit dem neuen Namen will sich die Liste „Bunt in Oberammergau“ den brennenden lokalen Themen widmen, wie etwa der akuten Wohnungsknappheit im Dorf, sozialer Gerechtigkeit, flexiblen Kinderbetreuungszeiten oder mehr Mitspracherecht für ältere Mitbürger. „Bunt“ wolle laut Kathi Floßmann auch eine Anlaufstelle sein für alle die, „die nicht schon ewig hier sind, offen und bereits sind für neue Ideen und Visionen.“ Dabei weiß die Gemeinderätin aus eigener Erfahrung, dass die kommunalpolitische Arbeit kein Zuckerschlecken in Oberammergau ist: „Gemeindepolitik ist nicht sexy. Das sind viele kleine Schritte.“ Gerade in der laufenden Legislaturperiode würde aber zu oft übers Ziel hinaus geschossen: „Die persönlichen Untertöne geben mir manchmal zu denken.“

Wert legen die drei Vorstandsdamen auf Kontinuität und Verlässlichkeit. Cunradi-Rutz: „Wir halten seit 30 Jahren jeden Monat unsere Basissitzungen ab, treffen uns am letzten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Hotel Böld. Daraus sind schon viele zündende Ideen entstanden.“ Natürlich hat man die nächste Kommunalwahl im Frühjahr 2020 schon im Blick. Zwei oder drei Mandate würde man gerne holen. Eine eigene Bürgermeisterkandidatin, oder -kandidat? „Dieses Thema wird schwierig, ist kein leichtes Unterfangen“, gibt Katharina Floßmann unumwunden zu. „Aber schauen wir mal, was die nächsten Monate bringen.“ Für Überraschungen waren die „Gründungsmütter“ der Frauenliste ja schon immer gut . . .

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